Kia PV7: Der elektrische Konkurrent für Ford E-Transit und VW e-Crafter
Nach dem Kia PV5 erweitert der koreanische Autohersteller Hyundai das Angebot batterieelektrischer Nutzfahrzeuge seiner Marke Kia um ein größeres Modell: Der PV7 soll als zweites Fahrzeug der sogenannten PBV-Reihe (Platform Beyond Vehicle) eine Alternative zu Elektrotransportern wie VW E-Crafter, Ford E-Transit (Test) oder Renault Trafic E-Tech bieten. Der PV7 wurde auf der IAA Transportation in Hannover erstmals als Kastenwagen und Bus vorgestellt.
Der PV7 baut auf der E-GMP.S-Plattform auf, einer für Nutzfahrzeuge abgewandelten Variante der aus Hyundai Ioniq 5 und Kia EV6 bekannten Architektur. Ihr modularer Aufbau soll die bei Nutzfahrzeugen übliche Aufbau- und Konfigurationsvielfalt auf einer gemeinsamen technischen Basis ermöglichen. Kia spricht von einem „Flexible Body System“ und „Conversion Readiness“, was Aufbauherstellern definierte Schnittstellen für Spezialumbauten bieten soll, etwa als Kühlfahrzeug, mobile Werkstatt oder Rettungswagen.
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Florian Pillau
)Deutlich größer als der PV5
Im Vergleich zum kleineren PV5 wächst der PV7 in allen Dimensionen erheblich. Die Serienversion des PV7 Cargo Long misst 5,35 m in der Länge bei einem Radstand von 3,5 m. Zum Vergleich: Der PV5 Cargo Long kommt auf rund 4,7 m bei 3 m Radstand. Der PV7 ist damit etwa 65 cm länger und bietet einen um rund 50 cm gestreckten Radstand. In der Breite ohne Außenspiegel und Höhe erreicht der Kia PV7 laut Kia jeweils 2 m.
Kia PV7 Transporter und Bus
(Bild: Kia)
Der PV7 Cargo ist in Ausführungen mit zwei oder drei Sitzen erhältlich und bietet als „Cargo Long“ bis zu 6,1 Kubikmeter Laderaum (nach VDA-Norm), während die Variante „Cargo High Roof“ bis zu 8 Kubikmeter bereitstellt, über einer Fläche mit Platz für drei Europaletten. Die maximale Nutzlast beträgt 1165 kg bei der Langversion und 1200 kg bei der Kompaktvariante. Eine Klappe auf dem Niveau des Ladebodens ermöglicht das Verstauen besonders langer Ladung, indem ein Teil des Fußraums mitgenutzt werden kann.
Die Ladefläche liegt auf 55 cm, was bei gleicher Höhe das Volumen vergrößern hilft. Eine möglichst geringe Höhe wirkt sich direkt auf die Reichweite aus und ist daher bei einem Elektroauto ein noch wichtigeres Argument als bei einem Transporter mit Verbrennungs-Antrieb. Wie Kia betont, reduziert eine niedrige Ladekante freilich auch die körperliche Belastung beim Be- und Entladen. Nicht zuletzt dient ein möglichst niedriger Lastschwerpunkt auch der Fahrsicherheit. Bei den Hecktüren bietet Kia die Wahl zwischen einer zweiflügeligen Schwingtür und einer nach oben öffnenden Heckklappe.
Die Kunden können zwischen einer Doppelflügeltür und einer nach oben schwingenden Heckklappe wählen.
(Bild: Kia)
Bis zu 460 km Reichweite und 350 kW Schnellladen
Je nach Markt und Konfiguration bringt der elektrische Antriebsstrang bis zu 200 kW Leistung und ein Drehmoment von 420 Nm an die Vorderräder. Eine Allradvariante ist geplant. Kia setzt im PV7 NCM-Akkus (Nickel-Kobalt-Mangan) mit Energiegehalten von 71,5 und 96,2 kWh ein. Das größere Paket soll nach vorläufiger Angabe eine WLTP-Reichweite von „über 460 km“ ermöglichen. An Schnellladesäulen nimmt der PV7 bis zu 350 kW Gleichstrom auf und lädt von 10 auf 80 Prozent in rund 25 Minuten.
Damit positioniert Kia den PV7 deutlich oberhalb des PV5, der mit LFP- und NCM-Akkus von 43,3 bis 71,2 kWh und maximal 150 kW Ladeleistung eher für kürzere Stadt- und Regionalstrecken geeignet ist. Die hohe Ladeleistung des PV7 wird durch eine 800-Volt-Architektur möglich, wie sie die Hyundai Motor Group bereits seit einigen Jahren in manchen Pkw-Modellen einsetzt.
