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Monday, September 21, 2026

Recherche enthüllt: Klimaforscher arbeiten für Ölkonzerne

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Der Weltklimarat gilt als neutrales Gremium der Wissenschaft. Doch Recherchen zeigen: Einige Autoren arbeiten mit saudischen Ölkonzernen zusammen - ein klarer Interessenkonflikt.

21.09.2026 | 12:50 min

Der Weltklimarat (IPCC) gilt als Goldstandard der Klimaforschung. Doch eine investigative Recherche von 3sat NANO und einem internationalen Journalistenteam offenbart: Ausgerechnet dort sitzen Wissenschaftler, die für die Öl- und Gasindustrie arbeiten. Es besteht das Risiko, dass genau diese Unternehmen von Empfehlungen der Klimaexperten profitieren könnten.

IPCC hat Klimalösung überschätzt

Im letzten Bericht 2023 kommt der IPCC zum Fazit: Nur auf Erneuerbare Energien zu setzen, werde nicht ausreichen, um das 2-Grad-Ziel zu erreichen. Die Experten empfehlen technologische Lösungen wie Carbon Capture and Storage, kurz CCS. Dabei werden Emissionen aus Industrieanlagen herausgefiltert, bevor sie in die Atmosphäre gelangen.

Treibhausgase sollen tief unter den Meeresboden statt in die Luft. „Carbon Capture and Storage“ soll jetzt auch in Deutschland möglich werden. Die Industrie drängt auf Ausbau, Umweltverbände warnen vor Verzögerung des nachhaltigen Wandels.

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Doch bisherige Pilotprojekte zeigten sich ineffizienter als erwartet - häufig konnten nur 30 bis 60 Prozent des CO2 gefiltert werden. "In heutigen Szenarien zum Klimaschutz werden Technologien zur CO2-Abscheidung daher seltener genutzt als noch Anfang der 2010er Jahre", sagt Detlef van Vuuren von der Universität Utrecht.

Wer von CCS als Klimaretter profitiert

Unsere Recherchen führen uns zur Arbeitsgruppe III des IPCC, die Klimalösungen wie CCS bewerten soll, und entdecken, dass 29 der 223 Autoren Kontakte zur Öl- und Gasindustrie haben - die größten Profiteure und Haupttreiber dieser Technologie.

[Seit 2005] sehen wir eine enge Vernetzung des IPCC mit Experten aus der Privatwirtschaft.

Kari De Pryck, Politikwissenschaftlerin Universität Genf

Besonders deutlich wird diese Verbindung bei einem der größten Befürworter von CO2-Abscheidung: Saudi-Arabien. Die Technologie ermöglicht ihm, den Ausstieg von Öl und Gas möglichst lange zu verschieben und als Teil ihrer Klimastrategie zu etablieren. "Saudi-Arabien hat versucht, den vom Menschen verursachten Klimawandel aus den vergangenen IPCC-Berichten zu streichen", erzählt Politikwissenschaftlerin Kari De Pryck von der Universität Genf, die den IPCC jahrelang beobachtet hat.

Strukturelles Problem im System?

Vor diesem Hintergrund fällt besonders auf: Elf IPCC-Autoren haben Verbindungen in den saudischen Energiesektor, die meisten zum saudischen Ölkonzern Aramco, dem größten CO2-Emittenten der Welt. Einige IPCC-Forscher sind direkt beim Ölriesen angestellt, andere haben in Forschungsprojekten zusammengearbeitet oder arbeiten bei Forschungseinrichtungen, die eng mit dem Konzern kooperieren.

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Der Weltklimarat weist den Vorwurf zurück, dass Interessen der Fossil-Industrie Einfluss nehmen: "Weder einzelne Autoren noch Institutionen, Sektoren oder Länder bestimmen die Schlussfolgerungen eines IPCC-Berichts."

IPCC sieht keine Interessenkonflikte

Kooperationen zwischen Unternehmen und Autoren beim IPCC sind nicht verboten. Experten warnen jedoch vor dem Risiko, dass einige dieser Autoren nicht mehr objektiv arbeiten könnten. Laut IPCC-Regelungen müssten Personen mit Interessenkonflikt nach Prüfung ausgeschlossen werden.

Der Weltklimarat selbst sieht in diesen Fällen jedoch kein Problem, wie er auf Anfrage mitteilte: "Die Existenz einer beruflichen Zugehörigkeit begründet für sich genommen noch keinen Interessenkonflikt." Weiter heißt es: "Nach der Prüfung durch das Präsidium der Arbeitsgruppe wurden keine Interessenkonflikte festgestellt. [...] Alle gemeldeten potenziellen Interessenkonflikte konnten gelöst werden und kein Experte musste an den Ausschuss des IPCC verwiesen werden."

Offen bleibt die Frage: Unter welchen Voraussetzungen würde der IPCC einen Interessenkonflikt als solchen anerkennen? Die so geachtete Institution hat sich damit ein erhebliches Glaubwürdigkeitsproblem geschaffen.

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