Europäische Raumfahrt: Wenigstens kleine Brötchen backen

Europa lädt zum Internationalen Raumfahrt-Gipfel ein. Trotzdem ist es bis zu den großen Erfolgen noch ein weiter Weg.
Foto: Isar Aerospace/handout afp
Erfolg und Scheitern liegen in der europäischen Raumfahrt nicht nur technisch, sondern auch politisch eng beisammen. So konnte zwar Forschungsministerin Dorothee Bär nach dem erfolgreichen Start der deutschen Kleinrakete „Spectrum“ Anfang der Woche jubeln: „Deutschland kann Raumfahrt“. Dagegen lief beim ersten Internationalen Raumfahrtgipfel, zu dem Frankreich und Deutschland nach Paris eingeladen hatten, einiges schief. Bundeskanzler Merz hatte seine Teilnahme kurzfristig abgesagt.
Da half es auch nichts, dass EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am gestrigen Donnerstag versuchte, mit ihrer ersten Rede zur Raumfahrtpolitik die Wogen zu glätten. Die Sterne sind der Europäischen Union ein großes Anliegen; sie trägt sie im Wappen.
Der neue Wettlauf ins All hat zwei zentrale Treiber. Einer ist die technisch-wirtschaftliche Entwicklung des Branchensegments, das „New Space“ genannt wird. Viele kleine Start-ups tummeln sich hier, bauen Satelliten und „Mikro-Launcher“ für den kostengünstigen Weg in die Erdumlaufbahn oder spezialisieren sich auf Anwendungen der Fernerkundung.
EU will Weg ins All alleine meistern können
Der zweite mehr politische Faktor heißt „technologische Souveränität“: Europa darf nicht darauf warten, dass andere Mächte ihm den Weg ins All ebnen, sondern muss eigene technologische Fakten schaffen, so die Botschaft des Pariser Gipfels. „Europa nimmt sein Schicksal selbst in die Hand, auch im Weltraum“, sagte Frankreichs Präsident zur Eröffnung der Konferenz mit 2.000 Experten aus aller Welt, die sich über die langfristige Sicherung von Raumfahrtkapazitäten, Erdbeobachtung und den Klimaschutz aus dem All austauschten.
„Wir müssen investieren und innovativ sein, um ein starkes Europa aufzubauen, das selbst im Weltraum unabhängig ist“, betonte Macron und kündigte die Mobilisierung von 5 Milliarden Euro zur Stärkung des europäischen Raumfahrtsektors an. Insgesamt wurden über 50 internationale Projekte und Abkommen unterzeichnet.
Im Streit sind die Regierungen in Berlin und Paris derzeit über das EU-Satellitennetzwerk IRIS2, das als europäisches Gegenstück zu „Starlink“, dem Satelliten-Internet-System von Elon Musks Raumfahrtunternehmen SpaceX, aufgebaut werden soll. Frankreich wolle damit vor allem seine französischen Raumfahrtkonzerne pampern, während der deutsche Mittelstand das Nachsehen hat, so ein Kritikpunkt von deutscher Seite. Auch die geschätzten Kosten (15 Milliarden Euro) und das Timing laufen aus dem Ruder.
Die Botschaft der deutschen Raumfahrtministerin Bär in Paris dagegen: „Small is beautiful“. Die 28 Meter lange Rakete der Münchner Gründerfirma Isar Aerospace schaffte es von der Startrampe in Norwegen in den niedrigen Erdorbit von 500 Kilometer und setzte dort fünf Kleinsatelliten von Uni-Wissenschaftlern aus.
„Für unsere universitäre Forschung ist dieser Erfolg ein Meilenstein“, sagte Klaus Brieß vom Fachgebiet Raumfahrttechnik der TU Berlin, die einen Kleinstsatelliten für die Photovoltaik-Forschung an Bord hatte. „Das verkürzt für uns Forscher die Wartezeiten auf einen Startplatz in Zukunft drastisch.“
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