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Monday, October 12, 2026

Ukraine und USA in der Krise: Was folgt auf den Diesel-Deal mit Russland?

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Der Diesel-Deal zwischen US-Präsident Donald Trump und Russlands Staatschef Wladimir Putin sorgt in der Ukraine für Verärgerung. Moskau darf damit russischen Dieselkraftstoff in die Weltmärkte liefern. Dies sei eine Reaktion darauf, dass Kyjiw den Forderungen Washingtons nicht nachkomme, die Angriffe auf Raffinerien in Russland zu stoppen, schreibt die US-amerikanischen Nachrichtenseite Axios. Trump erklärte zudem, es sei für die Ukraine an der Zeit, "einen neuen Führer zu bekommen, der einen Deal machen könnte".

Die Vereinbarung über den Dieselverkauf wurde verkündet, während Gespräche zwischen ukrainischen, amerikanischen und europäischen Vertretern in Miami liefen. "Ich glaube, unser Team wird lediglich als Deckmantel missbraucht. Das ist definitiv nicht fair", sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj kurze Zeit später vor Journalisten und bezeichnete Trumps Beschluss als "eine schwache Entscheidung starker Partner".

Vom Oval Office nach Miami

Für Kyjiw ist das nicht die erste Krise im Verhältnis zur Trump-Administration. Im Februar 2025 warf Trump im Oval Office Selenskyj vor, er habe "im Moment keine Karten". Auf den Eklat im Weißen Haus folgte ein Stopp der Waffenlieferungen und des Austauschs geheimdienstlicher Informationen. Die US-Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner sollen laut Medienberichten während der Gespräche in Miami erneut mit einem Informations-Stopp gedroht und das mit den ukrainischen Angriffen auf russische Raffinerien begründet haben. US-Vertreter bestritten diese Darstellung.

Wolodymyr Selenskyj sowie Donald Trump und JD Vance sitzen im Oval Office im Februar 2025
Erinnerungen werden wach an den Streit im Oval Office im Februar 2025 zwischen Wolodymyr Selenskyj sowie Donald Trump und JD VanceBild: Jim Lo Scalzo/UPI Photo/IMAGO

Dennoch ähnele die aktuelle Situation dem damaligen Streit im Weißen Haus, sagt Mychajlo Hontschar vom ukrainischen Zentrum für Globale Studien "Strategie XXI" im DW-Gespräch. Es gebe aber keinen Grund für die Ukrainer, jetzt in Panik zu geraten. "Auch im vergangenen Jahr gab es Drohungen und Unterbrechungen der Geheimdienstinformationen sowie Lieferengpässen bei den Waffen. Dann erkannten die Amerikaner, wie sehr es ihnen selbst schadet, und nahmen widerwillig alles wieder auf."

Sucht Trump einen "Sündenbock"?

Alle von der DW befragten Experten sehen einen Zusammenhang zwischen Trumps Drohgebärden gegenüber der Ukraine und den Zwischenwahlen in den USA am 3. November. Bei den Midterms werden alle Sitze des Repräsentantenhauses und ein turnusmäßiger Teil des Senats neu gewählt. Iwan Us vom Nationalen Institut für strategische Studien in Kyjiw erwartet eine krachende Niederlage der Republikaner. Hauptgrund dafür seien die hohen Treibstoffpreise.

"Donald Trump will mit aller Macht davon ablenken, dass die hohen Preise mit seinem Iran-Krieg und den Problemen in der Straße von Hormus zusammenhängen. Dafür braucht er einen Sündenbock. Und er hat entschieden, dass es die Ukraine ist", betont der Experte.

Mychajlo Hontschar sieht in Trumps Deal mit Putin vor allem Vorteile für Russland. "Dieses ganze Dieselgeschäft wirkt wie eine verkappte Bitte Putins an Trump, Einfluss auf die Ukraine zu nehmen." Hontschar bringt die Vereinbarung auch mit einem möglichen Verkauf der Auslandsbeteiligungen des russischen Ölkonzerns Lukoil in Verbindung. Laut der New York Times gehören zu den potenziellen Käufern dieser Beteiligungen Investoren aus Trumps Umfeld.

