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Sunday, September 6, 2026

Schalke gegen Bayern: Das Leiden genießen

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Aufsteiger Schalke spielt zu Hause gegen Bayern 0:0. In einem der mitreißendsten torlosen Spiele, die jemals in der Bundesliga ausgetragen wurden.

Der Plan, mit dem Schalke 04 und der Trainer Miron Muslić den ersten großen Coup der Saison vollbrachten, passte ganz gut ins Bild. Schließlich handelt es sich um einen Fußballklub, der schon immer zur Exzentrik neigt. „Wir haben uns vorgenommen, dass wir ein Stück weit das Verteidigen genießen, dass wir das Leiden genießen“, erläuterte Muslić nach einem der mitreißendsten torlosen Spiele, die jemals in der Bundesliga ausgetragen worden sind.

Gelitten hatten die Spieler, sie waren an Grenzen gegangen, aber das Publikum hatte eine brillante Show geboten bekommen. Eine Abwehrschlacht, der als Spielfilm begeisterte Rezensionen in den Feuilletons sicher gewesen wären: absolut radikal, intensiv und konsequent.

„Das war ein schönes Fußballspiel mit Emotionen, mit Leidenschaft“, sagte selbst der Münchner Trainer Vincent Kompany, der sich auch über zwei verlorene Punkte hätte ärgern können. Das tat er aber nicht, weil er den Fußball liebt und die bizarre Ästhetik dieses Spiels zu schätzen wusste. Die Bayern drückten, drückten und drückten, während die Schalker sich mit allen Kräften wehrten, die sie in ihren Körpern und Köpfen aktivieren konnten.

Das Publikum hatte ebenfalls sämtliche für die Energiezufuhr verfügbaren Leitungen auf den Rasen geöffnet, alles schien zu vibrieren. „Das ist einfach eine Wucht und eine Energie, die auch etwas macht mit dem Gegner“, sagte Schalkes Trainer Miron Muslić über die Kräfte der Arena in Gelsenkirchen.

Die Grenze zum Komödiantischen

Mitunter näherte sich der Underdogfußball sogar der Grenze zum Komödiantischen, wenn selbst Abseitspfiffe gegen die Bayern bejubelt wurden wie ein brillanter Spielzug. Aber so ist der FC Schalke im Jahr 2026. „Das Besondere ist, dass die Extreme da sind“, hat der Sportvorstand Frank Baumann kürzlich gesagt, und das als großes Kompliment gemeint. Diese Neigung zum Grenzgang kann zwar gefährlich sein, wenn Emotionen ins Negative kippen, aber sie ist auch eine gigantische Kraftquelle, wenn es den Schalkern gelingt, in sich zu ruhen, statt sich zu zerfleischen. Und genau das ist gerade der Fall.

Muslić hat diese Schalker Mechanismen verstanden wie schon lange kein Trainer mehr. „Gefühlt ist bei Schalke 04 nahezu alles Emotion“, hat er schon früh in der vergangenen Zweitligasaison gesagt und erklärt, wie er dieses Phänomen zum eigenen Vorteil nutzen möchte: „Fußball ist ein Spiel der Emotionen, und ich lasse mich gerne in diese Welt der Emotionen fallen. Mein Ansatz ist, diese Emotionen zu spüren, zu verstehen und einzuordnen. So kann ich als Cheftrainer in die Situation kommen, die Emotionen zu lenken.“

Exakt diesen Plan haben dieser Trainer und seine Schalker gegen die Bayern in Perfektion zur Anwendung gebracht. Schon vor dem Anpfiff hatten die Schalker ihre Perspektive auf diese Saison und ganz besonders auf diesen Besuch des Rekordmeisters erklärt: „Nicht der Bessere soll gewinnen, sondern immer SCHALKE“, war in der Nordkurve im Rahmen einer über mehrere Minuten durchgeführten Choreografie zu lesen gewesen.

Die Leute wissen, dass ihr Klub aufgrund seiner Kaderqualität in den meisten Partien nicht die bessere Mannschaft sein wird. Und dass sie trotzdem gewinnen können. Mit anderen Mitteln eben als mit fußballerischer Qualität. Das ist die schlaue Strategie, die die Spieler tief verinnerlicht haben und die an diesem Tag zwar nicht in einen Sieg mündete, aber in ein 0:0, das sich zumindest so anfühlte. „Schöner hätte ich es mir nicht vorstellen können“, sagte Robin Gosens, ein glühender Schalke-Fan, der nun im Alter von 32 Jahren in der Endphase einer langen Karriere das erste Pflichtspiel für seinen Herzensklub vor eigenem Publikum bestritt.

Exzellente Torwartaktionen von Karius

In der Regel brechen Gegner ja irgendwann ein, wenn die Bayern ihre Rotationen, Stafetten und Dribblings aufführen, werden müde, machen Fehler. Schalke nicht. „Die Jungs haben wirklich geackert bis zum Gehtnichtmehr. Das sind wir, das zeichnet uns aus“, sagte Loris Karius, der mit drei, vier exzellenten Torwartaktionen einen großen Beitrag zu diesem Erfolg geleistet hatte. Besonders imponierend in einer beeindruckenden Mannschaft spielten neben Karius im Übrigen auch die Dauerläufer Sofiane El-Faouzi und der im Sommer von Fortuna Düsseldorf verpflichtete Satoshi Tanaka.

Die beiden Bundesliganeulinge blieben unter dem gewaltigen Gegenpressing der Münchner auch dann fehlerfrei, wenn sie am Ball waren. Auch deshalb ist gleich in diesem ersten Heimspiel die mit Miron Muslić entwickelte Identität des Revierklubs in voller Pracht erstrahlt: „Wir haben uns heute in jeden Zweikampf geworfen, haben uns vorgenommen, das Stadion mit diesen Tugenden mitzunehmen“, sagte der Trainer.

Fast ging inmitten dieses herrlichen Fußballspiels unter, dass die Schalker der Bundesliga noch ein weiteres Geschenk machten. Erstmals seit September 2024 ist der FC Bayern nicht mehr Tabellenführer, was zumindest für ein paar Wochen die Illusion aufrechterhält, dass nicht nur der Abstiegskampf, sondern auch der Wettbewerb um die Meisterschaft eine spannende Angelegenheit werden könnte.

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