Trump will Selenskyj als Präsidenten weghaben
US-Präsident Donald Trump hat die von Russland angegriffene Ukraine erneut fehlender Dankbarkeit bezichtigt. In Washington sagte der Republikaner: "Wir haben der Ukraine viel gegeben - sie hat uns nichts gegeben. Vergessen Sie das nicht." Er fügte hinzu, der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sei bei den Friedensbemühungen "keine echte Hilfe". Es sei "an der Zeit, dass jemand anderes im Namen der Ukraine verhandelt".
Derweil meldet das Portal "Axios", Selenskyj habe sich beklagt, US-Verteidigungsminister Pete Hegseth verzögere absichtlich die Lieferung von Patriot- und weiteren Luftabwehrraketen, obwohl andere NATO-Staaten diese schon bezahlt hätten. Auf der Nachrichten-Website heißt es, Selenskyj habe den Vorwurf bei einem virtuellen Treffen mit republikanischen wie auch demokratischen Senatoren der Vereinigten Staaten erhoben.
Aussage gegen Aussage
Die Zeitung "Washington Post" schreibt unter Berufung auf eigene Informationen, der Stopp betreffe auch Lieferungen anderer Partner der Ukraine, die an eine Zustimmung der USA gebunden seien. Ein hochrangiger Beamter aus dem Verteidigungsministerium trat dieser Darstellung entgegen. Bei dem Programm, in dessen Rahmen NATO-Staaten US-Waffen für die Ukraine kaufen, habe es keine Änderungen gegeben, sagte der ungenannte Pentagon-Vertreter der Deutschen Presse-Agentur. Dasselbe gelte für den Austausch von Geheimdienstinformationen.

Selenskyj und der US-Sondergesandte Steve Witkoff wollen an diesem Dienstag in Norwegens Hauptstadt Oslo miteinander reden; Trumps Schwiegersohn Jared Kushner soll per Video zugeschaltet werden. Witkoff will im Anschluss den russischen Präsidenten Wladimir Putin in Moskau unterrichten. Er und Kushner sind die Repräsentanten der Vereinigten Staaten bei Bemühungen um einen Friedensprozess zwischen Russland und der Ukraine. Dazu waren beide schon mehrfach mit Putin zusammengetroffen.
"Prozess in konstruktivere Bahnen lenken"
Der gastgebende Ministerpräsident Jonas Gahr Støre erklärte, Selenskyj habe Norwegen und Finnland gebeten, ein Treffen "im Rahmen der laufenden diplomatischen Bemühungen zu einem für die Ukraine kritischen Zeitpunkt" zu organisieren. Ziel sei es, den Prozess "in konstruktivere Bahnen" zu lenken. Auch der finnische Präsident Alexander Stubb nimmt an dem Treffen in Oslo teil.

Die Kampfhandlungen gehen unvermindert weiter. Durch einen russischen Luftangriff in der Nähe von Kyjiw wurden nach Behördenangaben mindestens drei Menschen getötet. Die Leichen seien entdeckt worden, als Rettungskräfte den Brand in einer Produktions- und Lagerhallte im Kreis Obuchiw südlich der Hauptstadt gelöscht hätten. Ein weiterer Mensch wurde der Militärverwaltung zufolge bei Attacken in Saporischschja im Südosten der Ukraine getötet.
Berichte: Pumpstation einer Treibstoffpipeline getroffen
Bei ukrainischem Beschuss wurde nach inoffiziellen Berichten in der Region Tambow rund 400 Kilometer südöstlich von Moskau die Pumpstation einer Treibstoffpipeline getroffen. Der Gouverneur des Gebiets sprach von einem Brand an einer Industrieanlage.

Papst Leo XIV. bemühte sich erneut um einen humanitären Waffenstillstand in der von Russland besetzten ostukrainischen Stadt Oleschky. Nach einem Anruf bei Putin am Freitag telefonierte das Oberhaupt der katholischen Kirche in der Sache mit Selenskyj. Leo habe die Hoffnung zum Ausdruck gebracht, dass die Zusammenarbeit beider Seiten die Lieferung von Nahrungsmitteln und medizinischer Hilfe ermöglichen werde, teilte der Vatikan mit. Ebenso müsse die Zivilbevölkerung des Gebiet freiwillig und sicher verlassen können.
Energieinfrastruktur im Visier
Russland begann vor mehr als vier Jahren mit seiner großangelegten Offensive in der Ukraine; Attacken im Osten des Landes hatte es bereits seit 2014 gegeben. Ukrainische Gegenangriffe richten sich vor allem gegen Industrie- und Militärziele im russischen Hinterland. Moskau nimmt seinerseits vor dem Wintereinbruch die ukrainische Energie- und Verkehrsinfrastruktur wieder verstärkt ins Visier.

Kritiker werfen Trump seit längerem vor, mit Blick auf den Ukraine-Krieg einen russlandfreundlichen Kurs zu fahren. Am Montag sagte der US-Präsident vor Journalisten, er sei offen für einen Dreiergipfel mit Putin und dem chinesischen Staatschef Xi Jinping - ohne Selenskyj.
Am Freitag hatte Trump bereits beschlossene Sanktionen gegen Russland kurz vor deren Inkrafttreten ausgesetzt. Die Kehrtwende erfolgte nur eine Woche, nachdem er ein umstrittenes Abkommen mit Putin über die Lieferung von russischem Diesel geschlossen hatte - und gut zwei Wochen vor den anstehenden Kongresswahlen in den USA. Bei den sogenannten Midterms am 3. November stehen Trumps Republikaner wegen gestiegener Lebenshaltungskosten und der vor allem wegen des Iran-Kriegs stark gestiegenen Spritpreise erheblich unter Druck.
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