Harry Kane: Ballon d’Or für Bayern Münchens Stürmer?
Als Karl-Heinz Rummenigge 1981 den Ballon d'Or gewann, ahnte niemand, dass ein Spieler des FC Bayern mehr als vier Jahrzehnte auf diese Auszeichnung warten würde. Bis heute ist Rummenigge der letzte Münchener Ballon-d'Or-Sieger. Bundesligaweit liegt der letzte Triumph sogar noch länger zurück: Matthias Sammer gewann die Auszeichnung 1996 als Spieler von Borussia Dortmund.
Nun könnte Harry Kane diese Durststrecke beenden. Der Bayern-Stürmer gilt als Favorit für die Verleihung am Montag, die in diesem Jahr ausnahmsweise nicht in Paris, sondern in seiner Heimatstadt London stattfindet.
"Natürlich ist es etwas Besonderes für mich, dass die Verleihung in London stattfindet. Ich komme aus London und habe dort lange gelebt. Vielleicht ist das ein gutes Omen", sagte Kane dem Vereinsmagazin des FC Bayern "Säbener51". "Der Ballon d'Or wäre ein riesiger Erfolg für mich."
Als größter Konkurrent gilt Lamine Yamal vom FC Barcelona. Der spanische Nationalspieler gewann nach seinem EM-Triumph auch die Fußball-Weltmeisterschaft mit Spanien und die Meisterschaft in La Liga.
Harry Kane - Mehr als ein Torjäger
Für Kane sprechen zunächst die Zahlen: 73 Tore für Verein und Nationalmannschaft in der vergangenen Saison sowie 156 Treffer in 158 Pflichtspielen seit seinem Wechsel zum FC Bayern.
Doch Bayern-Trainer Vincent Kompany sieht in Kane weit mehr als nur einen Vollstrecker.
"In England haben viele ihn während seiner Zeit dort vor allem als Torjäger gesehen. Wir haben darüber hinaus noch andere Qualitäten erlebt, etwa seine außergewöhnliche Spielintelligenz. Das können wir hier richtig wertschätzen. In England wurde das vielleicht etwas unterschätzt. Er ist wie ein guter Wein, der mit dem Alter immer besser wird. Genau dieser Aspekt seines Spiels gefällt mir besonders."
Wer Kane regelmäßig verfolgt, kennt diese Qualitäten. Der Engländer lässt sich häufig ins Mittelfeld fallen, gestaltet Angriffe mit und setzt Mitspieler in Szene. Beim 2:2 gegen Arsenal in der Champions League erzielte er nicht nur einen Treffer, sondern bereitete auch das Tor von Alphonso Davies vor.
"Der Pass war einer meiner besten. Ich wusste, dass Phonzy mit seiner Schnelligkeit dort hinkommen würde. Alles, was ich tun kann, um der Mannschaft zu helfen, werde ich tun. Im Moment scheint das eher mit Vorlagen als mit Toren zu gelingen."
Mit 33 Jahren auf dem Höhepunkt
Während viele Angreifer jenseits der 30 nachlassen, gehört Kane weiterhin zu den prägenden Stürmern Europas. Seine Spielweise lebt weniger von Tempo als von Technik, Übersicht und Spielverständnis.
"Er hat immer die richtige Einstellung, geht stets voran und gibt die Richtung vor. Er verlässt seinen Weg nie, hilft der Mannschaft mit seinen Leistungen und gehört zur absoluten Weltklasse", sagte Bayern-Profi Serge Gnabry.
Diese Mentalität begleitet Kane seit seinen Anfängen. Sein erster Trainer Dave Bricknell beschrieb sie so:
"Harrys Mentalität ist seine größte Stärke. Nichts bringt ihn aus der Ruhe. Wenn er eine Chance vergibt, beschäftigt ihn das nicht. Dann nutzt er eben die nächste."

Auch Englands Nationaltrainer Thomas Tuchel hebt diese Eigenschaft hervor:
"Er ist immer der Erste, der alle anderen antreibt. Das entspricht seiner Mentalität. Neben seinen Qualitäten im Abschluss hat er sich zu einem unglaublich fleißigen Stürmer entwickelt. Er bringt einfach alles mit."
Kanes Bedeutung für die Bundesliga
Trotz gelegentlicher Kritik an der Aussagekraft seiner Torquoten sprechen Kanes Leistungen für sich. Schon in England erzielte er 213 Tore in 320 Premier-League-Spielen und zählt damit zu den erfolgreichsten Stürmern der Ligageschichte.
Ein Ballon-d'Or-Gewinn wäre deshalb nicht nur ein Erfolg für Kane und den FC Bayern. Auch die Fußball-Bundesliga könnte von der zusätzlichen internationalen Aufmerksamkeit profitieren. Seit Matthias Sammer vor genau dreißig Jahren die prestigeträchtige Auszeichnung gewann, gelang das keinem Spieler aus Deutschlands höchster Spielklasse mehr.
Dabei verlief Kanes Karriere keineswegs geradlinig. Nach seinem ersten Profivertrag bei Tottenham Hotspur wurde er mehrfach verliehen und schaffte den Durchbruch erst später.

"Man muss Widerstandskraft entwickeln. Wenn man verliehen wird, ist das nicht einfach. Man kann schnell das Gefühl bekommen, vom eigenen Verein aussortiert zu werden, auch wenn das gar nicht der Fall ist", sagte sein früherer Mitspieler Jermain Defoe.
Über Kanes Potenzial habe jedoch nie ein Zweifel bestanden:
"Als er zur ersten Mannschaft von Tottenham stieß, konnte man sein Potenzial sofort erkennen. Er war immer ein hervorragender Vollstrecker und traf den Ball unglaublich sauber. Bei Harry wusste man schon damals, dass er diesen natürlichen Torinstinkt besitzt und sich vor dem Tor immer wohlfühlt."
Während Kane jedoch in England Titel verwehrt geblieben waren, konnte er in Deutschland einige Trophäen gewinnen: zwei Mal Deutscher Meister, zwei Mal Deutscher Supercup-Gewinner und einmal DFB-Pokal-Sieger mit dem FC Bayern. Das große Ziel bleibt der ersehnte Triumph mit der Nationalmannschaft. Ein Ballon d'Or wäre dennoch die Krönung einer Karriere, die vom Leihspieler zu einem der komplettesten Stürmer seiner Generation führte.
Dieser Artikel wurde aus dem englischen Original "Harry Kane set to break Bayern and Bundesliga's Ballon d'Or drought" adaptiert.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.