Ostdeutsche erreichen etwas öfter Spitzenämter in Verwaltung
Die Ostdeutschen seien "nach wie vor zu wenig in Führungspositionen vertreten", sagt Elisabeth Kaiser (SPD), Ostbeauftragte der Bundesregierung, und kritisiert ungleiche Erbschaften in Ost und West.
30.09.2026 | 6:55 minAuch 36 Jahre nach der Wiedervereinigung sind die Unterschiede zwischen Ost und West nicht verschwunden. Das sagt die Beauftragte der Bundesregierung für Ostdeutschland, Elisabeth Kaiser (SPD), in ihrem diesjährigen Bericht, der ZDFheute vorliegt. Darin heißt es:
In einer pluralen Gesellschaft sind die Möglichkeiten, das eigene Leben zu gestalten, größer geworden - und zugleich sind sie nicht für alle gleichermaßen erreichbar.
Bericht der Ostbeauftragten
... ist seit Mai 2025 Beauftragte der Bundesregierung für Ostdeutschland. Zu den Aufgaben der 1987 in Thüringen geborenen SPD-Politikerin gehört es, die Interessen der Ostdeutschen im Kabinett zu vertreten, strukturelle Unterschiede zwischen Ost und West zu verringern und das gesellschaftliche Miteinander zu stärken. Die Ostbeauftragte soll zudem die Wirtschaft fördern und mehr Ostdeutsche in Führungspositionen bringen. Seit 2022 gibt es jährlich einen Bericht – er soll unterschiedliche Perspektiven auf Ostdeutschland bieten und ausgewählte Vorhaben der Bundesregierung in Bezug auf den Osten des Landes thematisieren.
Vermögen werden weitgehend vererbt
Gesellschaftlicher Aufstieg hängt von vielen Faktoren ab - einer davon: Geld. Vermögen werden in Deutschland aber immer noch vorwiegend durch Erbschaften weitergegeben, daher gibt es erhebliche finanzielle Unterschiede zwischen Ost und West.
Das zeigen auch die Zahlen des Statistischen Bundesamtes für das Jahr 2025. Danach fanden 95 Prozent der Vermögensübertragungen im Westen statt, insgesamt rund 142,5 Milliarden Euro. In den Ost-Ländern und Berlin dagegen wurden nur etwa acht Milliarden Euro vererbt oder verschenkt.
Laut Zahlen des Statistischen Bundesamts wird im Westen etwa viermal mehr vererbt als im Osten. ZDF-Börsenexperte Frank Bethmann berichtet.
29.09.2026 | 1:09 minLeichter Anstieg bei Spitzenpositionen der Bundesverwaltung
Weil die Menschen im Osten weniger erben und weniger Wohneigentum haben, sind junge Ostdeutsche häufig weniger privilegiert. Sie haben weniger Geld und können seltener auf finanzielle Unterstützung von Eltern und Großeltern setzen. Und mit diesen schlechteren Startbedingungen erreichen sie seltener Spitzenämter.
Ostdeutsche sind in den höchsten Führungspositionen der Bundesverwaltung noch immer unterrepräsentiert. Neue Zahlen zeigten aber, dass "der Trend leicht positiv ist", heißt es in dem Bericht:
Der Anteil Ostdeutscher unter allen Führungskräften der obersten Bundesbehörden ist seit 2022 von 13,9 auf 16,3 Prozent gestiegen.
Bericht der Ostbeauftragten
Die Wirtschaft in Ostdeutschland holt auf – aber auf Augenhöhe mit Westdeutschland befindet man sich immer noch nicht. Große Unterschiede auch bei den Vermögen der Privathaushalte.
28.05.2026 | 2:38 minWas entscheidet über Aufstiegschancen?
Doch wie schafft man den gesellschaftlichen Aufstieg? Was sind die Voraussetzungen? Im Rahmen des Deutschland-Monitors, der Teil des Berichts der Ostbeauftragten ist, sind 4.000 Menschen befragt worden.
94 Prozent sind der Meinung, Leistung und Fleiß müssten für den gesellschaftlichen Aufstieg entscheidend sein. Doch nur 69 Prozent sagen, dass diese Eigenschaften tatsächlich entscheidend seien. Vielmehr hätten die Menschen das Gefühl, Vermögen, persönliche Beziehungen und die soziale Herkunft seien ausschlaggebend.
