Ritter Sport vor Erfolg gegen Wacker: Darum geht's im Streit
Ritter Sport kann im Rechtsstreit mit einer Mannheimer Firma auf Erfolg hoffen. Es geht um einen quadratisch verpackten Haferriegel, der Markenrechte des Schokoladenherstellers verletzen soll.
15.10.2026 | 0:27 minRitter Sport kann in einem Markenrechtsstreit auf einen Erfolg vor Gericht hoffen: Der Vorsitzende Richter am Oberlandesgericht Stuttgart signalisierte Zustimmung für die Klage des Schokoladenherstellers gegen die Firma Wacker aus Mannheim.
Ritter Sport geht gegen den quadratischen Haferriegel "Monnemer Quadrat Bio" vor, weil das Unternehmen durch das Produkt seine Markenrechte verletzt sieht.
Am Landgericht Stuttgart hatte Ritter Sport Anfang des Jahres noch verloren - und legte Berufung ein. Das Oberlandesgericht sieht dagegen nach eigenen Aussagen Ritter Sport im Recht. Ein Urteil soll am 5. November verkündet werden. Worum es bei dem Streit geht und was die Beteiligten sagen - ein Überblick.
Was sagt das Oberlandesgericht Stuttgart?
Die Verpackungen seien "überdurchschnittlich" ähnlich, es bestehe Verwechslungsgefahr bei den Produkten, die zudem einen sehr ähnlichen Verwendungszweck hätten, sagte der Vorsitzende Richter Christoph Stefani bei der Verhandlung.
Er führte unter anderem an, dass Schokolade und Müsliriegel in Supermärkten, aber besonders auch in kleineren Geschäften, an denselben Orten präsentiert würden. Sie würden auch zu denselben Anlässen verzehrt, "als Zwischenmahlzeit und Energielieferant", direkt aus der Verpackung heraus.
Etwa die aufgedruckten Symbole auf der Verpackung des Haferriegels reichten nicht aus, um genügend Unterschied zur Ritter-Sport-Verpackung zu schaffen. Ritter Sport habe der Nutzung der Marke nicht zugestimmt. "Es ist ein Verstoß gegen das Markengesetz gegeben", sagte Stefani. Es bestehe Anspruch auf Unterlassung und Schadenersatz.
Wie kam es zu der Klage von Ritter Sport?
Im November 2024 brachte die Firma Wacker in Mannheim die Haferriegel "Monnemer Quadrat Bio" auf den Markt. Die Verpackung war Geschäftsführer Matteo Wacker zufolge von der Mannheimer Innenstadt inspiriert, die in Quadraten angeordnet ist.
Quadrate-Stadt: Die 144 Blöcke der Mannheimer Innenstadt.
Quelle: mannheim.deSie erinnerte allerdings auch an die der quadratischen Ritter-Sport-Tafel - obwohl sie kleiner als die klassische 100-Gramm-Version ist und die Seitenlaschen länger. Im Januar 2025 erhielt das Familienunternehmen aus Mannheim erstmals Post vom Schokoladenhersteller, später folgte die Klage.
Neben Schadenersatz verlangt Ritter Sport von Wacker nach Gerichtsangaben unter anderem, dass die bislang verwendete Verpackung nicht weiter genutzt und bereits ausgelieferte Ware zurückgerufen wird.
Die Brauerei Paulaner hatte Berentzen verklagt, weil dessen Design der Spezi-Flasche dem eigenen zu ähnlich sei. Das Münchner Landgericht gibt Paulaner nun Recht.
05.08.2025 | 43:54 minWas stört Ritter Sport?
Der quadratische Riegel verletzt nach Ansicht von Ritter Sport die seit 1996 für den Hersteller markenrechtlich geschützte Verpackung. Die Schwaben argumentierten unter anderem, dass es sich bei Schokolade und Müsliriegeln um ähnliche Waren handle, die von derselben Zielgruppe zum selben Anlass gegessen würden. Daher befürchte Ritter Sport eine Markenkollision, heißt es.
Was ist die Grundlage für die Klage von Ritter Sport?
Für den Schokoladenhersteller aus dem schwäbischen Waldenbuch ist beim Deutschen Patent- und Markenamt eine Art Blanko-Verpackung für Schokolade registriert. Neutral ohne Aufdruck, aber mit den typischen Seitenlaschen und der Längsnaht zum Knicken auf der Rückseite.
Ritter Sport hat auch schon in der Vergangenheit seine Markenrechte vor Gericht verteidigt - zum Beispiel in einem langjährigen Verfahren gegen den Konkurrenten Milka.
Milka-Tafeln enthalten nur noch 90 statt 100 Gramm Schokolade – und das bei höherem Preis und fast identischer Verpackung. Das verstößt gegen das Wettbewerbsrecht, urteilte das Landgericht Bremen.
13.05.2026 | 1:34 minWie argumentiert die Wacker GmbH vor Gericht?
Geschäftsführer Matteo Wacker sagt: "Zum einen sind unsere 'Monnemer Quadrate Bio' überhaupt keine Schokolade." Im Supermarkt würden etwa die Haferriegel nicht bei Schokolade angeboten, sondern unter "Zerealien".
"Zum anderen ist es auch ein ganz anderes Bedürfnis, was der Verbraucher sich damit erfüllt - nämlich das eine ist einfach eine Süßigkeit, eine Schokolade, und das andere ist ein vollwertiger Snack."
Was sagen die Mannheimer zur Einschätzung des Gerichts?
Das Ehepaar Wacker zeigte sich nach der Verhandlung schockiert. "Es war tatsächlich sehr, sehr überraschend", sagte Geschäftsführerin Melanie Wacker zur Position des Gerichts. "Ich glaube, wir müssen uns auch so ein bisschen beherrschen, dass wir nicht anfangen zu weinen."
Melanie Wacker betonte, dass sie beide sich nach wie vor im Recht sähen. Sie müssten sich überlegen, ob sie gegen die Entscheidung letztlich vorgehen wollten oder nicht. "So emotional sagt man jetzt auf jeden Fall: 'Weiter', weil es einen wahnsinnig ärgert und man sich wahnsinnig ungerecht behandelt fühlt", sagte die 37-Jährige. "Aber natürlich müssen wir auch wirtschaftlich denken."
Deutsche Markenschokolade wird immer teurer. Während die Hersteller etwa auf gestiegene Kakaopreise verweisen, zeigen Recherchen andere Gründe.
26.12.2025 | 1:30 minNach Angaben ihrer Anwältin könnte ein Rechtsstreit bis zum Bundesgerichtshof am Ende bis zu 80.000 Euro kosten - sollten sie verlieren.
Wie hat die Wacker GmbH auf die Klage reagiert?
Kunden können den quadratischen Haferriegel mit Kokos- oder Haselnussgeschmack mittlerweile nicht mehr im Internet bestellen. Das Produkt wurde laut Gründer Matteo Wacker vorübergehend aus dem Sortiment genommen und durch einen klassischen länglichen Riegel ersetzt - mit dem Namen "Monnemer Klageriegel".
Hintergrund ist die Sorge Wackers vor Schadenersatzforderungen. Falls der Streit mehrere Jahre dauern sollte, könne jeder verkaufte Riegel den möglichen Schadenersatz erhöhen, sagte er.
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