Verletzter Flydubai-Pilot schildert erstmals Angriff im Cockpit
Verhinderter Absturz Verletzter Pilot schildert Angriff im Cockpit
Stand: 02.10.2026 • 12:00 Uhr
Zwei Tage ist es her, dass ein Pilot auf einem Flug von Dubai nach Tel Aviv von seinem Co-Piloten angegriffen wurde - jetzt hat er sich erstmals selber zu dem Vorfall geäußert. Die Ermittlungen über die Hintergründe laufen.
Nach dem Messerangriff eines Co-Piloten im Cockpit einer Flydubai-Maschine hat der verletzte Kapitän den Vorfall geschildert. Er habe in den Minuten nach der Attacke um sein Leben gekämpft, sagte der indische Flugkapitän Smit Machchhar dem indischen Premierminister Narendra Modi in einem Videotelefonat.
Ihm sei klar gewesen, dass er wieder aufstehen müsse, um das Leben der Menschen an Bord zu retten, sagte Machchhar, der derzeit in einem Krankenhaus in Abu Dhabi behandelt wird. "Ich hatte so viele Wunden. Ich war zu Boden gestürzt", berichtete er aus dem Krankenhaus mit bandagiertem Kopf und Schläuchen in der Nase.
Beim Gedanken an den Angriff kamen dem Kapitän die Tränen. "Ich kämpfte um mein Leben. Irgendwann wurde mir klar: Wenn ich nicht aufstehe ..., dann würden die Passagiere ihr Leben verlieren."
Smit Machchhar im Videotelefonat mit dem indischen Premierminister Narendra Modi
Kapitän als Held gefeiert
Machchhar war am Mittwoch von seinem Co-Piloten mit einem Messer schwer verletzt worden, wie das saudische Innenministerium nach ersten Erkenntnissen mitteilte. Dennoch gelang es ihm, die Cockpittür zu öffnen, sodass Passagiere eindringen und den Angreifer überwältigen konnten. Währenddessen verlor die Boeing 737 rasch an Höhe, wie Zeugen und israelische Behörden erklärten.
Nach Angaben der Plattform Flightradar24 sank das Flugzeug innerhalb von etwa einer Minute von rund 10.000 auf 5.100 Meter. Wie Flydubai mitteilte, übernahm eine auf dem Flug mitreisende andere Crew das Flugzeug und konnte es schließlich im saudi-arabischen Tabuk notlanden.
Politiker würdigten Machchhar dafür, eine mögliche Katastrophe verhindert zu haben. Modi bezeichnete ihn als Helden. Die Maschine mit 174 Menschen an Bord war auf dem Weg von Dubai nach Tel Aviv. Die meisten Passagiere waren Israelis.
Ermittlungen in den VAE laufen
Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) haben angekündigt, den Vorfall aufzuklären. In Israel gehen viele Medien und Politiker davon aus, dass der Co-Pilot versucht habe, das Flugzeug zum Absturz zu bringen - von einem verhinderten Terroranschlag ist die Rede.
Saudi-Arabien teilte mit, der Co-Pilot sei am Donnerstag in Begleitung eines "Sicherheitsteams aus den VAE" in die Emirate überstellt worden. Erste Ermittlungen hätten ergeben, dass der aus dem Oman stammende Co-Pilot den Kapitän des Flugzeugs angegriffen habe. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu warf ihm eine islamistische Gesinnung vor.
Auf eine mögliche Beteiligung Irans angesprochen, erklärte Netanjahu, es sei zu früh für eine Einschätzung. Israel habe vor dem Vorfall keine konkrete Warnung erhalten.
Trump droht Iran
US-Präsident Donald Trump geht bereits davon aus, dass der Angriff unter Beteiligung Irans erfolgte. Danach gefragt, ob Iran damit etwas zu tun habe, sagte Trump: "Ich würde sagen, die Antwort lautet - nach dem, was ich höre - ja. Aber wir arbeiten gerade daran."
Für den Fall einer iranischen Beteiligung drohte Trump der Islamischen Republik mit schwerwiegenden Konsequenzen. "Sie werden sehr hart getroffen werden, keine Sorge", sagte der US-Präsident.
Sender: Israelische Fluggesellschaften erhalten Landeerlaubnis
Viele Passagiere des Flydubai-Fluges sitzen noch in Saudi-Arabien fest. Die israelische Fluggesellschaft El Al verschob die geplanten Rückholflüge mit der Begründung, dass die Vereinigten Arabischen Emirate die Landeerlaubnis für die Airline in Dubai zurückgezogen hätte.
Der israelische Sender N12 berichtete, stundenlange Gespräche zwischen hochrangigen Vertretern aus Israel und den Emiraten hätten zunächst zu keinen endgültigen Vereinbarungen oder Genehmigungen für die Landung israelischer Flugzeuge geführt.
Inzwischen hätten die israelischen Fluggesellschaften aber eine Landeerlaubnis aus den Emiraten erhalten. El Al könne seine Flüge heute dennoch nicht mehr anbieten, hieß es in einem Bericht des Senders weiter. Auch die israelischen Fluggesellschaften Arkia und Israir sollen Passagiere zurückbringen.
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