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Thursday, October 8, 2026

Südostasien im Smog: Kaum Lehren aus vergangenen Krisen

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Seit Wochen wüten Wald- und Flächenbrände in Teilen der indonesischen Inseln Sumatra, Borneo und Papua. Der dabei entstehende Rauch breitet sich über große Teile des Landes aus und zieht auch in die Nachbarstaaten Malaysia und Singapur. Indonesien erlebt seine schlimmste Waldbrandsaison seit mehr als einem Jahrzehnt.

Die ungewöhnlich lange Trockenzeit in Indonesien im Jahr 2026, kombiniert mit den diesjährigen El-Niño-Phänomen, hat eine Krise verschärft, die inzwischen nahezu jährlich auftritt. Millionen von Menschen sind gefährlichem Rauch ausgesetzt. Er enthält mikroskopisch kleine Partikel, die der Gesundheit schaden.

Mehr als 170.000 Fälle akuter Atemwegsinfektionen registrierte das indonesische Gesundheitsministeriums zwischen August und Mitte September in den von Smog betroffenen Gebieten. Darunter befanden sich über 40.000 Erkrankungsfälle bei Kleinkindern.

Der Rauchsmog hat in Malaysia dazu geführt, dass hunderte von Schulen schließen mussten und 1,4 Millionen indonesische Schülerinnen und Schüler zum Fernunterricht gezwungen wurden.

BdTD Malaysia Kuala Lumpur 2026 | Smog durch Waldbrände in Indonesien
Der Smog aus Indonesien zieht auch über die Hauptstadt des benachbarten Malaysia, Kuala Lumpur. Hunderte von Schulen mussten in Malaysia geschlossen bleibenBild: Arif Kartono/AFP

Wird schwerer Rauchsmog künftig häufiger auftreten?

Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Krise sind bislang noch nicht zur Gänze bekannt. Die extremen Wetterbedingungen dieses Jahres erklären die Situation nur teilweise. In Südostasien wird Feuer seit Langem als kostengünstige Methode zur Rodung von Flächen für die Landwirtschaft eingesetzt. Gleichzeitig hat die Ausweitung von Palmöl- und Zellstoffholzplantagen dazu geführt, dass große Gebiete von Torfmooren entwässert und geschädigt wurden.

Die Parallelen zum Jahr 2015 sind dabei unübersehbar. Die damaligen Brände zerstörten nach Angaben der Weltbank rund 2,6 Millionen Hektar Land, verursachten monatelang dichten Rauchsmog in ganz Südostasien und führten in Indonesien zu wirtschaftlichen Verlusten in Höhe von schätzungsweise 16 Milliarden US-Dollar (14,2 Milliarden Euro).

"Rauchsmog, der früher vor allem ein Problem im maritimen Südostasien war, ist mittlerweile für die meisten Länder der Region zu einer Herausforderung geworden", erklärt die Expertin Paruedee Nguitragool, gegenüber der DW. Laut der außerordentlichen Professorin an der Chiang Mai University in Thailand wächst die Gefahr, dass schwerer Rauchsmog aufgrund sich verschlechternder klimatischer Bedingungen künftig häufiger auftreten wird.

Landwirte und Unternehmen "benötigen alternative Methoden zur Flächenrodung sowie Anreize, diese anzuwenden. Gleichzeitig müssen Maßnahmen zur Wiederherstellung von Land- und Waldflächen umgesetzt werden", fordert Nguitragool. „Verbraucherinnen und Verbraucher müssen sich stärker bewusst machen, ob die von ihnen gekauften Produkte aus nachhaltiger Produktion stammen und ob bei ihrer Herstellung Brandrodungen eingesetzt wurden."

BdTD Indonesien Palangkaraya 2026 | Mann im Spider-Man-Kostüm löscht Flächenbrand auf Borneo
Löschen von Flächenbrand auf BorneoBild: Reina/AFP

In diesem Kontext müssten die Regierungen der Mitgliedstaaten des südostasiatischen Staatenbundes ASEAN (Verband Südostasiatischer Nationen) „offener miteinander umgehen und enger zusammenarbeiten", fordert die Expertin.

