Virtual Reality gegen Antisemitismus: Holocaust-Dokus jetzt kostenlos verfügbar
Ab sofort stehen für Besitzer einer Meta Quest 3 oder Quest 3S drei VR-Dokumentationen über Holocaust-Zeitzeugen in Metas App-Store zur Verfügung. Bereitgestellt werden sie vom Illinois Holocaust Museum & Education Center, das die Filme bislang nur in zwei VR-Räumen des Museums in Chicago vorführte. Im Herbst sollen auch Fassungen für Pico 4 Ultra, die Samsung Galaxy XR und andere Android-XR-Geräte folgen. Letztere werden über den Google Play Store ausgespielt. Die Dokumentationen sind allesamt kostenlos.
Drei Lebenswege
Die von East City Films produzierten Kurzfilme dauern zwischen 16 und 22 Minuten und wechseln zwischen realen 360-Grad-Aufnahmen, Archivmaterial, digitalen Animationen und 3D-Umgebungen. Gedreht wurde an Originalschauplätzen in Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, den USA und China. In jeder Dokumentation erzählen Zeitzeuginnen von ihren Erlebnissen während des Holocausts und wie sie im Laufe ihres Lebens damit umgegangen sind. Die Erzählerinnen sprechen auf Englisch, Untertitel gibt es auf Deutsch und in fünf weiteren Sprachen.
In „Zu Fuß nach Westerbork“ begleiten Zuschauer Rodi Glass auf einer Reise zurück an die Orte ihres Überlebenskampfes als Fünfjährige in Amsterdam, dem Durchgangslager Westerbork und im Internierungslager Vittel. „Briefe aus Drancy“ erzählt von Marion Deichmanns Flucht durch Nordeuropa. Nachdem ihre Mutter verschleppt wurde, konnte sie nur mithilfe der französischen Résistance in Paris untertauchen. Doris Fogel erzählt in „Flucht nach Shanghai“, wie sie dem Nazideutschland in Richtung China entfloh und sich dort ein neues Leben aufbaute.
Die kostenlose Veröffentlichung für VR-Brillen begründet das Museum mit weltweit wachsendem Antisemitismus sowie zunehmender Leugnung und Verzerrung des Holocaust. Kelley Szany, beim IHMEC für Bildung und Ausstellungen zuständig, bezeichnet VR als „universelle Brücke“ zu fernen Kapiteln der Geschichte. Da immer weniger Überlebende leben und persönliche Begegnungen immer seltener werden, brauche man neue Formen der Vermittlung. Mit den Virtual-Reality-Dokumentationen habe man vor Ort vor allem bei Schülern sehr viel Empathie erzeugen können. Die kostenlosen Apps sollen nun einem weltweiten Publikum ermöglichen, sich mit diesen Erzählungen auseinanderzusetzen.
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