Kanzler will Demokratie und Freiheit weiter sichern
Kanzler Merz ist zum EU-Arktis-Gipfel nach Finnland gereist. Dort beriet er unter anderem mit anderen EU-Staaten, wie sich die Interessen Europas am Polarkreis sichern lassen.
14.09.2026 | 1:55 minAm Ende versucht der Kanzler es mit tiefschwarzem Humor. Das Gipfelfoto ist gemacht, zwölf Regierende laufen zurück zum Konferenzzentrum hier oben am Polarkreis. Nur Friedrich Merz bleibt zurück, stellt sich allein ans Ufer. Er schaut dem reißenden Wasser nach. Ounasjoki heißt dieser ungezähmte Strom. Ein finnischer Konferenz-Mitarbeiter beobachtet die Szene. Merz dreht sich ihm zu und sagt: "I will not jump in."
Er springt nicht. Doch was man zuvor auf dem EU-Arktis-Gipfel von Merz gesehen und gehört hat, wirkte hochdepressiv. "Hier im hohen Norden Europas kann man sehen, wie gefährdet der Frieden in Europa ist", sagte der Kanzler zum Auftakt des Gipfels vor den Kameras - mit stark gedämpfter Stimme. Hier sei "wirklich die Bedrohung sichtbar", setzte er nach.
Ich kann nur an alle appellieren, diese Gefährdung ernst zu nehmen. In Europa zusammenzuhalten und in der Nato, im europäischen Teil der Nato allemal, das zu tun, was notwendig ist, nämlich alle Anstrengungen zu unternehmen, um unsere Freiheit zu verteidigen und den Frieden.
Friedrich Merz, Bundeskanzler
Merz beantwortet zum Auftakt keine Fragen
Die anderen hatten zuvor ähnlich gesprochen wie Merz. Bei den Regierungschefs von Finnland und Estland, den Präsidenten von Litauen und Rumänien lag viel mehr Dynamik in der Stimme. Sie blieben länger stehen, um ihren Landsleuten hinter den Kameras Fragen zur Gefahrenlage am Polarkreis zu beantworten.
Merz wollte das augenscheinlich nicht. "Ich nehme ausgesprochen ernst, was wir hier zurzeit erleben", schloss er sein Statement und endete ohne Sprechpause knapp mit "vielen Dank". Den roten Teppich ersparte er sich und ging zurück hinter den altrosa-farbenen Vorhang, aus dem er kam. "Arktikum Café" steht darüber.
Lob von europäischen Kolleginnen und Kollegen
Die Kälte scheint der deutsche Kanzler mitgebracht zu haben; hier erfährt er keine. Weder vom Polarkreis - die Sonne scheint bei 10 Grad plus - noch von seinen europäischen Kolleginnen und Kollegen. Finnlands Ministerpräsident Petteri Orpo machte zu Beginn klar, wie wichtig Deutschland und dieser Kanzler doch seien, um der Bedrohung Europas durch Russland standzuhalten. Jeder der anderen, der gefragt wird, findet lobende Worte für Merz und wie er das stärkste Land Europas zum Schutz aller positioniert.
Wahlniederlage in Sachsen-Anhalt, schwache Umfragen und offene Reformfragen erhöhen den Druck auf Kanzler Merz. "Er steht auf dünnem Eis", sagt ZDF-Hauptstadtkorrespondent Wulf Schmiese.
14.09.2026 | 1:55 minDiese Rolle Deutschlands wird auf der Abschlusspressekonferenz deutlich. Der Bundeskanzler steht dort zentral, gleich neben Gastgeber Orpo. Der Finne wirbt für finnische Eisbrecher und ein Journalist aus Finnland will von Merz wissen, ob Deutschland die bezahlen werde. Die Frage bricht das Eis, alle lachen - sogar der sonst so betrübte Merz, weil ausgerechnet er wie der reiche Verwandte gefragt wird. Der Kanzler antwortet auf Englisch recht allgemein: Er unterstütze, dass Europa hier an seiner Nordostflanke gut aufgestellt sein müsse.
Innenpolitisch Geschwächte auf der europäischen Bühne
Merz bleibt im Englischen. Natürlich wird er zur Lage in Deutschland gefragt, zu seiner Lage. Er sei hier, antwortet der Kanzler, um direkt mit seinen Kollegen in Kontakt zu kommen. Die Sicherheit des Kontinents stehe im Mittelpunkt. Die innenpolitischen Debatten können davon nicht getrennt betrachtet werden, so die Botschaft des Kanzlers. Dies hier sei viel wichtiger als manche innenpolitische Debatte.
Die Unzufriedenheit mit Kanzler Merz ist seit seinem Amtsantritt stark gestiegen. Nach Wahlniederlage, schwachen Umfragen und offenen Reformfragen steht die CDU vor der Frage wie es jetzt weiter geht.
14.09.2026 | 2:41 minDer innenpolitisch Geschwächte sagt auf europäischer Bühne, er kämpfe für Frieden und Freiheit: Entschieden, sehr fest, sehr klar - und er werde da keinen Zentimeter zurückweichen. Das bezieht sich ausdrücklich auf die bedrohte Lage der EU.
Kein öffentliches Wort fällt von Friedrich Merz auf seiner Polarfahrt, wie er seine eigene Lage sieht - als Bundeskanzler nach nur 16 Monaten im Amt.
Wulf Schmiese ist stellvertretender Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios Berlin.
Über das Thema berichtete das ZDF in verschiedenen Sendungen am 14.09.2026, unter anderem im ZDF-Morgenmagazin ab 5:30 Uhr und bei "heute - in Deutschland" ab 14:00 Uhr.
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