Wie lässt sich die Krise bewältigen?

Oleksandr Krajew vom ukrainischen Thinktank "Ukrainisches Prisma" warnt vor drastischen Schritten. "Wenn wir beleidigt die Tür zuschlagen, wird uns das ganz sicher nicht helfen. Dann werden die Sicherheitsunterstützung und die Geheimdienstinformationen vom Tisch sein. Das können wir uns nicht leisten. Es mag schwierig sein, manchmal auch widerwärtig, aber wir müssen den Kontakt zu den Amerikanern aufrechterhalten", findet der Experte. Parallel dazu könne die Ukraine mit Deutschland, Dänemark, Großbritannien und Frankreich dafür sorgen, dass Lieferungen von russischem Dieselkraftstoff "einfach unrealistisch" würden. Schließlich müssten die Tanker durch Hoheitsgewässer dieser Länder in die USA fahren und die Partner hätten schon erklärt, dies nicht zulassen zu wollen.

Schwarzer Rauch steigt auf über einer Raffinerie bei Moskau nach einem ukrainischem Drohnenangriff im Juni 2026
Brände in einer Raffinerie bei Moskau nach einem ukrainischem Drohnenangriff im Juni 2026Bild: AFP

Ivan Us rät, scharfer Rhetorik nicht zu viel Bedeutung beizumessen. "Man kann öffentlich sagen, was man will, Hauptsache, man macht weiter wie bisher", lautet seine Einschätzung zum möglichen Verhältnis zwischen Kyjiw und Washington. Die ukrainische Diplomatie sollte mit den US-Republikanern und der MAGA-Bewegung zusammenarbeiten. Dort werde Trumps Vereinbarung mit Putin bereits kritisiert und der Verdacht geäußert, Russland könne mit dem Geld aus dem Dieselgeschäft den Iran unterstützen.

Us schließt zudem nicht aus, dass Trumps Entscheidung vor Gericht angefochten wird. Der republikanische Senator Tom Tillis sagte im US-Sender NBC, der Präsident verstoße wahrscheinlich gegen das Gesetz aus dem Jahr 2022, das den Import von russischem Öl und weiteren Energieträgern verbiete.

Die US-Drohungen, die Ukraine von geheimdienstlichen Informationen oder Waffen abzuschneiden, hält Iwan Us ohnehin für "Angstmacherei" im Vorfeld der Wahlen. "Die USA geben solche Erklärungen nicht ab, um etwas zu unternehmen, sondern um die Märkte glauben zu lassen, dass sie nun Druck ausüben werden, und die Preise sinken", so Us.

Was ändert sich ab dem 3. November?

Die drei Experten sind sich einig, dass Kyjiw die Lage bis nach den US-Wahlen aussitzen sollte. Oleksandr Krajew ist überzeugt, dass Trump nach den Wahlen in dieser Angelegenheit nachgeben könnte. Denn die Ukraine im Stich zu lassen würde bedeuten, Schwäche gegenüber China zu zeigen, das die Situation um Taiwan genau im Blick habe.

Mychajlo Hontschar weist darauf hin, dass Trumps Deal mit Putin bereits von Republikanern im Senat und im Repräsentantenhaus kritisiert werde. Zudem habe der Kongressabgeordnete Brian Fitzpatrick einen nach dem ehemaligen US-Präsidenten Ronald Reagan benannten parteiübergreifenden Gesetzentwurf initiiert, um den Kauf von russischem Öl zu blockieren. "Trotz aller Drohungen und vielleicht sogar einiger Versuche, vorübergehende Maßnahmen gegen Kyjiw zu erlassen, ist es unwahrscheinlich, dass Trump noch weiter gehen wird. Die Lage sollte man nicht in apokalyptischen Tönen darstellen", so Hontschar. Zudem sorge Trump mit seinem Druck nur für einen noch engeren Schulterschluss zwischen der Ukraine und ihren europäischen Partnern.

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