Smart Meter: Warum beim Zählertausch keine Eile nötig ist
Briefe zum schnellen Einbau intelligenter Stromzähler sorgen für Verunsicherung. Verbraucherschützer raten, Angebote genau zu prüfen. Nicht für jeden Haushalt lohnt sich ein Smart Meter.
15.10.2026 | 0:37 minDie Tage analoger Ferraris-Stromzähler mit schwarzem Gehäuse und Drehscheibe sind gezählt: Bis 2032 sollen alle Haushalte mindestens mit einer digitalen Messeinrichtung ausgestattet werden. Nur bestimmte Verbrauchergruppen erhalten verpflichtend ein intelligentes Messsystem (iMSys), auch Smart Meter genannt.
Ein Smart Meter ist ein vollwertiger, durch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zertifizierter Stromzähler mit einem hochgesicherten Kommunikationsmodul (Smart-Meter-Gateway), der den Stromverbrauch im Viertelstundentakt misst, Daten verschlüsselt überträgt und auch die Steuerung von Geräten (wie Wärmepumpen oder Wallboxen) ermöglicht.
Werbeschreiben mit offiziellem Anstrich
Bundesweit verschickt die Firma Deutsche Messwesen GmbH derzeit Werbeschreiben, die zum Einbau von Smart Metern drängen. Laut Christina Wallraf, Referentin Energiemarkt bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen (NRW), erwecken die Briefe fälschlicherweise den Eindruck eines offiziellen Schreibens.
In Wahrheit handelt es sich lediglich um Werbung für einen kostenpflichtigen Einbau.
Christina Wallraf, Verbraucherzentrale NRW
Der Einbau könne freiwillig geschehen, müsse es aber nicht, so Wallraf.
Der Strompreis in Deutschland gehört zu den höchsten in Europa. DEALS erklärt, warum Strom hierzulande so teuer ist und wer davon profitiert.
22.10.2025 | 21:15 minNicht jeder Haushalt braucht einen Smart Meter
Die Verbraucherzentrale NRW warnt vor dem Druck, der mit dem Schreiben ausgeübt wird. Viele Haushalte benötigen keinen Smart Meter. "Zudem können alle Haushalte abwarten, bis sie von ihrem Messstellenbetreiber vor Ort angeschrieben werden", sagt Wallraf. Die Pflicht, einen Smart Meter in bestimmte Haushalte einzubauen, liegt allein beim Messstellenbetreiber, und das auch nur unter bestimmten Voraussetzungen.
Ein intelligentes Messsystem bekommen nach und nach Haushalte, auf die mindestens einer der folgenden Fälle zutrifft:
- Großverbraucher: Ab 6.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch (Durchschnitt der letzten drei Jahre)
- Stromerzeuger: Photovoltaik (unter anderem Anlagen ab sieben Kilowatt kWp)
- Steuerbare Geräte: Haushalte mit Wärmepumpe, E-Auto-Ladestation (Wallbox) oder einer Nachtspeicherheizung
Wer wird wann umgerüstet?
Der Zählertausch erfolgt schrittweise: Bis Ende 2032 müssen 90 Prozent der Pflichtfälle (private Haushalte sowie Unternehmen) umgerüstet sein. Unabhängig davon darf der Messstellenbetreiber einen Smart Meter auch bei allen übrigen Haushalten einbauen ("optionale Ausstattung"). Auch in diesen Fällen müssen Verbraucher den Einbau grundsätzlich akzeptieren.
Drei Monate Vorlauf für Verbraucher
Der Zählertausch kündigt sich an: "Über den Einbau müssen Kunden drei Monate im Voraus informiert werden", so Wallraf. Also, Zeit genug, um auch Alternativanbieter zu prüfen. Den genauen Termin gibt es zwei Wochen vorher schriftlich.
Ein wesentlicher Kostentreiber beim Strom sind die Netzkosten. Doch wie groß ist ihr Anteil am Strompreis, und warum fallen sie in Deutschland besonders hoch aus?
