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Wednesday, October 7, 2026

Jahrestag des 7. Oktober: Applaus am Bebelplatz, rote Hände am Checkpoint

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Hunderte gedenken auf dem Bebelplatz der Opfer des Hamas-Massakers. Einen Kilometer weiter beschwört eine Demo die „Befreiung ganz Palästinas“

Der 7. Oktober war ein Genozid, sagt Ron Prosor. „Ein Genozid an Juden und Israelis und nicht umgekehrt.“ Dafür erntet der Botschafter Israels tosenden Applaus. Hunderte haben sich am Mittwochnachmittag auf dem Bebelplatz in Berlin-Mitte versammelt, um drei Jahre nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 der Opfer des Massakers, der Geiseln, der Überlebenden und der Angehörigen zu gedenken. Das Motto: „Nie vergessen. Niemals schweigen.“

Teil­neh­me­r*in­nen schwenken Israel-Flaggen, tragen Davidstern-Ketten und Kippas. Auf dem Unterarm einer Frau ist „7.10.23“ tätowiert, darüber ein Davidstern. Eine Teilnehmerin hält ein Plakat hoch: „Thank you IDF“ – ein Dank an die israelische Armee.

Der Bebelplatz, auf dem Ak­ti­vis­t*in­nen seit 2024 mehrfach den „Platz der Hamas-Geiseln“ als Gedenkort eingerichtet haben, ist mit Pollern, Gittern und Polizeiwannen weiträumig abgesperrt. An einem Hamburger Gitter hängen Banner mit Bildern von Geiseln, die die Hamas am 7. Oktober verschleppt hatte.

Eine Brandmauer für alle Seiten

„Der Kampf um die Befreiung der Geiseln ist vorbei, aber die Bedrohung bleibt“, sagt die Initiatorin der Veranstaltung, Melody Sucharewicz. „Und deshalb geht unser Kampf weiter. Wir müssen laut werden, wenn antisemitische Haltungen in demokratischen Parteien geduldet werden.“

Gemeint ist die Linkspartei, die im September die Berliner Abgeordnetenhauswahl gewonnen hat und sich seither mit Antisemitismusvorwürfen konfrontiert sieht. Prosor greift die Anspielung auf: „Eine Brandmauer gegen Antisemitismus steht entweder gegen alle Seiten oder sie ist eine wertlose Kulisse“, sagt der israelische Botschafter, und fordert: „Antisemiten dürfen niemals wieder ins Parlament einziehen!“

Mit einer halben Stunde Verspätung erscheint Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU), laut der Initiatorin „ein langer Unterstützer des Staates Israel“. Auch er warnt: „Wir müssen alarmiert sein, wenn Rechtsextreme in Deutschland ein Landesparlament anführen. Wir müssen alarmiert sein, wenn in Berlin eine Partei über eine mögliche Regierungsbeteiligung spricht, die offen Antisemiten in ihrem Umfeld duldet.“ Am Vortag war in Sachsen-Anhalt mit Tobias Rausch erstmals ein AfD-Politiker zum Landtagspräsidenten gewählt worden.

„Etwas soll vernichtet werden“

Bei den Parolen, die man in Berlin an Hauswänden und auf Demos lese, gehe es nicht darum, dass etwas befreit werden solle, so der Innenminister. „Es geht darum, dass etwas vernichtet werden soll: ein jüdisches Volk.“ Für ihn ist klar: „Israel hat das Recht und die Pflicht, sich zu verteidigen.“ Und: „Deutschland steht fest und unerschütterlich an der Seite Israels.“

Immer wieder verweisen Red­ne­r*in­nen auf den militanten, die Hamas verherrlichenden Teil der propalästinensischen Bewegung. „Noch während die Hamas-Terroristen mordeten, wurden hier auf dem Bebelplatz Angehörige beschimpft und Plakate abgerissen, während auf der Sonnenallee Baklava verschenkt wurde, um den Blutrausch der Hamas zu feiern“, erinnert Melody Sucharewicz. Unterkriegen lassen wollen sich die Anwesenden davon nicht. „We will dance again, auch wenn es mit Brandwunden und nur einem Bein ist“, sagt Ron Prosor. „Niemand wird uns daran hindern.“

Rote Hände und eine DDR-Fahne

Gut einen Kilometer entfernt, nahe dem Checkpoint Charlie, demonstriert am selben Nachmittag das gänzlich andere Lager. Die Kundgebung „Drei Jahre Völkermord“ wurde offenbar vom PFLP-nahen Aktivisten Ibrahim Ibrahim angemeldet, der auch zur Wahlparty der Linken in Neukölln erschienen war. Allerdings kommen kaum 50 Menschen. Frauen, die Kufiyas um ihre Kopftücher gewickelt haben, halten blutverschmierte Puppen im Arm, die getötete Babys darstellen sollen, und recken rot gefärbte Hände in die Höhe.

Eine Aktivistin der trotzkistischen Kleinstgruppe Spartakist hält ein Schild in die Höhe, auf dem „Nieder mit der zionistischen Hetze gegen Linke in der Linkspartei“ zu lesen ist. Ver­tre­te­r*in­nen der Linkspartei sind allerdings nicht auszumachen.

In den Redebeiträgen heißt es etwa, der 7. Oktober 2023 habe „die Welt verändert“, weil an diesem Tag die moralische Maske des Westens heruntergerissen worden sei. „Wir stehen hier heute für eine Befreiung ganz Palästinas“, sagt ein Redner, der offenbar der Kleinstgruppe „Kommunistische Organisation“ angehört, und betont das „ganz“.

Mit Blick auf die DDR-Fahne, die er eben noch hochgehalten hat, fügt er hinzu: Am 7. Oktober 1949 sei schließlich auch dieser Staat gegründet worden – und die DDR habe die PLO immer unterstützt. Auch für den Abend haben einige kleine, sich als links verstehende Gruppen zu einem Protest aufgerufen, in dessen Aufruf das Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 gefeiert wird.

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