Huthi-Angriff auf Flughafen in Riad: Spiel mit dem Feuer

Es wird immer schwerer, diesen Krieg zu begrenzen. Damit steigt Gefahr, dass die Lage auf der arabischen Halbinsel außer Kontrolle gerät.
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E s war der blutigste Angriff, den Saudi-Arabien bisher erlebt hat. Zwölf Menschen starben bei einer Attacke auf die Abflughalle des Flughafens der Hauptstadt Riad, über 300 wurden verletzt. Das könnte dazu führen, dass sich diese militärische Auseinandersetzung zumindest in naher Zukunft nicht mehr eingrenzen lässt. Viel wird nun von den USA und dem Iran abhängen.
Der Angriff ist die Antwort der Huthi auf eine Gegenoffensive der jemenitischen Regierungstruppen, die von Saudi-Arabien auch aus der Luft unterstützt werden. Durch diese Luftunterstützung sind die Huthi militärisch stark unter Druck geraten. Kurz zuvor hatten die Huthi in einer Blitzoffensive die Stellungen der Regierungstruppen an der Küste des Roten Meeres und an der Meerenge Bab El-Mandab überrannt.
Die klassische Antwort der Huthi, der Flughafenangriff, ist ihr Mittel der Wahl in der asymmetrischen Kriegsführung und gleichzeitig eindeutig ein Kriegsverbrechen. Es ist der Versuch, den Preis für die Saudis für ihre Unterstützung der jemenitischen Regierung nach oben zu treiben und politische Konzessionen zu erzwingen. Nach dem Motto: Ansonsten können wir jederzeit überall in Saudi-Arabien zuschlagen.
Es ist ein Spiel mit dem Feuer. Je weniger es Saudi-Arabien gelingt, diesen Krieg zu begrenzen, desto größer wird die Gefahr, dass die Lage auf der arabischen Halbinsel vollends außer Kontrolle gerät. Das gilt umso mehr, als bei den Waffenruhen, die die Saudis und die Huthi in den letzten Jahren vereinbart hatten, die jemenitischen Rebellen stets die Pause nutzten, um sich noch stärker aufzustellen.
Jetzt schnell deeskalieren
Viel wird jetzt davon abhängen, ob die USA, als Verbündete der Saudis, und der Iran, Unterstützer der Huthi, die Situation für sich ausnutzen oder versuchen, eine weitere Eskalation abzuwenden.
Da die USA und der Iran sich selbst in einem Konflikt an der Straße von Hormus befinden, ist für beide Seiten die entscheidende Frage, was ihnen bis zu den US-Midterm-Wahlen zum Vorteil gereicht. Machen sie sich bereit für eine weitere direkte militärische Auseinandersetzung am Golf, dann werden Washington und Teheran versuchen, den Krieg im Jemen für sich zu nutzen. Wenn nicht, dann müssen jetzt beide sehr schnell deeskalieren.
Karim El-Gawhary Auslandskorrespondent Ägypten
Karim El-Gawhary arbeitet seit über drei Jahrzehnten als Nahost-Korrespondent der taz mit Sitz in Kairo und bereist von dort regelmäßig die gesamte Arabische Welt. Daneben leitet er seit 2004 das ORF-Fernseh- und Radiostudio in Kairo. 2011 erhielt er den Concordia-Journalistenpreis für seine Berichterstattung über den Arabischen Frühling, 2013 wurde er von den österreichischen Chefredakteuren zum Journalisten des Jahres gewählt. 2018 erhielt er den österreichischen Axel-Corti-Preis für Erwachensenenbildug.. 2024 bekam er das Goldene Ehrenzeichen der Republik Österreich verliehen. Er hat fünf Bücher beim Verlag Kremayr&Scheriau veröffentlicht. Alltag auf Arabisch (Wien 2008) Tagebuch der Arabischen Revolution (Wien 2011) Frauenpower auf Arabisch (Wien 2013) Auf der Flucht (Wien 2015) Repression und Rebellion (Wien 2020)
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