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Wednesday, October 14, 2026

"Wir werden sowieso sterben": Trump fliegt seine Wählerbasis um die Ohren

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"Wir werden sowieso sterben"Trump fliegt seine Wählerbasis um die Ohren

14.10.2026, 06:25 Uhr

imageVon Roland Peters, New York

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Hat keine guten Aussichten: US-Präsident Donald Trump (Foto: IMAGO/ZUMA Press Wire)

Die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Kongresswahl waren für die Republikaner so gut wie lange nicht. Doch US-Präsident Trump hat nichts daraus gemacht - im Gegenteil. Die Selbstbereicherung und die hohen Lebenshaltungskosten haben Folgen.

Der südliche Bundesstaat Tennessee ist republikanisches Territorium. "Ich könnte die dümmsten Dinge sagen, ihr würdet klatschen", behauptete dort Donald Trump am Sonntag vor einem hörbar amüsierten Wahlkampfpublikum. Damit dürfte der US-Präsident zumindest dort recht haben, wo er in dieser Woche die meisten solcher Rallys abhält. In Bundesstaaten, die früher eine republikanische Bank gewesen wären: Alaska, Arizona, Montana. Das Weiße Haus schmeißt sich in den Wahlkampf, als sei gar nichts mehr sicher.

Damit ist Trump wohl gut beraten, denn er muss retten, was zu retten ist. Drei Wochen vor den Kongresswahlen sehen die Umfrageergebnisse und Prognosen für die Republikaner düster aus. Gewöhnlich ist das nur aus einem Grund: Die im Weißen Haus mit ihrem Präsidenten regierende Partei hat es nach zwei Jahren häufig schwer und verliert üblicherweise Mehrheiten in einer oder gar beiden Parlamentskammern. Das dürfte auch dieses Mal so sein, das Repräsentantenhaus wechselt wahrscheinlich in die Hände der Demokraten, im Senat könnte das ebenfalls passieren. Trotzdem ist der Trend wesentlich deutlicher, als er sein müsste.

Die sogenannten Midterms wären in diesem Jahr für die Republikaner wie gemacht gewesen: Die Konservativen haben in mehreren Bundesstaaten die Wahlkreise nach ihrem Gusto neu gezogen und sich damit die Erfolgschancen im komplett zur Wahl stehenden Repräsentantenhaus erhöht. Das Drittel der Senatssitze, die neu besetzt werden, sind mehrheitlich solche aus republikanisch dominierten Bundesstaaten. Zu guter Letzt: Laut Trump ist das von ihm angekündigte "goldene Zeitalter" der USA bereits angebrochen. Doch der Präsident hat sich politisch ins Knie geschossen und den Republikanern gleich mit; die Folgen seiner Regierungsführung treffen Wähler an seiner Basis besonders.

Wahlkampfthemen zeigen Wirkung

Die Inflation lässt die Lebenshaltungskosten steigen, die Gehälter fangen sie nicht auf. Rund 30 Prozent der besonders positiv gestimmten eigenen MAGA-Basis meinten zuletzt laut einer "Politico"-Umfrage, ihre Lebenshaltungskosten seien unter Trump gestiegen. Unter Nicht-MAGA-Republikanern waren es 55 Prozent. Zugleich greift Pessimismus über die Zukunft um sich: Der Krieg der USA im Nahen Osten, Klimakrise und Katastrophen, Jobverlustängste wegen KI.

Golden sind die Zeiten nur für jene, die ohnehin wohlhabend sind, an der Börse aktiv oder mit Trumps Familie und der US-Regierung ihre Geschäfte machen. Die Selbstbereicherung im Weißen Haus stößt inzwischen auch den US-Amerikanern auf - entsprechend reiten die Demokraten in ihrem Wahlkampf auf einem bestimmten Argument herum: Die Lebenshaltungskosten, die Gesundheitsversorgung und der Immobilienmarkt, alles werde teurer durch die Korruption in Washington, die Wohlhabende zugunsten des Otto Normalverbrauchers begünstige. Laut Wahlkampfanalysten gewinnen die Demokraten dadurch an Zustimmung.

