KI: Trump setzt auf Selbstkontrolle durch Tech-Unternehmer
Die USA setzen bei Künstlicher Intelligenz weiter auf freiwillige Selbstkontrolle statt auf gesetzliche Vorschriften: Präsident Donald Trump will trotz Warnungen vor existenziellen Risiken die Aufsicht über die Technologie ihren Entwicklern überlassen. Die Unternehmen würden sich selber kontrollieren, sagte Trump nach einem Treffen mit Chefs von KI-Unternehmen in der Hauptstadt Washington.
Der 80-Jährige sieht ausreichenden Schutz durch wirtschaftliche Interessen der US-Firmen. "Ihre Unternehmen stehen auf dem Spiel, wenn etwas schiefgeht", sagte der Präsident. "Sie werden das nicht zulassen", gab sich Trump nach dem Treffen überzeugt.

Seine Ablehnung für gesetzliche KI-Vorschriften begründete er erneut mit dem technologischen Vorsprung der USA vor China. "Wir führen, und das wollen wir beibehalten", sagte der Republikaner.
Trump kündigte zudem ein Dekret zur Umbenennung von KI in "Superintelligenz" an. Und er lobte die Manager bei dem Treffen als "die brillantesten Leute der Welt".
Neben dem US-Präsidenten saßen dabei sein früherer Berater, der Tech-Milliardär Elon Musk, und der Vorsitzende des Chipkonzerns Nvidia, Jensen Huang. Zu den rund zwei Dutzend Tech-Vertretern zählten zudem Mark Zuckerberg von Meta, Dario Amodei von Anthropic, Jeff Bezos von Amazon und OpenAI-Präsident Greg Brockman.
Anthropic-Chef: "Sehr reale Risiken"
Zuletzt hatten eigenständige Hacking-Attacken durch KI-Modelle weltweit die Sorgen um Gefahren Künstlicher Intelligenz erhöht: KI-Anwendungen von OpenAI und Anthropic waren unkontrolliert in fremde IT-Systeme eingedrungen. Auch Regierungswebsites in Australien waren Ziel von solchen KI-Attacken.
Zudem hält OpenAI sein neuestes Modell "GPT-6.1 Astra" wegen Sicherheitsmängeln vorerst unter Verschluss. Das Modell habe sich über Anweisungen hinweggesetzt und Nutzer getäuscht, teilte das US-Unternehmen mit.
Experten warnten vor einem Kontrollverlust bei der Entwicklung immer leistungsfähigerer Systeme. Einige Branchenvertreter selbst skizzierten sogar Weltuntergangsszenarien: Man könne nicht ganz ausschließen, dass KI in der Zukunft die Menschheit auslösche.

Anthropic-Chef Amodei hatte sich dafür ausgesprochen, die Entwicklung der leistungsfähigsten KI-Modelle abzubremsen, um sicherzugehen, dass man nicht die Kontrolle über die Technologie verliert. Nach dem Termin mit dem US-Präsidenten im Weißen Haus sagte Amodei, KI habe großes Potenzial - "aber auch sehr reale Risiken". Maßnahmen, um diesen Risiken entgegenzuwirken, seien "noch in der Diskussion".
Freiwillige Selbstverpflichtung
Bei dem Treffen in Washington wurde in einer Selbstverpflichtung eine Reihe von Grundsätzen vereinbart. Dazu sollen "robuste interne Kontrollen" gehören, wie aus dem von Trump veröffentlichten Dokument hervorgeht. Dies solle unter anderem Biowaffen- und Chemiewaffen-Risiken ausräumen - und auch dafür sorgen, dass es keine Hacking-Attacken gebe.
USA: Widerstand gegen KI-Rechenzentren
Darüber hinaus erklärten sich die Unternehmen bereit, externe Beobachter zuzulassen. Das entspricht einer Idee, die Anthropic-Chef Amodei vor einigen Wochen vorgestellt hatte. Ein Vorschlag, der unter anderem von seinem Konkurrenten Sam Altman beim ChatGPT-Entwickler OpenAI sowie Elon Musk unterstützt wurde.
Die Verwaltungsräte der KI-Firmen sollen zudem gesonderte unabhängige Gremien einrichten, die interne und externe Berichte prüfen. "Mit der Zeit könnte es sinnvoll sein, diese Schritte in Gesetzen oder Regeln festzuhalten", heißt es zudem in dem Dokument.
Sorgen in der US-Bevölkerung
Das KI-Treffen mit angestoßen hatte der Vorsitzende des Repräsentantenhauses, der Republikaner und Trump-Vertraute Mike Johnson. Er sprach sich für ein Minimum an Regulierung aus: "Ich denke, ein bisschen Kontrolle, ein bisschen Transparenz, ein bisschen externe Prüfung würde vielen Menschen die Nervosität nehmen", sagte Johnson dem Sender CNBC.

Laut einer aktuellen Umfrage für den Sender CNN sind 82 Prozent der US-Bürgerinnen und -bürger "beunruhigt" über das rasante Tempo der KI-Entwicklung. Demnach sind 87 Prozent zudem besorgt über den Bau der dafür nötigen Rechenzentren, die viel Strom für ihre Server und Wasser zur Kühlung verbrauchen.
Trump spielte die Bedenken erneut herunter. Die Rechenzentren würden bald "sehr beliebt" sein, da die umliegenden Gemeinden "sehr reich" würden, sagte er. Selbst in republikanisch regierten US-Bundesstaaten gibt es allerdings erheblichen Widerstand, da die Datenfabriken laut Kritikern die örtlichen Energie- und Wasserpreise weiter in die Höhe treiben.
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