Maßnahmenkatalog der indonesischen Regierung

Die Katastrophe von 2015 veranlasste die Regierungen, weitreichende Aktionspläne auf den Weg zu bringen. Indonesien verstärkte die Wiederherstellung von Torfmoorgebieten, die Überwachung von Bränden, die Durchsetzung von Umweltvorschriften sowie die Brandbekämpfung. Gleichzeitig baute die ASEAN die grenzüberschreitende Zusammenarbeit aus, erklärte David Mark Taylor, Professor für tropischen Umweltwandel an der National University of Singapore, gegenüber DW.

Im Jahr 2016 gründete Indonesien eine Agentur für die Wiederherstellung von Torfmooren, mit dem Ziel, Millionen Hektar geschädigter Torfgebiete zu sanieren. Ihr Auftrag wurde später auf die Wiederherstellung von Mangroven ausgeweitet.

Auch geht die Justiz inzwischen häufiger gegen Unternehmen vor, die Umweltschäden verursachen. So verurteilte im vergangenen Jahr ein Berufungsgericht das Palmölunternehmen PT Banyu Kahuripan Indonesia zur Zahlung von rund 14 Millionen Euro Schadensersatz für Umweltschäden infolge von Bränden auf mehr als 3.300 Hektar seiner Konzessionsflächen.

Auf regionaler Ebene verabschiedete die ASEAN eine neue Strategie für das Torfmoor-Management sowie einen zweiten Fahrplan für eine rauchsmogfreie Region (2023–2030).

Probleme bestehen weiter fort

"Das zugrunde liegende Problem besteht jedoch weiter, ebenso dessen Ursachen", kritisiert Taylor. Große Flächen von Torfgebieten seien weiterhin geschädigt, darunter auch gerodete Flächen, die bislang nicht produktiv genutzt werden. Solche schlecht bewirtschafteten oder brachliegenden Torfgebiete könnten während längerer Dürreperioden leicht in Brand geraten, warnt Taylor.

Indonesiens Kampf gegen Brandrodung

Zudem gibt es unterschiedliche Auffassungen darüber, wie erfolgreich die Renaturierungsmaßnahmen Indonesiens tatsächlich waren. So stellte die Agentur für die Wiederherstellung von Torfmooren und Mangroven Ende 2024 ihre Arbeit ein. Ihre Aufgaben wurden wieder auf verschiedene Ministerien und andere staatliche Institutionen verteilt. Auch die ASEAN stößt an ihre Grenzen. Der Staatenbund verfügt nur über wenige Möglichkeiten, Regierungen zur Erfüllung ihrer Verpflichtungen zu zwingen oder Versäumnisse zu sanktionieren.

Letztlich sei die Hauptursache des Problems jedoch die weltweite Nachfrage nach günstigen Plantagenprodukten wie Palmöl, Zellstoff und Papier, für die "wir alle eine Mitverantwortung tragen", so Taylor. "Solange diese Nachfrage besteht, wird auch der Druck anhalten, Torfgebiete und Wälder in Plantagenflächen umzuwandeln."

Kann die ASEAN die nächste Krise abwenden?

Die diesjährigen Brände haben den Fokus von der Ausarbeitung neuer Abkommen hin zu der Frage verlagert, wie die Regierungen Südostasiens bestehende Mechanismen effektiv nutzen können.

"Um eine weitere Verschlimmerung zu verhindern, ist eine echte Bündelung der Kapazitäten innerhalb der ASEAN erforderlich. Trotz all seiner Bemühungen verfügt Indonesien nicht über die Kapazitäten, diese Lage allein zu bewältigen“, erklärte Helena Varkkey, Dozentin an der Universiti Malaya, gegenüber der DW.

Die bestehenden ASEAN-Mechanismen für eine gemeinsame Reaktion auf Notfälle müssten einsatzbereit gemacht werden, fügte sie hinzu. Dies hätte jedoch bereits vor Beginn der Smog-Saison geschehen müssen, da meteorologische Berichte schon früh im Jahr auf einen bevorstehenden "Super-El-Niño" hingewiesen hätten.

"Die Regierungen Südostasiens müssen zusammenarbeiten, um Episoden der Biomasseverbrennung zu verhindern, indem sie strenge Gesetze zur Bekämpfung von Torf- und Waldbränden durchsetzen. Sie müssen gemeinsam alle verfügbaren Technologien nutzen, um sich auf Trockenperioden vorzubereiten“, sagte Mohd Talib Latif, Professor an der Universiti Kebangsaan Malaysia, gegenüber der DW.

"Der Smog muss als Katastrophe für diese Region betrachtet werden", fügte er hinzu.

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