Schülerinnen fordern Verbot von Schuluniformen in Pornos
Aylin und Mae, beide 15 Jahre alt, gehören dem Little Feminist Book Club (dt. "Kleiner feministischer Buchclub") ihrer Schule im englischen Bicester, Oxfordshire an. Bei einer Gruppendiskussion erfuhr der Club davon, dass Jugendliche anderer Schulen versuchten, den Verkauf von Schuluniformen in Sex-Shops verbieten zu lassen. In pornografischen Videos sind Schulmädchen-Verkleidungen weit verbreitet. "Wir waren uns alle einig: Wir wollten einen Schritt weiter gehen", erzählt Aylin im DW-Interview. "Wir wollen Schuluniformen komplett aus der Pornografie verbannen." Um Aufmerksamkeit für das Thema zu schaffen, starteten sie eine Petition.
Viele ihrer Mitschülerinnen, so ist es ist es in der Petition zu lesen, haben bereits schlechte Erfahrungen mit dem Tragen ihrer Uniformen gemacht. Einige berichteten, dass sie schon im Alter von elf Jahren belästigt worden seien. Viele dieser Erlebnisse hätten sie verängstigt, ihnen große Scham bereitet und sie verunsichert. "Außerhalb der Schule trage ich meine Schuluniform nicht", erklärt Mae gegenüber der DW. "Ich mag es nicht, sie draußen anzuhaben."
Umfrage: Jede dritte Schülerin berichtet von Belästigung
Die Mädchen beziehen sich in ihrer Petition auch auf eine Umfrage der Hilfsorganisation Plan International aus dem Jahr 2018. Demzufolge hatten 35 Prozent der 1004 Befragten im Alter von 14 bis 21 unerwünschte sexuelle Aufmerksamkeit erfahren, während sie eine Schuluniform trugen. Acht Prozent gaben an, dass sie von einem Fremden ohne
ihre Erlaubnis gefilmt oder fotografiert worden seien oder dass jemand ein Foto unter ihren Schulrock aufgenommen habe (bekannt als "Upskirting").
"Etwas, das eigentlich rein sein sollte, etwas, das eine Gemeinschaft symbolisieren soll, ist in der Gesellschaft mittlerweile in Verruf geraten", sagt Mae. "Und unsere Wahrnehmung dessen, was eine Schuluniform ausmacht, wurde durch diese widerwärtigen Medien verzerrt."

Schuluniformen meist Pflicht
Schuluniformen gibt es in vielen Ländern weltweit. Sie sollen finanzielle Unterschiede der Familien weniger sichtbar machen, dadurch Mobbing verhindern und das Gemeinschaftsgefühl stärken. Im Vereinigten Königreich sind sie an fast allen Schulen und Vorschulen Pflicht, das heißt, praktisch alle Kinder im Alter von vier bis 16 Jahren tragen sie. Und sie haben nicht die Chance, sich außerhalb der Schule unerwünschten Blicken zu entziehen. "Wir wollen einfach nur verhindern, dass irgendjemand auf diese Art und Weise über Kinder und Schuluniformen denkt", sagt Mae. "Hoffentlich können wir das Verbot tatsächlich gesetzlich verankern lassen."
Bis dahin ist es noch ein weiter Weg, doch die Mädchen sind optimistisch. Die Petition hat bis jetzt (Stand: 09.10.) rund 27.000 Unterschriften gesammelt und dank eines Artikels in der "Times" auch große mediale Aufmerksamkeit erregt. Jetzt hoffen Mae und Aylin, dass das Parlament sich mit dem Thema befasst. Zwei Abgeordnete haben ihnen bereits ihre Unterstützung zugesagt.
Doch den Mädchen ist auch bewusst, dass manche Menschen der Meinung sind, man könne das Problem durch eine Verlängerung der Röcke lösen. "Ich halte das für falsch", erklärt Aylin. "Wir sollten nicht den Opfern die Schuld geben. Wir sollten diejenigen zur Verantwortung ziehen, die es in Ordnung finden, die Opfer zu sexualisieren."
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