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Tuesday, September 15, 2026

IAA: IAA Transportation: BYD zeigt 44-Tonnen-Elektro-Sattelschlepper ETT 44

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Der chinesische Akku- und Elektroautohersteller BYD hat auf der IAA Transportation 2026 in Hannover seinen Einstieg in den europäischen Schwerlastmarkt angekündigt. Das Modell heißt ETT 44 und ist ein Elektro-Sattelschlepper für 44 Tonnen Gesamtzuggewicht, der ab 2027 an europäische Kunden ausgeliefert werden soll. BYD präsentiert damit sein bislang umfangreichstes Angebot an elektrischen Nutzfahrzeugen für Europa, das damit nun von 3,5 bis 44 Tonnen reicht.

Der ETT 44 verfügt über eine Blade-Batterie mit Lithium-Eisenphosphat-Zellen (LFP) und einer Kapazität von 651 kWh. Die Reichweite gibt BYD mit bis zu 600 Kilometern an. Als Nennleistung nennt der Hersteller etwa 555 kW, in der Spitze soll der Antrieb bis zu rund 750 kW leisten. Das Fahrzeug ist von Grund auf als Elektrofahrzeug konzipiert und nicht von einer Verbrennerplattform abgeleitet.

Besonders betont BYD die Ladetechnik: Über den konventionellen CCS2-Anschluss lädt der ETT 44 mit bis zu 420 Kilowatt, wobei ein Ladevorgang von 20 auf 80 Prozent rund 60 Minuten dauern soll. Deutlich schneller geht es mit dem Megawatt Charging System (MCS), das BYD unter dem Namen „FLASH Charging“ vermarktet. Mit über 1,5 Megawatt Ladeleistung soll der gleiche Ladevorgang in rund 20 Minuten abgeschlossen sein. Das ist genug für etwa 400 Kilometer zusätzliche Reichweite. BYD-Vizepräsidentin Stella Li erklärte dazu: „Weniger Zeit beim Laden, mehr Zeit auf der Straße.“

Als markantes Differenzierungsmerkmal positioniert BYD die Batteriegarantie des ETT 44: Zehn Jahre beziehungsweise 1,2 Millionen Kilometer sind standardmäßig im Kaufpreis enthalten. Im Vergleich dazu bieten viele europäische Hersteller ihre Basisgarantie für sechs bis acht Jahre an. Eine Garantieverlängerung auf zehn Jahre gibt es etwa bei Iveco, dort allerdings als kostenpflichtige Option. Für Flottenbetreiber, die im Fernverkehr typischerweise 120.000 bis 150.000 Kilometer pro Jahr zurücklegen, könnte diese Garantie ein relevantes Argument bei Beschaffungsentscheidungen sein, zumal da sie das Restwert- und Technologierisiko senkt. Der ETT 44 hat zudem eine Fünf-Sterne-Bewertung im Euro-NCAP-Programm für schwere Nutzfahrzeuge erhalten.

BYD ETT 44

Für Züge bis 44 Tonnen geeignet, schöpft die Zugmaschine den Rahmen für Europa aus.

(Bild: BYD)

Konkrete Listenpreise für den ETT 44 hat BYD noch nicht veröffentlicht. Eine aktuelle Analyse von Transport & Environment legt jedoch nahe, dass chinesische E-Lkw europäische Modelle preislich deutlich unterbieten könnten: Während europäische schwere Elektro-Lkw im Schnitt rund 320.000 Euro kosten, liegen die Zielpreise chinesischer Hersteller bei 225.000 bis 250.000 Euro, ein Unterschied von etwa 30 Prozent. Über den Lebenszyklus ergibt sich laut T&E eine mögliche Ersparnis von rund 43.000 Euro über fünf Jahre. BYD selbst propagiert ein Konzept der „Total Cost of Mobility“, das Fahrzeugeffizienz, Ladeinfrastruktur, Energiebeschaffung und Finanzierung als Gesamtpaket betrachtet.

Laut ICCT-Studien liegen die Gesamtkosten (Total Cost of Ownership) eines Elektro-Lkw in Deutschland bereits heute rund 11 Prozent unter denen eines vergleichbaren Diesel-Fahrzeugs im Fernverkehr, begünstigt durch die Mautbefreiung für emissionsfreie Lkw und die CO₂-basierte Dieselmaut. BYDs Einstieg mit wettbewerbsfähigen Preisen könnte die wirtschaftliche Schwelle für die Flottenumstellung bei großen Logistikern in Europa weiter senken und damit einen Beitrag zu den CO₂-Reduktionszielen im Straßengüterverkehr leisten.

BYD begegnet der politischen Debatte um chinesische Fahrzeugimporte mit einer Lokalisierungsstrategie: In Ungarn entsteht ein Montagewerk für schwere Fahrzeuge mit einer Zielkapazität von rund 5000 Einheiten pro Jahr. Die Endmontage in der EU verbessert die Chancen, bei öffentlichen Ausschreibungen als „europäisches Fahrzeug“ zu gelten, denn in ihnen werden zunehmend lokale Fertigung und ein hoher regionaler Wertschöpfungsanteil verlangt. Derzeit erhebt die EU auf in China produzierte Elektrofahrzeuge Zusatzzölle von 17 Prozent für BYD (zuzüglich 10 Prozent regulärem Einfuhrzoll). Ob die EU bei Lkw bei diesem Zollsatz bleiben wird, wurde noch nicht kommuniziert.

BYD trifft in Hannover auf ein zunehmend wettbewerbsintensives Umfeld: Tesla hat ebenfalls auf der IAA angekündigt, seinen Sattelschlepper 2027 nach Europa zu bringen. Neben etablierten europäischen Herstellern wie Daimler Truck, MAN, Scania und Volvo drängen auch die chinesischen Wettbewerber Sinotruk – mit Montage in Österreich – und Sany mit dem e263 auf den europäischen Markt. BYD ist indessen nicht nur bei Nutzfahrzeugen aktiv: Auch im Pkw-Segment entwickelt der Konzern gezielt Modelle für den europäischen Markt.

BYD legt offenbar auch Wert auf die Gestaltung seines Nutzfahrzeugs: „Als Flaggschiff-Modell der BYD-Truck-Reihe verkörpert es eine neue Designrichtung für Nutzfahrzeuge und zeigt, wie Funktionalität, Innovation und emotionale Anziehungskraft in einem modernen Schwerlast-Lkw koexistieren können.“ Neben dem ETT 44 zeigt BYD in Hannover neue Fahrgestelle in 4x2- und 6x2-Konfiguration, darunter eine 26-Tonnen-Wechselbrücken-Ausführung sowie ein 26-Tonnen-Abrollkipper. Zudem gibt der Hersteller einen Ausblick auf ein leichtes urbanes Modell. Kleinere BYD-Lkw wie der ETM6 mit 7,5 Tonnen sind bereits im europäischen Einsatz, unter anderem im Verteilerverkehr beim Logistiker Dachser.

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