Streit über Nationalisten: Neuer Zoff zwischen der Ukraine und Polen um Untergrundarmee

Im früher zu Polen gehörenden Lemberg, heute Lwiw, soll 2027 das Jahr der ukrainischen Befreiungsarmee begangen werden. Polen reagiert erwartbar empört.
Foto: Marek Antoni Iwanczuk/imago
Der Regionalrat der westukrainischen Metropole Lwiw will 2027 zum Jahr der Ukrainischen Aufstandsarmee UPA erklären. Selbst das ukrainische Außenministerium will das stoppen. Und in Polen zeichnen sich erneut Proteste und bilaterale Verwerfungen ab.
Während die UPA und ihr Kampf gegen die Sowjetunion in der Ukraine vielerorts als Heldentum gefeiert werden, wirft Polen der Untergrundarmee vor, Massaker an bis zu 100.000 Polinnen und Polen sowie Jüdinnen und Juden in Wolhynien und Ostgalizien 1943 verübt zu haben. Bei polnischen Vergeltungsaktionen starben zudem rund 10.000 bis 15.000 Ukrainerinnen und Ukrainer.
Polen stuft die Verbrechen als Völkermord ein und begeht den 11. Juli als Gedenktag („Blutsonntag“), während die UPA in der Ukraine mancherorts als Teil des Kampfes für eine unabhängige Ukraine gesehen wird. Lwiw gehörte unter dem Namen Lemberg bis zum Ersten Weltkrieg zur Doppelmonarchie Österreich-Ungarn und später zu Polen. Durch die Gebietsverschiebung nach dem Zweiten Weltkrieg besetzte die UdSSR den Osten Polens und damit auch Lwów.
„Held der Ukraine“
Ausgerechnet auf diesem Gebiet will der Gebietsrat von Lwiw 2027 als Jahr der UPA feiern. Dafür stimmte eine Mehrheit des Gemeindeparlaments. Anlass ist der 120. Geburtstag des UPA-Kommandeurs Roman Schuchewytsch, der 2007 posthum als „Held der Ukraine“ ausgezeichnet worden war. Er befehligte allerdings neben dem Untergrundkampf gegen die sowjetische Rote Armee auch ethnische Säuberungen gegen die polnische Bevölkerung.
Während das ukrainische Außenministerium noch versuchte, auf das Regionalparlament von Lwiw einzuwirken, kam aus Polen gleich eine heftige Reaktion: „Der Beschluss des Regionalrats von Lemberg, das Jahr 2027 zum Jahr der UPA und von Schuchewitsch zu erklären, ist inakzeptabel. Er trägt nicht zum Aufbau gegenseitigen Vertrauens zwischen den Völkern bei, sondern vertieft im Gegenteil die Spaltung“, schrieb der polnische Verteidigungsminister Władysław Marcin Kosiniak-Kamysz.
Selenskyj gibt Orden zurück
Bereits im Juni war es zu einem heftigen Eklat zwischen der Ukraine und Polen gekommen. Der polnische Präsident Karol Nawrocki entzog seinem ukrainischen Amtskollegen Wolodymyr Selenskyj den höchsten Orden Polens, den „Weißen Adler“. Denn im Mai hatte Selenskyj einer ukrainischen Militäreinheit den Namen „Helden der UPA“ verliehen. Nach Nawrockis harscher Reaktion schickte Selenskyj den Orden demonstrativ per Post zurück. Auch frühere ukrainische Präsidenten und Stabschef Kyrylo Budanow gaben ihre polnischen Orden zurück.
Unterdessen haben 20 mutmaßlich Rechtsradikale in Lwiw den linken Historiker und Kriegsveteranen Wladyslaw Starodubzew am vergangenen Sonntag schwer verprügelt. Er wollte an der Iwano-Franko-Nationaluniversität der Stadt einen Vortrag zum Thema „Das linke Lemberg: Eine kurze Geschichte mit langer Tradition“ halten.
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Die Stimmung gegenüber Ukrainern in Polen ist gekippt. Immer öfter kommt es zu Angriffen. Präsident Karol Nawrocki zündelt mit an vorderster Front.
Von Gabriele Lesser
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