06.01.2026 | 6:00 minSmart-Meter-Anbieter frei wählbar
Auch wenn der Einbau unvermeidbar ist: Der Messstellenbetreiber ist keineswegs in Stein gemeißelt. Zwar übernimmt standardmäßig der grundzuständige Messstellenbetreiber das Ruder, doch Verbraucher haben stets das Recht auf freie Wahl des Dienstleisters.
Prüfen und vergleichen Sie genau und lassen Sie sich nicht unter Druck setzen.
Christina Wallraf, Referentin Energiemarkt, Verbraucherzentrale NRW
Die gesetzlichen Preisobergrenzen gelten nur für den grundzuständigen Messstellenbetreiber. Wettbewerbliche Anbieter können andere Preise verlangen - teurere Verträge sind daher durchaus möglich.
Was Smart Meter kosten
Im Gesetz sind Obergrenzen für die jährlichen Kosten festgesetzt. Diese hängen vom Jahresverbrauch und den benutzten Geräten ab.
In den Kosten enthalten sind Installation, Betrieb und Wartung des Smart Meters. Wenn der Messstellenbetreiber einen Smart Meter installiert, obwohl man nicht zur Pflichtgruppe gehört, beträgt die Höchstgrenze 30 Euro jährlich. Bei Photovoltaik-Anlagen und steuerbaren Geräten kommen noch 50 Euro pro Jahr für eine Steuerbox hinzu.
Hohe Energiepreise setzen Hausbesitzer unter Druck. Die Mima-Expedition zeigt, wie Sanierung, Wärmepumpe und Photovoltaik den Verbrauch senken - und unabhängiger machen.
21.04.2026 | 5:23 minSmart Meter im Mietshaus: Wer entscheidet?
Grundsätzlich besteht auch für Mieter ein Wahlrecht beim Messstellenbetreiber. Seit 2021 kann jedoch der Vermieter die Regie übernehmen - vorausgesetzt, das gesamte Gebäude wird digitalisiert und der Smart Meter misst neben Strom mindestens eine weitere Energieart wie Gas, Fernwärme oder Heizwärme.
Mit Smart Meter Stromkosten senken
Wenn Verbraucher Strom dann nutzen, wenn gerade viel Strom aus Wind- oder Solaranlagen verfügbar ist, wird nicht nur das Netz entlastet. Der Strom ist auch günstiger. Verbraucher profitieren aber nur, wenn sie einen dynamischen Tarif abgeschlossen haben. Nur ein Smart Meter kann den zeitgenauen Stromverbrauch erfassen, der für die Abrechnung dynamischer Tarife erforderlich ist.
Gratis-Börsenstrom durch Smart Meter?
:So könnten Verbraucher beim Strom profitierenDie Strompreise an der Börse sanken mehrere Tage hintereinander auf null Euro und weniger. Verbraucher könnten davon profitieren. Doch es gibt ein Problem.
von Hans Koberstein
mit Video8:36
Warum Smart Meter für die Energiewende wichtig sind
"Smart Meter sind ein zentraler Baustein für das Gelingen der Energiewende", erklärt Wallraf. Bis 2030 sollen 80 Prozent des deutschen Stroms aus erneuerbaren Energien stammen. Weil Wind und Sonneneinstrahlung schwanken, gerät das Stromnetz zeitweise stärker unter Belastung. "Netzbetreiber können mit Smart Meter und Steuerbox den Strom von Wärmepumpen oder E-Autos drosseln, auch so sollen Netzengpässe vermieden werden", sagt Wallraf.
Für Verbraucher könnte künftig auch ein sogenannter Smart Meter Light eine Rolle spielen. Dabei handelt es sich um ein vom Bund diskutiertes, kostengünstigeres Konzept, das den Stromverbrauch ebenfalls digital im Viertelstundentakt erfasst und überträgt, aber ohne das aufwendige Smart-Meter-Gateway und ohne Steuerkanal auskommt.
Frank Gollenbeck ist Redakteur der ZDF-Sendung "Volle Kanne - Service täglich".
Über dieses Thema berichtete das ZDF in der Sendung "Volle Kanne" am 15.10.2026 ab 09:05 Uhr.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.