Letzter M mit Schaltgetriebe? : BMWs M3 Limousine ist immer noch Traum der Sportwagen-Fans

Letzter M mit Schaltgetriebe? BMWs M3 Limousine ist immer noch Traum der Sportwagen-Fans
12.09.2026, 06:06 Uhr
Von Patrick Broich
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Wird mit dem aktuellen BMW M3 das Zeitalter der manuellen Schaltgetriebe ausgeläutet? Sicher weiß man es nicht. Sicher ist aber, dass das gelbe Biest verdammt viel Spaß bereitet. ntv.de war mit dem berühmten Reihensechszylinder unterwegs.
Wenn man das Internet mal auf den Kopf stellt und recherchiert, wie viele Neuwagen heute eigentlich noch manuell geschaltet werden müssen, kommt eine für ältere Autofahrer interessante Zahl heraus: lediglich 15 Prozent. Im Umkehrschluss sind also rund 85 Prozent der neu zugelassenen Fahrzeuge mit nur noch zwei Pedalen ausgestattet.
Die Gründe liegen auf der Hand. Im Bereich der Hybride und Verbrenner hat längst das Doppelkupplungsgetriebe die Oberhand gewonnen. Ganz explizit übrigens auch bei Sportwagen. Auch der Elfer aus Stuttgart überlasst das Schalten in der Hauptsache dem Doppelkuppler - funktioniert einfach viel rasanter. Und an dieser Stelle wird es spannend, vor allem auch beim M3. Es gibt ihn nämlich noch mit Schaltgetriebe, und das ist anno 2026 definitiv eine Besonderheit.
Jetzt können die Techniker noch so oft mit schnelleren Rundenzeiten auf dem Track argumentieren, sobald die Maschine den Übersetzungswechsel übernimmt. Ja, mag alles sein. Aber das Fahrgerät selbst zu bedienen, darin besteht doch für viele Sportwagenenthusiasten genau der Reiz. Und diesen Reiz möchte BMW seinen Markenfans keinesfalls vorenthalten.
Doch wie lange wird das noch so sein? Dass ein Hersteller in diesen wilden automobilen Zeiten seine Karten nicht offen auf den Tisch legt, kann man sich denken. Immerhin geht die Tendenz dahin, dass auf Basis der künftigen Dreier-Verbrenner-Baureihe mit dem internen Kürzel G50 auch wieder ein klassischer M3 ohne massive Elektrifizierung zu erwarten ist. Ob es dann noch eine Variante mit Schaltgetriebe gibt? Oder vielleicht nur als teures Sondermodell in limitierter Stückzahl? Wundertüte.
Basis-M3 ist Enthusiasten-Auto durch und durch
Aktuell ist es jedenfalls so, dass die 480 PS starke Einstiegsversion ihr Moment per klassischem Sechsganggetriebe überträgt. Und ntv.de ist temporär unter die Sportwagen-Schalter-Enthusiasten gegangen, um nachzufühlen, mit welchem Motiv zumindest manche Zeitgenossen so sehr nach dieser Form der Kraftübertragung gieren.
Also einsteigen und erst mal schauen, wie der Schalthebel überhaupt in der Hand liegt. Bei BMW natürlich ergonomisch gut (die können es schon seit Jahrzehnten). Und vor allem witscht der Knüppel in knackiger Manier durch die kurzen Gassen - und das mit immer wieder frappierender Präzision, genau so muss es sein. Genug Trockenübung, jetzt wird der Prachtkerl namens S58 unter der gleich durch eine ganze Serie von Sicken muskulös ausgeformten Motorhaube gestartet.
Ganz alte Schule ist der Dreiliter-Reihensechszylinder natürlich nicht mehr. Die beiden Monoscroll-Turbolader sind für Hardcore-Fanboys schon Frevel, da müsste es natürlich eigentlich ein Sauger sein. Andererseits - spätestens, wenn bissige 550 Newtonmeter auf einem breit angelegten Plateau von 2200 bis 6130 Umdrehungen pro Minute für mächtigen Schub sorgen, wandelt sich die kulturpessimistisch-lange Miene in ein fröhliches Gesicht mit breitem Grinsen. Und der M3 mit dem Grundrüstzeug mag beileibe nicht der schnellste Kandidat auf der Nordschleife sein, aber er kann verdammt viel Laune machen.
Wenn man den Evergreen mit Hinterrad- und ausdrücklich nicht Allradantrieb (die Kulturpessimisten seien an dieser Stelle noch mal gegrüßt) mehr mit dem Gaspedal als mit der Lenkung um die Kehre wirft, weiß man, warum das Autofahren nach alter Art so herrlich ist. Und wenn man dann noch von der Möglichkeit Gebrauch macht, das Stabilitätsprogramm wirklich komplett auszuschalten ohne Rest-Unterstützung, steht dem Drift nichts mehr im Wege. Moment, doch, fahrerisches Können und die brutale Destruktion des Reifenprofils. Also bitte wirklich nur auf abgesperrter Strecke ausprobieren und mit einem weiteren Satz Pneus in der Hinterhand.
Die sportliche Mittelklasse funktioniert auch ohne Trackeinsatz
Aber was bleibt für diejenigen Fans ohne Track-Tick und einfach mit dem Wunsch nach ein bisschen Fahrperformance und Motorsound in der Mittelklasse, garniert mit Heritage? In diesem Fall müssten es ja nicht unbedingt die strengen Sportschalen sein, die auch dem Testwagen gegönnt wurden. Doch selbst die bieten gar keinen schlechten Komfort. Letztes gilt auch für das Fahrwerk, sofern man die Dämpfer im Normalmodus arbeiten lässt. Und wer Angst vor dem Schalten hat - unbegründet. So präsentiert sich der Antriebsstrang harmonisch, und es müssen gar nicht mal sonderlich hohe Bedienkräfte für das Kupplungspedal aufgewendet werden. Außerdem lässt sich die Box sowieso intuitiv schalten, sodass selbst ungeübte Fahrer problemlos mit ihr klarkommen. Und auch beim Einkuppeln hält sich der 1,8 Tonnen schwere G80 mit Ruckelei zurück, das passt.
Was bekommt man also für einen zweifellos nicht ganz trivialen Startpreis von 98.450 Euro? Ein 4,80 Meter langes Lustauto mit hohen Fahrleistungen (4,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h), sehr analoger Ausrichtung samt manuellem Sechsgang-Getriebe und einigermaßen praxistauglichem Kofferraum von knapp 500 Liter Volumen. Aber eines, das im Alltag recht gut funktioniert und seine Passagiere nicht mit einem über Gebühr harten Fahrwerk quält. Auf der Autobahn sind serienmäßig 250 Sachen möglich, gegen rund 2500 Euro Aufpreis macht der M3 auch 290 km/h.
Wie lange so ein puristisches Sportgerät mit vier Türen noch zu haben sein wird ohne noch größere finanzielle Anstrengung, wäre jetzt Spekulation und ist keineswegs gesichert. Also besser noch ein Exemplar sichern.
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