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Saturday, September 12, 2026

Brics-Gipfel in Delhi: Ein Brics-Gipfel mit Erklärung(en)

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Zum 18. BRICS-Gipfel kommt Chinas Staatschef Xi Jinping erstmals seit 2019 nach Indien. Doch unterschiedliche Interessen zeigen, wie schwer eine gemeinsame Politik für das Bündnis der Schwellenländer ist.

Natalie Mayroth

taz Indiens Hauptstadt hat sich einmal mehr in eine Festung verwandelt. Zum Wochenende haben sich die Staats- und Regierungschefs der BRICS-Staaten angekündigt. „Nicht westlich, aber nicht antiwestlich“, so beschreibt der indische China-Experte Srikanth Kondapalli das Bündnis. Worte, die den Widerspruch zusammenfassen. China und Russland wollen den Einfluss westlich dominierter Institutionen zurückdrängen. Indien beharrt auf strategische Eigenständigkeit und sucht engere Beziehungen zum Westen. Gleichzeitig sind Schwellenländer für Wachstum und Exporte auf die USA und Europa angewiesen.

Wie diese unterschiedlichen Interessen zusammenpassen, wird sich beim 18. Gipfeltreffen am 12. und 13. September zeigen. Indiens hindunationalistischer Premierminister Narendra Modi trifft dabei auf Chinas Staatschef Xi Jinping, der erstmals seit sieben Jahren Indien besucht. Erwartet werden zudem Russlands Präsident Wladimir Putin, Irans Präsident Massud Peseschkian sowie UN-Generalsekretär António Guterres. Unter den wenigen Frauen ist auf der weiteren Gästeliste Ugandas Vize-Präsidentin Jessica Alupo. (Uganda ist BRICS-Partner, kein Mitglied.)

Seit seinen Anfängen vor 20 Jahren hat sich BRICS stark verändert. Aus der informellen Gruppe Brasilien, Russland, Indien und China wurde ein Bündnis mit elf Mitgliedern, der Entwicklungsbank NDB und zehn Partnerstaaten. Die BRICS-Staaten stellen knapp die Hälfte der Weltbevölkerung und laut Angaben der indischen Präsidentschaft rund ein Viertel des Welthandels. Indien und China sehen das Bündnis zudem als Plattform um für sich als auch den Globalen Süden mehr Einfluss zu verschaffen.

In Delhi wird es deshalb um Handel und Investitionen, Technologie, Energie- und Ernährungssicherheit sowie resilientere Lieferketten gehen. Zu den Vorhaben gehören ein Start-up-Netzwerk, ein Innovationsfonds und engere Zusammenarbeit bei Lieferketten. Weniger in US-Dollar zu handeln, steht auch zur Debatte. „Das kurzfristige Ziel ist, die Abwicklung in lokalen Währungen voranzutreiben“, sagt Tianjiao Jiang von der Fudan-Universität der taz. Trotz starken Wachstums mache der Handel innerhalb der BRICS noch immer nur rund fünf Prozent des Welthandels aus, sagt Kim Catechis vom Franklin Templeton Institute. Das zeige „erhebliches ungenutztes Potenzial“.

Für Xi geht es zugleich um das Verhältnis zum Gastgeber. Die vorsichtige Annäherung zwischen Indien und China begann beim BRICS-Gipfel 2024. Damals trafen Xi und Modi erstmals seit fünf Jahren wieder formell aufeinander. Seither wurden Dialogkanäle wiederbelebt, Direktflüge und Touristenvisa wieder aufgenommen und Investitionsbeschränkungen gelockert.

Von einer vollständigen Normalisierung könne noch keine Rede sein, sagt Kondapalli. Nach dem tödlichen Zusammenstoß im Galwan-Tal 2020 hatte Indien chinesische Investitionen stark eingeschränkt. Eine umfassende militärische Deeskalation steht weiter aus. Auch das indische Handelsdefizit gegenüber China und der gegenseitige Marktzugang dürften bei den Gesprächen eine Rolle spielen.

Xis Teilnahme sei zugleich ein Signal, BRICS als internationale Plattform auszubauen, meint Professor Jiang. China übernimmt 2027 den Vorsitz. Trotz Konflikten sei es für China, Indien und Russland „essenziell, sich vor dem größeren geopolitischen Hintergrund zu koordinieren“. Die Zusammenarbeit könne zum Motor für BRICS werden.

Zum Testfall könnte der Iran-Krieg werden. Mit Iran und den Vereinigten Arabischen Emiraten gehören zwei Staaten dem Bündnis an, deren Beziehungen schwer belastet sind. Zugleich treffen steigende Energie-, Lebensmittel- und Düngemittelpreise gerade die Länder des Globalen Südens, erinnert Kondapalli. Eine BRICS-Erklärung allein werde den Krieg kaum beeinflussen, solange die USA und Israel nicht am Tisch säßen. Dennoch wird Indien versuchen, eine Abschlusserklärung zu erreichen.

Indien hat seinen vierten BRICS-Vorsitz unter das Motto „Resilienz, Innovation, Kooperation und Nachhaltigkeit“ gestellt. Der Gipfel dürfte zeigen, ob aus dem gewachsenen politischen Gewicht mehr wirtschaftliche Zusammenarbeit entsteht und wohin sich das Bündnis sehr unterschiedlicher Staaten entwickelt.

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