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Sunday, October 18, 2026

Siedlergewalt im Westjordanland: Siedler greifen Journalisten und Diplomaten an

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Eine US-Fotojournalistin und eine europäische Diplomatendelegation werden im Westjordanland von Siedlern attackiert. Israels Regierung wiegelt ab.

Im Oktober steigt die Gewalt religiös-nationalistischer jüdischer Siedler gegen Palästinenser wieder einmal an. Denn es ist die Zeit der Olivenernte im Westjordanland – und die Extremisten versuchen, die Palästinenser eben daran zu hindern. Zwei Angriffe haben in den vergangenen Tagen für viel Medienaufmerksamkeit gesorgt, und scharfe Verurteilungen auf höchster Ebene hervorgerufen.

Am Freitagmorgen wurde die 64-jährige Fotografin der Washington Post, Heidi Levine, zusammen mit zwei weiteren Personen bei einem Angriff von Siedlern im Dorf Abu Falah nördlich von Ramallah verletzt. Levine berichtete, sie sei von „mindestens 25, vielleicht 50 Personen“ angegriffen worden. Diese hätten sie „etwa zehn Minuten lang“ wiederholt getreten; außerdem ihre Tasche zerrissen und ihr Handy sowie ihre Kameraausrüstung an sich genommen.

Ein Augenzeuge berichtete dem israelischen Medium Haaretz, dass die Grenzpolizei und die das israelische Militär erst eintrafen, nachdem die Auseinandersetzung bereits begonnen hatten. Die Sicherheitskräfte hätten außerdem lediglich versucht, die anwesenden Palästinenser und andere Demonstranten zu zerstreuen – während sie tatenlos zusahen, wie die Siedler ihre Angriffe fortsetzten.

Levine trug von der Attacke eine gebrochene Rippe sowie gebrochene Wirbel davon. Einer ihrer Finger wurde außerdem fast von der Hand abgerissen, hinzu kommen Blessuren am ganzen Körper.

Angriff auf Diplomaten-Delegation aus Europa

Trotz Aussagen von Levine und anderer Zeugen, sowie umfangreichem Videomaterial, das den Angriff dokumentiert, reagierte die Regierung von Premier Benjamin Netanjahu mit dieser Erklärung: „Die Umstände der Auseinandersetzung in der Nähe von Abu Falah, bei der die Fotojournalistin der Washington Post, Heidi Levine, angeblich angegriffen wurde“ seien „weiterhin unklar“ und würden untersucht. Diese Untersuchung solle auch klären, „wer die Gewalt ausgelöst“ habe.

Von ihrem Krankenhausbett in Israel aus kritisierte Levine am Samstag laut der Times of Israel die Reaktion der Netanjahu-Regierung als „eine Lüge und die größte Beleidigung“. Levine sagte, ohne die Hilfe der Palästinenser, die gekommen waren, um sie zu retten, wäre sie „wahrscheinlich tot“. Sie erklärte außerdem, dass der Angriff ihre journalistische Arbeit nicht aufhalten werde. Die „jüdischen Terroristen“ ruinierten außerdem das Ansehen „der Menschen in Israel weltweit.“

Am folgenden Tag gab es einen weiteren heftigen Siedlerangriff auf eine europäische Delegation aus französischen, polnischen und belgischen Regierungsvertretern und Diplomaten beim Besuch des christlichen Dorfs Taybeh im Westjordanland. Einer der Siedler zerschlug die Scheibe eines Diplomatenfahrzeugs mit einer Eisenstange. Der französische Bürgermeister Bernard Baudoux sagte, er sei zu Boden gestoßen und von Siedlern geschlagen worden.

Amit Ofarli, der als Protective Presence-Aktivist sich immer wieder im Westjordanland schützend vor Palästinenser stellt, war kurz nach dem Angriff vor Ort. Der taz erzählt er am Telefon: Er sei eigentlich in Taybeh gewesen, um dort Palästinenser bei der Olivenernte zu schützen. Dann seien sie zu dem Ort gerufen worden, an dem die Delegation bereits angegriffen worden war. Sieben maskierte Siedler hätten ihn und seine Mitstreiter bedrängt. Sie seien mit Keulen bewaffnet gewesen, hätten nach den Ausweisen der Aktivisten gefragt. „Sie haben uns mit dem Tod gedroht“, erzählt er. Schließlich habe er die Delegation erreicht – und das Video aufgenommen, das den französischen Bürgermeister am Boden zeigt.

Sieder-Angriffe auf die Olivenernte nehmen jedes Jahr zu

Die Außenministerien Frankreichs, Polens und Belgiens verurteilten die Angriffe. Ebenso das israelische Militär, das allerdings gleich anfügte, der Besuch des Konsulats sei nicht mit dem Militär abgestimmt gewesen. „Eine solche Abstimmung ist wichtig, um Vorfälle dieser Art zu verhindern.“ Es ist allerdings ein anhaltender Vorwurf an das Militär, dass es die Siedlerangriffe nicht verhindert; teilweise Soldaten untätig dabeistehen oder die Siedler sogar zu unterstützen scheinen.

Auf den Vorfall reagierte das Büro des israelischen Ministerpräsidenten erneut mit einer Zurückweisung. Die Zeugenaussagen, das umfangreiche Videomaterial und die Fotos, die den Angriff dokumentieren, seien keine „überprüfbaren Beweise“, und der Vorfall beruhe auf „unbewiesenen Behauptungen“.

Nach Angaben der israelischen Menschenrechtsorganisation Yesh Din gab es vom 27. September bis zum 14. Oktober 2026 486 Vorfälle von Gewalt durch Siedler und Soldaten gegen Palästinenser, von denen die Hälfte im Zusammenhang mit der Olivenernte stand. Laut der Times of Israel werden Palästinenser von Jahr zu Jahr zunehmend sowohl von gewalttätigen Siedlern als auch von der IDF daran gehindert, die Oliven zu ernten, auf die sie – wenn sie sich auf ihrem Land befinden – eigentlich einen Anspruch haben.

Die Welle der Angriffe ist so massiv geworden, dass gemäßigtere Siedler laut Haaretz Briefe in Umlauf gebracht haben, in denen sie sich gegen die Gewalt der extremistischen sogenannten „Hilltop-Jugend“ aussprechen.

Auch Rabbiner aus Siedlungen sprechen sich gegen die Gewalt aus: Der ehemalige Oberrabbiner der Siedlung Kiryat Arba in der Nähe von Hebron erklärte jüngst in einer halachischen Entscheidung, dass es Juden gestattet sei, palästinensische Oliven zu ernten. Schließlich hätten die Palästinenser ja vor Jahrhunderten das Land besetzt. Sechs Rabbiner aus dem Siedlungsbock Gush Etzion unterschrieben daraufhin einen Brief, in dem sie erklärten, solche Handlungen seien Diebstahl und nicht erlaubt. Alle Siedlungen sind nach internationalem Recht illegal.

Aus dem Englischen Lisa Schneider

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