Der Bus bietet bis zu neun Plätze
(Bild: Kia)
Wie die Pkw-Modelle auf E-GMP-Basis bekommt auch der Kia PV7 Vehicle-to-Load (V2L) mit einer 230-Volt-Versorgung externer Geräte direkt aus dem Fahrzeugakku. Besonders für Handwerker, Rettungsdienste und Logistikflotten ist eine solche Funktion im Arbeitsalltag ein relevanter Vorteil gegenüber konventionellen Transportern.
Neben der Frachtvariante plant Kia den PV7 auch als Personentransporter mit 5, 7 oder 9 Sitzplätzen. Die Siebensitzer-Version verfügt über ein „Long Rail Easy Remove Seat System“, bei dem sich die hinteren Sitze entlang eines Schienensystems verschieben oder komplett entnehmen lassen. Das erlaubt einen schnellen Wechsel zwischen Shuttle-, Kombi- und Frachteinsatz. Interessant ist das etwa für Flughafentransfers, touristische Shuttledienste oder flexible Pooling-Konzepte im ÖPNV.
Das Cockpit des Kia PV7 zeigt, dass die Mittelkonsole der dreisitzigen Kabine keine Rücksicht auf die Knie der Person in der Mitte nimmt.
(Bild: Kia)
Bei den Assistenzsystem erwähnt Kia unter anderem die Sicherheitsausstattungen Frontkollisionswarner und Spurhalteassistent, einen adaptiven Tempomaten mit Navigationsdatennutzung, Autobahnassistent 2.0, Einparkhilfe für Front, Seite und Heck, einen ferngesteuerten Parkassistenten, Rückfahr-, Rundumsicht- sowie Dashboardkamera.
Breit gefächerte Zielgruppen
Das Fahrzeug soll laut Hersteller „die sich wandelnden Bedürfnisse von Geschäftskunden über ein breiteres Spektrum kommerzieller und Lifestyle-Anwendungsfälle“ bedienen. Kia will mit dem PV7 ein breites Spektrum gewerblicher Nutzer ansprechen, hierzulande dürften das vor allem Kurier- und Expressdienste, Handwerksbetriebe, kommunale Flotten und Shuttle-Betreiber sein. Die niedrige Ladekante, die modularen Aufbaumöglichkeiten und die verschiedenen Hecktürvarianten sind auf Branchen wie Installation, Bau-Service und mobile Werkstätten zugeschnitten.
Der Kia PV7 bietet als Bus oder Transporter seitliche Schiebetüren.
(Bild: Kia)
Mit dem „Kia Business Solutions Portal“ stellt Kia gewerblichen Kunden Software für Flottenmanagement, Laden, Wartung und den täglichen Betrieb bereit. Ein standardisiertes Flottenmanagementsystem (FMS) sowie auf die betrieblichen Anforderungen der Kunden zugeschnittene Schnittstellen (APIs) für vernetzte Fahrzeugdaten tragen dazu bei, die Transparenz der Flotte zu erhöhen und den Betrieb effizienter zu gestalten. Darüber hinaus können Uptime-Dienste die Fahrzeugverfügbarkeit durch Echtzeitüberwachung, vorausschauende Diagnose und proaktives Wartungsmanagement unterstützen.
In der Ausführung als Bus sind Drehsessel und ein Glasdach erhältlich.
(Bild: Kia)
Kia demonstriert den Transporter in unterschiedlichen Szenarien von Lieferverkehr über Reise bis Freizeit und signalisiert damit auch Offenheit für Camper-Umbauten und Mobile-Office-Konzepte. Bereits angekündigt hat Kia insgesamt 23 Varianten für ein breiteres Spektrum an Kundenbedürfnissen und Einsatzszenarien. Dazu gehören die üblichen Karosserievarianten „Kompakt“, „Lang“ und „Hochdach“ für die Güterbeförderung sowie die Versionen „Kompakt“ und „Lang“ für die Personenbeförderung und eine Ausführung als Fahrgestell mit Fahrerhaus für Sonderaufbauten. Die Teaserbilder zeigen den PV7 in einer kastenförmigen „One-Box“-Silhouette mit schwarzer Motorhaube, kontrastierenden schwarzen Säulen und Kia-typischer Signatur-Lichtgrafik.
Noch keine Preise
Preise und konkrete Markteinführungstermine für Europa hat Kia noch nicht genannt. Auf der IAA Transportation will der Hersteller neben dem PV7 auch PV5-Derivate zeigen, um die Skalierbarkeit der PBV-Strategie über mehrere Größensegmente hinweg zu demonstrieren. Kia stellt in Hannover in Halle 13 an Stand C71 aus.
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