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Saturday, October 10, 2026

Grippe- und Erkältungssaison 2026/27: Was Deutschland erwartet

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Eine Hand mit einem Taschentuch ist vor einem Tisch mit Tee, Fieberthermometer und Medikamenten zu sehen.

Influenza, Covid und RSV Was Experten für die Saison empfehlen

Stand: 10.10.2026 • 16:08 Uhr

Die Grippewelle könnte dieses Jahr früher kommen als vermutet. Im Abwasser steigt die Menge an SARS-CoV-2. Und viele Risikogruppen haben keinen ausreichenden Schutz. Fachleute erklären, wie man sich jetzt schützen kann.

Von Frank Bäumer, BR

Grippe- und andere Erkältungsviren wechseln mit den Jahreszeiten von der Nord- auf die Südhalbkugel und wieder zurück. So können Wissenschaftler beobachten, wie sich saisonale Atemwegserkrankungen in anderen Teilen der Welt entwickeln, und abschätzen, wie sich die Erkältungssaison in Deutschland im Herbst und Winter entwickeln könnte.

Für die Influenza, also die echte Grippe, gibt es in diesem Jahr bedenkliche Vorzeichen: Nach einer Meldung der Zeitschrift Nature hat die Grippewelle in den USA mehr als einen Monat früher als üblich begonnen. US-Wissenschaftler konnten zudem eine neue Mutation des derzeit häufigsten Grippevirus-Subtyps H1N1 identifizieren. Wie sich die Grippesaison letztendlich entwickelt, ist allerdings noch offen.

"Wir haben keine Glaskugel"

Fachleute geben für Deutschland zumindest teilweise Entwarnung. Führende Experten aus Epidemiologie, Kinder- und Jugendmedizin sowie Virologie fassten bei einem Pressetermin den aktuellen Stand zur kommenden Saison der Grippe und anderer Infektionskrankheiten zusammen.

Sie vermuten, dass die Erkältungssaison ähnlich wie in den vergangenen Jahren verlaufen wird. Was genau von der Südhalbkugel auf uns zukommt, lässt sich dabei zwar abschätzen, aber nicht zuverlässig vorhersagen. "Die Glaskugel haben wir halt noch nicht", betont die Virologin Ulrike Protzer von der Technischen Universität München in einem Briefing des Science Media Centers.

Grippeimpfstoffe wirken weiterhin gut

Grippeimpfstoffe werden jedes Jahr an neue Mutationen angepasst. Die aktuellen Impfstoffe bieten laut Virologin Protzer weiterhin einen guten Schutz vor den unterschiedlichen Virenstämmen, die in Australien und Japan dieses Jahr das Geschehen bestimmt haben, "obwohl die prädominanten Stämme in Australien und in Japan sehr unterschiedlich waren".

Was den Wissenschaftlern allerdings Sorgen bereitet, ist die niedrige Influenza-Impfquote der deutschen Bevölkerung. Besonders Risikogruppen seien unzureichend geschützt. So sind nur etwa 30 bis 40 Prozent der Erwachsenen mit Grunderkrankungen geimpft. Bei Kindern mit Grunderkrankungen stagniert der Anteil bei zehn Prozent.

"Wir nehmen in Kauf, dass 90 Prozent unserer gefährdeten Kinder oder zwei Drittel der erwachsenen Menschen, die ein Risiko für eine schwere Infektion haben, nicht geschützt sind", warnt Reinhard Berner, Kinderarzt und Vorsitzender der Ständigen Impfkommission STIKO.

Welche anderen Atemwegserkrankungen derzeit auftreten

Derzeit sind die meisten Infektionen auf die für diese Jahreszeit typischen Rhino- und Parainfluenzaviren zurückzuführen. Gegen beide gibt es für den Menschen keinen zugelassenen Impfstoff. Wer sich besonders schützen möchte, etwa aufgrund von Vorerkrankungen oder Asthma, kann auf Atemschutzmasken oder Kontaktvermeidung setzen. Für gesunde Erwachsene ist eine Infektion aber in der Regel nicht gefährlich.

Auch SARS-CoV-2, also das für die Covid-Pandemie verantwortliche Coronavirus, zirkuliert weiter. Bei der Analyse des Abwassers etwa in Bayern lässt sich bereits ein deutlicher Anstieg feststellen. Zwar tauchen immer wieder neue Varianten auf. Sie werden allerdings nicht zwingend gefährlicher. Seit der Pandemie sinkt die Covid-Krankheitslast laut den Fachleuten in fast allen Altersgruppen von Jahr zu Jahr. Dennoch sollten sich Risikogruppen weiterhin impfen lassen. Die Impfstoffe gegen SARS-CoV-2 wirken nach Einschätzung der Fachleute nach wie vor gut.

Impfempfehlungen gegen RSV und Covid

Wer älter als 75 Jahre ist, sollte sich gegen SARS-CoV-2 und auch gegen das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) impfen lassen, empfiehlt die STIKO. Auch für Menschen, die in Einrichtungen leben oder Vorerkrankungen haben, lohnt sich nach Einschätzung der Impfexperten eine Immunisierung beziehungsweise eine Auffrischung des Immunschutzes gegen beide Viruserkrankungen. Grundsätzlich lässt eine Immunität gegen Atemwegsviren nach ein bis zwei Jahren deutlich nach.

In jedem Fall sollte man sich rechtzeitig impfen lassen. Das Immunsystem braucht etwa zwei Wochen, um einen vollständigen Schutz aufzubauen.

Ob die Grippesaison in Deutschland tatsächlich früher beginnt und wie stark sie ausfallen wird, lässt sich derzeit nicht zuverlässig vorhersagen. Verläuft die Saison ähnlich wie in den vergangenen Jahren, ist mit Höhepunkten der Influenza- und RSV-Wellen um Weihnachten sowie im Januar und Februar zu rechnen.

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