150 jüdische Berliner verteidigen Linke - Zentralrat warnt
Antisemitismus-Vorwürfe und Kontakte ins Clan-Milieu überschatten den Wahlsieg der Berliner Linken. Spitzenkandidatin Elif Eralp gerät unter Druck, die SPD ringt um ihre Haltung.
23.09.2026 | 2:48 minEine Gruppe Berliner Jüdinnen und Juden nimmt die Linke gegen Antisemitismus-Vorwürfe in Schutz. "Dass gerade die Linken ständig des Antisemitismus beschuldigt werden, ist nicht nur eine zynische politische Instrumentalisierung, sondern setzt beinahe jede Kritik an der israelischen Politik mit Antisemitismus gleich", heißt es in einem offenen Brief von 150 jüdischen Berlinerinnen und Berlinern.
Unterzeichnet haben unter anderem die Autorinnen Deborah Feldman und Eva Menasse.
Diese Flut an Anschuldigungen zielt darauf ab, andere Meinungen zu unterdrücken und das internationale Völkerrecht auszuhöhlen.
Aus dem Brief
Weiter heißt es darin: "Vor dem Hintergrund des überall anschwellenden Antisemitismus ist es nicht einfach eine neutrale Beobachtung, eine demokratische linke Partei herauszugreifen, sondern ein politisches Instrument, um Aufmerksamkeit ab- und umzulenken."
Der Umgang der Linkspartei mit Antisemitismus und Clan-Kriminalität könnte die Regierungsbildung in Berlin gefährden. Für SPD und Grüne sind noch Fragen offen.
23.09.2026 | 1:59 minKritik an Instrumentalisierung des Antisemitismusvorwurfs
Auch der jüdische Sozialunternehmer und Aktivist Shai Hoffmann warnt vor der Instrumentalisierung von Antisemitismusvorwürfen.
"Ich glaube, das ist für alle offenbar gewesen, dass bestimmte Bezirksverbände einen Umgang mit Israel, mit dem israelisch-palästinensischen Konflikt pflegen, der ja mindestens israelfeindlich bis hin zu antisemitisch ist", sagt er in einem Interview mit "Kulturzeit" mit Blick auf die Berliner Linke.
Gleichzeitig erklärt er: "Andererseits sehe ich aber auch, wie sozusagen das Instrument des Antisemitismusvorwurfs vor allen Dingen von rechts instrumentalisiert wird und damit vor allen Dingen auch übertüncht, wie viele Probleme wir allgemein haben und dass wir Antisemitismus als gesamtgesellschaftliches Phänomen betrachten müssen."
Wird eigentlich jüdisches Leben, also auch mein jüdisches Leben, geschützt oder benutzen Rechte, benutzen autoritäre Menschen, jüdische Sicherheit als moralisches Vetorecht gegen ein vielleicht auch unerwünschtes Wahlergebnis?
Shai Hoffmann
Über die Antisemitismusvorwürfe gegen Die Linke Berlin sprechen wir mit dem jüdischen Sozialunternehmer und Aktivisten Shai Hoffmann.
23.09.2026 | 5:29 minMahnung des Zentralrats der Juden
Die Linke hatte mit Spitzenkandidatin Elif Eralp am Sonntag die Wahl zum Abgeordnetenhaus gewonnen und möchte das Amt des Regierenden Bürgermeisters übernehmen.






Der Zentralrat der Juden in Deutschland hatte Grüne und SPD anschließend davor gewarnt, der Partei zur Regierung zu verhelfen, und erklärt, dass damit jüdisches Leben in der Hauptstadt gefährdet werden würde. Antisemitismus werde in Teilen der Linken verharmlost, kritisiert der Zentralrat.
Zentralrats-Präsident Josef Schuster bekräftigte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag, er habe Eralps Aussagen zwar vernommen, dass sie gegen Antisemitismus in der Hauptstadt vorgehen wolle. Ihre Einstellung werde aber "offensichtlich in der von ihr vertretenen Partei in Berlin zumindest nicht von allen, ich befürchte nicht einmal von einer großen Mehrheit, geteilt".
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Wer macht das Rennen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern? News, Hintergründe und Analysen zu allen wichtigen Themen. Unser ZDFheute Update bringt Sie auf Stand!
Quelle: dpa, AFP, ZDF
Über dieses Thema berichteten am 23.09.2026 unter anderem das "heute journal" ab 21:45 Uhr, "kulturzeit" ab 19.20 Uhr und heute ab 19 Uhr.
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