Merz wirbt für neue Wirtschaftsallianz mit Japan
Japan und Deutschland wollen auf den Feldern Handel, Spitzentechnologie und Sicherheit enger zusammenarbeiten. Bundeskanzler Friedrich Merz sagte bei seinem Besuch in Tokio: "Wir erleben, wie die Großmächte eine neue Politik betreiben, wie internationale Regeln erodieren." Daher schlage er vor, "eine globale politische Allianz für regelgebundenen Handel zu begründen".
Beide Länder teilten grundlegende Interessen und Werte. "Wir haben begriffen: Gemeinsam können wir eine Welt gestalten, die nicht nur den Größten und den Stärksten Raum gibt", betonte der CDU-Politiker, ohne sich explizit auf China und die USA zu beziehen. Das angestrebte Bündnis könnte sich auch gegen unerlaubte Zölle stellen; es solle die Welthandelsorganisation WTO nicht ersetzen, aber dringend benötigte Reformen der WTO voranbringen, so Merz.
Station Nummer zwei
Japan ist die zweite Station des Kanzlers nach Singapur, wo er am Dienstag ebenfalls einen Vorstoß für freien Welthandel gemacht und ein Freihandelsabkommen der EU mit der Transpazifischen Partnerschaft - einem Zusammenschluss von zwölf Ländern auf fünf Kontinenten - befürwortet hatte.

Ministerpräsidentin Sanae Takaichi sagte bei einem gemeinsamen Auftritt mit Merz, angesichts der zunehmend angespannten internationalen Lage sei die Zusammenarbeit beider Staaten als "Premiumpartner" wichtiger denn je, um "gemeinsam zum Frieden und zur Stabilität in der internationalen Gemeinschaft beizutragen".
Nachbarn über Kontinente hinweg
Merz, der im Anschluss nach Südkorea weiterreist, würdigte das Gastland als einen der engsten Partner. Trotz der großen Entfernung könne man sagen: "Japan und Deutschland sind Nachbarn." Bei seinem Besuch in Begleitung einer ranghohen Wirtschaftsdelegation wurden rund 30 Kooperationsvereinbarungen auf staatlicher und privater Ebene unterzeichnet.
So wollen beide Länder die Zusammenarbeit zwischen öffentlichem und privatem Sektor in Bereichen wie der Fusions- und Wasserstofftechnologie fördern. Deutschland wie auch Japan gehören zu den führenden Staaten bei der Kernfusionsforschung.

Um robuste Lieferketten zu schaffen, sollen kritische Mineralien künftig von mehr Anbietern bezogen werden als bisher. Vor allem China nimmt hier bislang eine Vormachtstellung ein. Ferner einigten sich beide Regierungschefs auf die Einrichtung eines hochrangigen Dialogs zur Zusammenarbeit bei Künstlicher Intelligenz samt einem KI-Gipfel in Japan.
Sicherheit im Indopazifik
Angesichts eines zunehmend schwierigeren Sicherheitsumfelds wollten Berlin und Tokio ihre "Einsatzbereitschaft und ihre Verteidigungsindustriebasis" stärken, hieß es. Die Sicherheit im euroatlantischen Raum und im Indopazifik seien "untrennbar miteinander verbunden", erklärte Takaichi. Japan begrüße das anhaltende aktive Engagement Deutschlands im indopazifischen Raum. "Wir werden Möglichkeiten und Rahmenbedingungen prüfen, die zur Vertiefung der Zusammenarbeit zwischen den Streitkräften beider Länder beitragen", erklärte die Ministerpräsidentin.
Japan soll Partnerland auf der Hannover-Messe 2028 werden; die jährliche Veranstaltung gilt als eine der wichtigsten Investitionsgütermessen weltweit. Für das kommende Jahr sind Regierungskonsultationen zwischen Japan und Deutschland geplant.
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