Geld für Klimaanpassung: Zerstörerische Sparsamkeit

Die Klimakrise eskaliert. Dennoch zahlen Industrieländer dem Globalen Süden nicht genug für den Schutz vor den Folgen.
Foto: Dante Oiaggio/Newscom/GDA/imago
Während viele Länder des Globalen Südens immer mehr Geld benötigen, um sich an die Folgen des Klimawandels anzupassen, stagnieren die Unterstützungszahlungen aus dem Globalen Norden fast. Das zeigt der diesjährige Adaptation Gap Report des UN-Umweltprogramms (Unep), zu Deutsch: der Bericht zur Anpassungslücke, der am Mittwoch vorgestellt wurde.
Demnach bräuchten diese Länder jährlich 305 Milliarden US-Dollar Unterstützung für ihre Investitionen in Maßnahmen zur Klimaanpassung. Das heißt etwa: um Krankenhäuser hitzefest zu machen, Küsten vor dem Meeresspiegelanstieg zu schützen oder die Wasserversorgung an häufigere Dürren anzupassen. Bezieht man die Klimaresilienz der Privatwirtschaft mit ein, verdoppelt sich der Bedarf der Unep zufolge sogar noch.
Der Bericht erscheint vor dem Hintergrund einer sich immer weiter verschärfenden Erderhitzung. Weil die Menschheit weiter Öl, Gas und Kohle verbrennt, Wälder rodet und Moore trockenlegt, steuert der Planet derzeit auf eine Erwärmung von 2,5 bis 2,8 Grad zu. Die bereits verursachte Erhitzung von etwa 1,4 Grad fordert weltweit Opfer: Zuletzt tötete ein Taifun in Japan 17 Menschen, angefeuert von den steigenden Meerestemperaturen. Auch der monströse Bergsturz in Nepal, der Sturzfluten verursachte und mindestens 1.400 Menschen tötete, wurde aufgrund des Klimawandels wahrscheinlicher.
Die Industriestaaten, die für den Großteil der CO₂-Emissionen verantwortlich sind, haben sich in verschiedenen UN-Klimaabkommen zur finanziellen Unterstützung der Länder des Globalen Südens verpflichtet. Für Maßnahmen zur Klimaanpassung gaben sie 2024 aber nur 28,2 bis 31,7 Milliarden Dollar. Das ist zwar 1 Milliarde mehr als im Jahr zuvor, aber nur etwa ein Zehntel dessen, was laut Unep nötig wäre.
Selbst versprochene Gelder reichen nicht aus
Auf dem UN-Klimagipfel 2021 in Glasgow hatten die Industriestaaten versprochen, bis 2025 40 Milliarden Dollar zur Anpassungsfinanzierung im Globalen Süden beizutragen. Dieses Ziel könnte noch erreicht werden, schreibt das Unep im Bericht, weil die Entwicklungsbanken 2025 9 Milliarden US-Dollar mehr für die Klimaanpassung in ärmeren Ländern zur Verfügung gestellt haben als im Vorjahr. Die sonstigen Daten des Unep-Berichts beziehen sich auf 2024.
Im brasilianischen Belém hatten die Industriestaaten während der dortigen UN-Klimakonferenz im vergangenen Jahr versprochen, bis 2035 ihre Anpassungsfinanzierung zu verdreifachen. Je nach Interpretation dieses Ziels müssten sie dann 85 bis 120 Milliarden US-Dollar zahlen. Das Unep warnt aber, dass diese Summe weit kleiner ist, als nötig wäre. Den Autor*innen des Adaptation Gap Reports zufolge brauchen die Entwicklungsländer 2035 schon 420 Milliarden Dollar Unterstützung aus dem Globalen Norden, um sich an die Erderhitzung anzupassen.
Sabine Minninger, Anpassungsexpertin der Entwicklungsorganisation Brot für die Welt, nennt den Unep-Bericht deshalb den „traurigen Beweis dafür, dass die Industriestaaten als Hauptverursacher der Klimakrise den Globalen Süden mit den Folgen im Stich lassen“. Minninger kritisiert auch die Bundesregierung: „Statt wie zugesagt ab dem Jahr 2025 jährlich 6 Milliarden für Klimaschutz und Anpassung bereitzustellen, flossen bisher nur 4,7 Milliarden Euro.“
Klimaanpassung bleibt in der Klima-Diplomatie zentral
Das Unep weist darauf hin, dass nicht nur die Gelder für den Schutz vor Klimakatastrophen knapp sind, sondern auch die verfügbaren Mittel für den Wiederaufbau nach Stürmen, Überschwemmungen und Hitzewellen: Der Fonds für Schäden und Verluste, der auf der UN-Klimakonferenz 2022 aufgesetzt wurde, enthielt im vergangenen Sommer nur 342 Millionen US-Dollar – Anträge betroffener Länder beliefen sich aber auf 2,8 Milliarden Dollar.
Wie schon in den vergangenen Jahren wird auch auf der nahenden UN-Klimakonferenz in Antalya das Thema Klimaanpassung eine Rolle spielen. Greenpeace fordert die Bundesregierung auf, sich in Antalya zu einem verbindlichen Finanzierungsfahrplan zu verpflichten, der die Mittel für Anpassungsmaßnahmen bis 2035 verdreifacht.
Um die Ursachen des Klimawandels zu bekämpfen, sei es allerdings „ebenso dringend, die Emissionen in allen Sektoren drastisch zu reduzieren“, mahnt Greenpeace-Klimaexperte Jannes Stoppel.
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