Medikamente gegen Depressionen richtig absetzen
Immer wieder leidet Julia Zipfel an schweren Depressionen. Weil es ihr besser geht, möchte sie ihr Antidepressivum langsam absetzen und erlebt, wie schwierig das sein kann.
09.10.2026 | 5:12 minAntidepressiva können nach erfolgreicher Behandlung wieder abgesetzt werden. Doch zu schnelle Dosisreduktionen verursachen manchmal körperliche und psychische Beschwerden - auch depressive Symptome können zurückkehren. Warum die Therapie nie abrupt und nur mit ärztlicher Begleitung beendet werden sollte: Wichtige Fragen und Antworten im Überblick.
Was sind Antidepressiva?
Antidepressiva sind Psychopharmaka, die bei Depressionen, aber auch bei Angst- und Zwangsstörungen eingesetzt werden. Es gibt verschiedene Wirkstoffgruppen. Am häufigsten werden selektive Botenstoff-Wiederaufnahmehemmer wie SSRI oder SNRI verschrieben. Sie beeinflussen das Verhältnis von Serotonin und Noradrenalin im Gehirn.
Die Freude verschwindet, tiefe Traurigkeit kommt, das ganze Leben fällt schwer: Anzeichen, die auf eine Depression hinweisen können. Wann Betroffene professionelle Hilfe brauchen.
02.10.2026 | 5:19 minOb ein Antidepressivum sinnvoll ist und welcher Wirkstoff verordnet wird, hängt vom Schweregrad der Depression und den Wünschen der Betroffenen ab. Bei schweren Depressionen wird die Behandlung mit einer Psychotherapie kombiniert.
Wie wirken Antidepressiva?
Antidepressiva erzeugen weder ein "High"-Gefühl noch ein zwanghaftes Verlangen nach höheren Dosen. Trotzdem könne das Absetzen Beschwerden verursachen, weiß Barbara Rohrmoser, Studienärztin am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) Mannheim.
Das Gehirn gewöhnt sich daran, dass der antidepressive Wirkstoff in einer bestimmten Konzentration durchgehend zur Verfügung steht.
Barbara Rohrmoser, Ärztin in Weiterbildung, ZI Mannheim
Das Gehirn erwarte die höhere Konzentration der Medikamente, um das Gleichgewicht der Botenstoffe aufrechtzuerhalten. Wie stark die Beschwerden beim Absetzen seien, hänge unter anderem von Wirkstoff, Dosis, Einnahmedauer, individueller Empfindlichkeit und Reduktionstempo ab, erklärt Rohrmoser.
Depressionen sind manchmal nur schwer zu behandeln. Wie Betroffene von neuen individuellen Wegen zu Diagnose und Therapie profitieren können.
21.10.2025 | 5:33 minWarum kann das Absetzen von Antidepressiva Beschwerden auslösen?
Serotonin oder Noradrenalin wirken über Rezeptoren an Nervenzellen und beeinflussen unter anderem Schlaf, Verdauung oder Konzentration. Bei der Einnahme von Antidepressiva schützen sich die Nervenzellen vor einer Überreizung, indem Rezeptoren abgebaut oder unempfindlicher werden.
Fällt der Wirkstoff weg, benötigt das Gehirn Wochen bis Monate, um die Rezeptoren wieder an den Normalzustand anzupassen. Die Absetzbeschwerden können dann den Symptomen der ursprünglichen Depression ähneln. Linda Kunz, Ärztin am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim, beobachtet dies bei Betroffenen besonders am Ende des Ausschleichprozesses.
Starke depressive Symptome treten meist erst nach dem letzten Absetzschritt auf. Wir sehen oft körperliche Symptome, die sehr ausgeprägt sind.
Dr. Linda Kunz, ZI Mannheim
Zu den häufigen Symptomen zählen Schlafstörungen und grippeähnliche Beschwerden, die bereits zwei bis vier Tage nach einer Dosisreduktion oder dem Absetzen der Antidepressiva auftreten können.
Beim Absetzen von Antidepressiva können starke Beschwerden auftreten, ähnlich einer Depression. Privatdozent Jonathan Henssler, Psychiater an der Charité - Universitätsmedizin Berlin, erklärt, wie das das Ausschleichen gelingen kann.
09.10.2026 | 5:54 minF - flu-like: grippeähnliche Beschwerden, Gliederschmerzen, Abgeschlagenheit
I - insomnia: Schlafstörungen und intensive Träume
N - nausea: Übelkeit, Erbrechen und Durchfall
I - imbalance: Schwindel und Gleichgewichtsstörungen
S - sensory: stromschlagartige Missempfindungen, sogenannte Brain Zaps
H - hyperarousal: Ängstlichkeit, Reizbarkeit und innere Unruhe
Wie werden Antidepressiva richtig ausgeschlichen?
Das Ausschleichen von Antidepressiva sollte ärztlich begleitet und individuell geplant werden. Wie schnell die Dosis reduziert werden kann, hängt unter anderem vom Wirkstoff, der Dosierung, der Einnahmedauer und früheren Absetzversuchen ab.
Bei Beschwerden wird die Dosis in kleinen Schritten reduziert. Zwischen den Reduktionsstufen sollte genügend Zeit liegen, damit sich das Gehirn an die veränderte Wirkstoffkonzentration anpassen kann.
Seit vielen Jahren nimmt Thomas Schalski Antidepressiva. Gerne würde er sie absetzen. Doch bei jedem Versuch spielt sein Körper verrückt. Woran das liegt.
22.05.2025 | 5:15 minWichtig: Die Dosierung von Antidepressiva sollte nicht eigenmächtig verändert werden. Bei Beschwerden wie Schwindel, Unruhe, Schlafstörungen oder Stimmungsschwankungen lässt sich die Reduktion in Absprache mit den behandelnden Ärzten pausieren oder verlangsamen.
Für Betroffene, die Schwierigkeiten haben, Psychopharmaka auszuschleichen, gibt es in Deutschland zwei spezialisierte Ambulanzen. Sie ergänzen die Haus- oder Facharztpraxis.
Hier finden Betroffene Hilfe
37 Grad begleitet drei Menschen, die offen über ihre Depressionen sprechen und zeigt, wie unterschiedlich die Symptome, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten sein können.
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