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Wednesday, September 30, 2026

Finanzaffäre bei Manchester City: Der große Beschiss

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Manchester City hat über Jahre illegal Zahlungen aus den Emiraten erhalten. Ein Bericht dokumentiert eine irrwitzige Wettbewerbsverzerrung.

Rico Setz

Wie ein Phönix aus der Asche – so lässt sich Manchester Citys Aufstieg nach 2008 treffend beschreiben. Da war ein traditionsreicher Fahrstuhlverein in einer Stadt, die vom großen Nachbarn Manchester United tiefrot eingefärbt war. City war da, spielte mit – doch die große Bühne gehörte den anderen. Das sollte sich ändern.

Im September 2008 übernahm die Abu Dhabi United Group den Klub. Hinter ihr steht Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan, Mitglied der Herrscherfamilie von Abu Dhabi sowie Vizepräsident und stellvertretender Premierminister der Vereinigten Arabischen Emirate. Die Ziele waren alles andere als bescheiden: Manchester erobern, England dominieren und schließlich auch die Weltspitze des Fußballs erklimmen.

Heute, acht Meisterschaften, vier FA-Cups und einen Champions-League-Titel später, droht das mit Milliarden errichtete arabische Märchenschloss in sich zusammenzufallen. Und sollten die Mauern tatsächlich brechen, könnte City tief unter den eigenen Trümmern begraben werden. Im äußersten Fall könnte der Absturz sogar bis hinunter in den englischen Amateurfußball führen.

Was war passiert? Am vergangenen Freitag fällte eine unabhängige Untersuchungskommission, die von der Premier League eingesetzt worden war, ein vernichtendes Urteil: schuldig in 114 von 115 Anklagepunkten. Der Hauptvorwurf lautet, Manchester City habe zwischen 2009 und 2018 Einnahmen künstlich aufgebläht und Kosten verschleiert, um die Finanz- und Offenlegungspflichten der Premier League auf dem Papier zu erfüllen.

Verschleierte Zahlungen

Ausgangspunkt waren die sogenannten „Football Leaks“, über die das Nachrichtenmagazin Der Spiegel ab November 2018 berichtet hatte. Das Märchenschloss glänzte prächtig. Doch beim Fundament nahm man es mit den Regeln offenbar nicht so genau. Konkret geht es um eine gewaltige Summe. Laut dem, von der Premier League am Dienstag veröffentlichten, in Teilen geschwärzten Urteil der Kommission sollen sich hinter offiziell ausgewiesenen Sponsoring-Erlösen in Wahrheit verdeckte Zahlungen von insgesamt rund 830,69 Millionen Pfund verborgen haben.

Es ist von Schein- oder Verschleierungsverträge die Rede. So soll der frühere Cheftrainer Roberto Mancini, der die Mannschaft von Dezember 2009 bis Mai 2013 trainiert und 2012 zur ersten Meisterschaft des Klubs nach 44 Jahren geführt hatte, nur einen Teil seines Gehalts von Manchester City bekommen haben. Der andere Teil soll über Abu Dhabi abgewickelt worden sein.

Schon 2020 schloss die Uefa den Klub wegen Verstößen gegen das Financial Fair Play für zwei Jahre vom Wettbewerb aus und belegte ihn mit einer Strafe von 30 Millionen Euro. City legte Einspruch ein. Das internationale Sportschiedsgericht CAS hob die Sperre wieder auf und senkte die Strafe auf 10 Millionen Euro. Er befand die meisten Uefa-Vorwürfe als nicht hinreichend belegt oder wegen der damals geltenden Fünfjahresfrist als verjährt. Die Skyblues kamen mit einem himmelblauen Auge davon.

Eine Verjährungsfrist gibt es in den Statuten der höchsten englischen Spielklasse nicht. Bis Freitag hat der Klub noch Zeit, Einspruch einzulegen. Stefan Borson, Jurist und früherer Finanzberater von Manchester City, geht davon aus, dass „eine Berufung gegen die Tatsachenfeststellungen mit hoher Wahrscheinlichkeit keinen Erfolg haben wird“. Wie hart die Strafe für am Ende ausfällt, ist noch völlig offen.

Für Richard Masters, Geschäftsführer der Premier League, steht zumindest die Tragweite des Falls fest: „Dieses Disziplinarverfahren und diese Entscheidung sind die bedeutendsten in der Geschichte der Premier League.“ Tatsächlich steht einiges auf dem Spiel. Die acht Titel, die City in den neun betroffenen Spielzeiten gewann, könnten aberkannt werden. Hinzu kommen mögliche Punktabzüge, empfindliche Geldstrafen und Schadenersatzforderungen konkurrierender Klubs. Im äußersten Fall droht sogar der Ausschluss aus der Premier League.

Der britische Fußball-Insider Ben Jacobs berichtet, dass sich auch die EFL, Dachorganisation der Zweiten bis Vierten englischen Liga, im Fall eines Ausschlusses wohl wenig aufnahmefreudig zeigen könnte und versucht sei, Manchester City aus ihren Ligen fernzuhalten. Damit stünde theoretisch sogar ein Absturz in den Amateurfußball im Raum.

Bevor man City allerdings schon auf irgendeinem englischen Dorfplatz kicken sieht, bleibt abzuwarten, wie standhaft die Premier League tatsächlich bleibt. Denn sie steckt in einem unangenehmen Dilemma. Mit Manchester City würde sie eines ihrer größten Zugpferde und damit auch viel Geld verlieren. Auf der anderen Seite steht etwas, das sich deutlich schwerer kaufen lässt: ihre Glaubwürdigkeit.

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