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Thursday, September 24, 2026

Kämpfe in Tigray-Region im Norden Äthiopiens eskalieren

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Uniformierte Kämpfer der "Volksbefreiungsfront" von Tigray patrouliieren auf einer Straße.

Stand: 24.09.2026 • 17:18 Uhr

Im Norden Äthiopiens ist ein alter Konflikt wieder voll entbrannt: Die "Volksbefreiungsfront" von Tigray will zurück an die Macht. Beobachter warnen vor einem Flächenbrand am Horn von Afrika.

Karin Bensch

Soldaten mit geschulterten Gewehren patrouillieren in den Straßen von Mekelle, der Regionalhauptstadt von Tigray, einem Gebiet im äußersten Norden Äthiopiens. Sie haben die Kontrolle über den strategisch wichtigen Flughafen übernommen und liefern sich an mehreren Orten heftige Kämpfe mit den äthiopischen Regierungstruppen.

Viele Menschen in Tigray sind in großer Sorge, dass der brutale Bürgerkrieg, der erst vor vier Jahren beendet wurde, nun wieder aufflammen könnte. Eine von ihnen ist Medhin Yebrah. Sie verkauft Hülsenfrüchte an einem Marktstand am Straßenrand. "Ich habe Angst, dass sich die Situation von 2022 wiederholt. Wenn möglich, sollte der Konflikt friedlich gelöst werden", sagt sie.

Im Krieg waren damals nach Schätzungen der Afrikanischen Union mindestens 600.000 Menschen getötet worden. Hintergrund war ein Ringen um die Macht in der Region. Soldaten der sogenannten Volksbefreiungsfront von Tigray kämpften gegen die äthiopische Armee.

Zentrale Vereinbarungen wurden nie umgesetzt

Dahinter stand auch eine politische Auseinandersetzung zwischen der Regionalregierung in Tigray und der äthiopischen Zentralregierung. Das Friedensabkommen von Pretoria beendete 2022 zwar die Kämpfe, zentrale Vereinbarungen wurden aber nicht umgesetzt, zum Beispiel die Entwaffnung der Streitkräfte von Tigray und die Rückkehr Hunderttausender Vertriebener.

Nach Kriegsende setzte die Zentralregierung eine Übergangsverwaltung in Tigray ein. Doch vor wenigen Monaten erklärte die "Volksbefreiungsfront", sie wolle die Regierung der Region wieder selbst übernehmen. Die äthiopische Armee versuchte, das zu verhindern - mit Kämpfen und Drohnenangriffen.

Hinzu kommt, dass sich vor einigen Tagen sieben bewaffnete Oppositionsgruppen landesweit zu einer Allianz zusammengeschlossen haben. Sie wollen die Regierung von Ministerpräsident Abiy Ahmed stürzen. Mit dabei sind auch die Streitkräfte aus Tigray.

Warnung vor neuem Flächenbrand am Horn von Afrika

Politische Beobachter warnen, dass der Konflikt in der Region schnell zu einem größeren Krieg eskalieren könnte. Zudem bestehe die Gefahr, dass sich die Kämpfe ausweiten könnten in die Nachbarländer Eritrea und Sudan, die die Rebellengruppe aus Tigray unterstützen. Damit könnte ein Flächenbrand entstehen in der ohnehin schon krisengeschüttelten Region am Horn von Afrika.

In der Regionalhauptstadt Mekelle ist auch Zerihun Gashaw zu Hause. Er sorgt sich, dass ein neuer Krieg die Menschen stark treffen könnte, durch zerstörte Straßen, Krankenhäuser und Schulen. Doch er unterstützt auch die Machtbestrebungen der Rebellen. "Untätig herumzusitzen und nichts gegen unsere Probleme zu unternehmen, ändert nichts", sagt er. "Deshalb haben wir keine andere Wahl, als uns mit unserem Volk, unserer Regierung und unseren Streitkräften zusammenzuschließen und unsere Interessen zu verteidigen."

Ein neuer Krieg wäre jedoch verheerend - für Tigray und für Äthiopien.

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