Siska, 27, fühlt sich "ostdeutsch". Bewusst wird ihr dies aber erst als sie in Freiburg studiert. Eine Generation sucht ihre Wurzeln.
27.09.2026 | 27:05 minEiner, der auch im Bericht genannt wird, ist Luca Hahn aus Hessen. In Leipzig studiert er Sport auf Lehramt. Für ihn ist "die soziale Bubble" ausschlaggebend. Er kenne Westdeutsche, die ohne Vermögen aufgewachsen seien, und Ostdeutsche, die mit Vermögen aufgewachsen seien. Sein Fazit:
Die Startbedingungen haben oft mehr mit der sozialen Herkunft zu tun als mit der Himmelsrichtung, aus der man stammt.
Luca Hahn, Student
Politik muss für Chancengleichheit sorgen
Und wenn es darum geht, Chancengleichheit herzustellen, ist die Politik gefragt. Im Bericht der Ostbeauftragten heißt es: Sie müsse die Voraussetzungen schaffen, dass "Herkunft, Wohnort und familiäre Ausgangsbedingungen" nicht über die Zukunft eines Menschen entscheiden.
Deshalb sollen frühkindliche Bildung und eine verbesserte Kita-Qualität für bessere Startchancen sorgen. Mit Geldern aus dem Sondervermögen Infrastruktur soll die Modernisierung des Landes, Verkehrswege und Digitalisierung vorangebracht werden.
Bisher schnitt Deutschland bei den Pisa-Studien eher schlecht ab. Bildungsförderungsprogramme sollen Abhilfe schaffen und Schülern mehr Chancengleichheit ermöglichen.
07.09.2026 | 2:19 min"Finanzielle Eigenständigkeit und langfristiger Vermögensaufbau" soll mit Hilfe der Frühstart-Rente gelingen. Damit sollen Nachteile ausgeglichen werden. Im Bericht heißt es:
Vermögen gibt Sicherheit und eröffnet Möglichkeiten, Entscheidungen zu treffen, etwas zu wagen, etwas Eigenes aufzubauen - und später auch etwas weitergeben zu können.
Bericht der Ostbeauftragten
Der Bundestag berät über ein Altersvorsorgedepot für Kinder, in das der Staat monatlich zehn Euro einzahlen soll. ZDF-Wirtschaftsexpertin Valerie Haller ordnet ein.
25.09.2026 | 1:12 minOsten ist "Aufstiegsregion"
Investitionen, Technologie - wirtschaftlich hat sich im Osten viel getan. "Ostdeutschland ist Aufstiegs- und nicht Aufholregion", heißt es im Bericht. Das bestätigt auch Nils Aldag, Mitgründer und CEO des Dresdner Elektrolyse-Unternehmens Sunfire, in Leuna, der für den Bericht der Ostbeauftragten befragt wurde. Er sagt:
Ich persönlich kann den Begriff des "abgehängten Ostens" wirklich nicht mehr hören. Ich finde das schlicht nicht gerecht.
Nils Aldag, Unternehmer
Realität in Sachsen sei, dass es "riesige Technologiecluster" gebe und eine "unglaubliche Forschungslandschaft", sagt Aldag. Aber "Wahrnehmungen und Bilder verändern sich immer langsamer als die Realität", daher müsse man "diese positiven Geschichten" erzählen.
Kaiser: Erfahrungen sollen "nebeneinander stehen"
Mehr Miteinander und den Menschen zuhören, darauf setzt die Ostbeauftragte Elisabeth Kaiser. Ihr Bericht enthält deshalb in diesem Jahr viele Gespräche und lässt Menschen selbst zu Wort kommen.
In Sachsen-Anhalt steht die Landtagswahl bevor. Welche Bedeutung sie hat, welche Rolle die AfD spielt und warum Menschen sie wählen, erklärt Sozialwissenschaftler David Begrich.
20.08.2026 | 1:53 minEs geht um Respekt und Wertschätzung. Erfahrungen sollen nebeneinander stehen, ohne abgewertet zu werden. In dem Bericht heißt es:
Denn manchmal beginnt politische Veränderung genau dort: wo Menschen einander zuhören und nach Gemeinsamkeiten statt Unterschieden suchen.
Bericht der Ostbeauftragten
Über das Thema berichtete das ZDF-Morgenmagazin am 30.09.2026 um 07:10 Uhr.
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