Seit Jahren geht die Wohlstandsschere in der K-förmig gespaltenen Wirtschaft auseinander. Wohlhabendere profitieren von Kursgewinnen an der Börse und Wertsteigerungen ihrer Vermögenswerte, während Mittelschicht und Unterschicht mit der sogenannten Erschwinglichkeitskrise kämpfen. Trump war 2024 unter anderem mit dem Versprechen fürs Weiße Haus angetreten, die Bekämpfung jener Krise zu seiner Priorität zu machen, womit er insbesondere junge männliche Wähler überzeugte. Doch die Vielzahl von Krisen und Problemen verstreut die Wählerkoalition, die Trump zum zweiten Mal ins Amt hievte, in alle Winde.

"Wirtschaftlichkeit zusammengebrochen"

In städtischen Gegenden hat Trump weniger Unterstützer als in ländlichen, aber eben für die türmen sich die Probleme. Die Preise für Diesel etwa sind wegen des Iran-Kriegs historisch hoch. Doch die Agrarwirtschaft braucht Diesel, auch der Transportsektor und seine Millionen Lkw-Fahrer ist betroffen. Laut der rechten Medienpersönlichkeit Tucker Carlson, der mit dem Präsidenten gebrochen hat, sagte Trump ihm zu den Risiken Konflikts: "Wir werden sowieso alle sterben. Es ist also egal." Zwei Drittel der ländlichen Wähler sorgen sich darum, ihre Benzinkosten und ihre Gesundheitskosten nicht mehr bezahlen zu können, 60 Prozent fürchten das auch für Lebensmittel.

"Die Wirtschaftlichkeit des Lkw-Güterverkehrs ist zusammengebrochen", titelte das "Wall Street Journal" Anfang Oktober. Die Trucker würden "jeden Trick nutzen, um die steigenden Dieselpreise zu überleben". An der Tanksäule war der Treibstoff im vergangenen Monat rund 80 Prozent teurer als vor einem Jahr, aktuell sind es 71 Prozent. Die Exporte der Landwirte, insbesondere nach China, sind wegen Pekings Vergeltungszöllen eingebrochen. Trump kann dagegen derzeit nicht viel machen, aber er versucht es trotzdem: Per Dekret ordnete er an, dass steuerfreier Agrardiesel für die Landwirtschaft, der "rotgefärbte Diesel", nun auch im Straßenverkehr benutzt werden dürfe. Zudem setzte der US-Präsident die Importsperre gegen russischen Diesel aus.

Mehr als ein Signal an die Wähler, dass er nicht untätig ist, sind die mit Moskau vereinbarten Liefermengen nicht. Sie decken einen Tag des globalen Dieselbedarfs oder zehn Tage der USA und dürften die Preise kaum verändern. Zudem erlebt Trump auch Widerstand aus der eigenen Partei: In einem gemeinsamen Brief kritisierten am Montag mehrere republikanische Senatoren den Schritt als "Geschenk an unseren Gegner und Verrat an unseren Verbündeten". Es ist zudem unklar, ob Trump die Sanktionen überhaupt außer Kraft setzen darf.

Eindeutige Prioritäten

Ebenfalls spürt Trumps Wählerschaft die Folgen seines "Big Beautiful Bill" aus dem vergangenen Jahr, also das große Gesetzespaket seiner zweiten Präsidentschaft. Zugunsten von Steuererleichterungen für Reiche kürzten die Republikaner bei Medicaid, der öffentlichen Krankenversicherung für Niedrigverdiener. Davon sind ebenfalls überproportional ländliche Gegenden betroffen und damit Trumps Kernwählerschaft. Die beiden Prioritäten der dortigen Wähler sind eindeutig: Rund 94 Prozent von ihnen hielten es im September für "extrem wichtig" oder "sehr wichtig", dass ihre Kandidaten versuchten, die Lebenshaltungskosten zu senken. Über Gesundheitskosten sagten dies 90 Prozent.

Das Umfragedesaster zeigt sich auch darin, dass weniger als die Hälfte der ländlichen Wähler noch einverstanden ist mit Trump; unter allen US-Wählern sind es etwas mehr als ein Drittel. "Viele Menschen bringen die Krise der Lebenshaltungskosten mit zahlreichen politischen Entscheidungen von Trumps Regierung in Verbindung: dem Krieg im Iran, den Zöllen, den Handelskriegen", sagte dazu Tim Slack, Soziologe an der Louisiana State University und Experte für ländliche Gegenden. "Keine dieser Maßnahmen wird die Preise an der Tankstelle oder im örtlichen Walmart senken." Und damit die Erfolgschancen bei den Kongresswahlen auch nicht erhöhen.

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