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Monday, September 14, 2026

"Dann kannst du zumachen": Der WM-Erfolg macht das Dilemma der DBBL sichtbar

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Die Heim-WM hat dem deutschen Frauen-Basketball eine Chance geboten, die weit über das Turnier hinausgeht. Doch während die Nationalmannschaft sportlich längst neue Maßstäbe setzt, ruckelt es in den deutschen Ligen noch gewaltig.  

Zehn Tage Ausnahmezustand sind gestern in Berlin mit dem Finale zwischen Frankreich und den USA zu Ende gegangen. Auch am Finaltag waren noch einmal über 12.000 Fans in der ausverkauften Uber Arena, um höchstes Niveau auf dem Parkett sehen. Insgesamt strömten während des gesamten Turniers 236.015 Fans in die Berliner Hallen, der bisherige Rekord (145.519) wurde pulverisiert.

Die WM hat gezeigt, dass Frauen-Basketball längst auch in Deutschland Hallen füllen kann. Junge Mädchen und Jungs liefen mit den Trikots von Leonie Fiebich, Marie Gülich, Nyara Sabally oder Frieda Bühner durch die Arenen. Auf den Tribünen saßen Bundeskanzler Friedrich Merz, NBA-Legende Dirk Nowitzki sowie Welt- und Europameister Dennis Schröder.  

Dem deutschen Liga-Alltag wird diese Aufmerksamkeit allerdings noch nicht zuteil. Während sich die Nationalmannschaft sportlich in den vergangenen Jahren stetig weiterentwickelt hat, kämpft die deutsche Frauen-Basketball-Bundesliga (DBBL) noch mit "semiprofessionellen Strukturen", wie Olaf Lange, Bundestrainer der deutschen Frauen, sie bezeichnet. Wenn einen Tag nach dem Finale langsam Ruhe in Berlin einkehrt, stellt sich deshalb die Frage: Was bleibt von dieser WM für den deutschen Frauen-Basketball? 

Die Liga schrumpft, statt zu wachsen

Seit 2023 verfolgt die DBBL einen öffentlich kommunizierten Professionalisierungsprozess. Perspektivisch soll die Liga auf 14 Mannschaften wachsen. Die Realität sieht derzeit anders aus: Vor der vergangenen Saison schrumpfte die Liga von zwölf auf zehn Teams. Auch in der kommenden Spielzeit, die am 30. September beginnt, bleibt es bei dieser Zahl.  

Die Folge: Bestimmte Mannschaften treffen in der Liga-Phase viermal aufeinander. Das gibt es zwar auch in den US-Profiligen NBA und WNBA, dort locken aber etliche Superstars selbst beim vierten Duell noch Fans in die Hallen. Dazu kommt, dass Basketball in den USA einen deutlich höheren Stellenwert als in Deutschland genießt. Für Ulrike Wölfel, Geschäftsführerin der halfit Lions, einem der zehn Erstliga-Vereine, verlieren Duelle mit den ewig gleichen Gegnern irgendwann an Reiz. "Diese regionalen Spiele, die jetzt stattfinden, dass man halt viermal gegen den Gleichen spielt, ist dann irgendwann für den Zuschauer auch nicht mehr so attraktiv", sagt sie gegenüber ntv.de. Noch weiter dürfe die Liga aus ihrer Sicht nicht schrumpfen: "Da kannst du ja dann zumachen."  

DBBL-Geschäftsführer Anton Hefele betont auf Anfrage, darin keinen Grund zu sehen, vom eingeschlagenen Weg abzuweichen. Die neuen Standards seien gemeinsam mit allen Erstligisten beschlossen worden und notwendig, um die Liga weiterzuentwickeln. Mehrere Zweitligisten hätten zudem signalisiert, in den kommenden ein bis drei Jahren aufsteigen zu wollen. Die aktuelle Ligagröße sei deshalb Teil eines Übergangsprozesses. 

Etat muss sich mehr als verdoppeln 

Wie groß derzeit der Schritt aus der zweiten in die erste Liga ist, zeigt das Beispiel der VfL VIACTIV-AstroLadies Bochum. Die Mannschaft hatte sich in den vergangenen beiden Jahren trotz sportlicher Qualifikation gegen den Aufstieg entschieden. Dabei verfügt der Verein grundsätzlich über gute Voraussetzungen: genug Trainingsmöglichkeiten, eine Halle mit rund 1500 Plätzen sowie eine volle Nachwuchsabteilung.  

Das größte Hindernis ist das Geld. Der Jahresetat des Frauen-Teams liegt nach Vereinsangaben aktuell bei etwa 150.000 bis 160.000 Euro. Für die erste Liga kalkuliert der Klub mit rund 350.000 Euro. Der Etat müsste sich also mehr als verdoppeln. Gleichzeitig fehlt Planungssicherheit. Viele Sponsorenverträge laufen nur ein Jahr, das endgültige Budget steht teilweise erst kurz vor Saisonbeginn. "Alleine werde ich es nicht schaffen, so viel Kohle ranzuschaffen", sagt die zweite Vorsitzende Laura Barroso Perez, die neben ihrer Tätigkeit im Verein selbst spielt und hauptberuflich einer anderen Tätigkeit nachgeht, gegenüber ntv.de. 

Mit dem Aufstieg käme eine Vielzahl von Anforderungen hinzu: Vorgaben für Hallenboden und LED-Banden sowie hauptamtliche Strukturen und zusätzliche Nachwuchsarbeit. Für Barroso Perez bedeutet das vor allem eins: "Es zeigt einfach, dass die Vereine noch nicht da sind, wo sie sein sollten.“ 

Wechsel ins Ausland unausweichlich

Zu einem Erstliga-Aufstieg gehört aber nicht nur eine professionellere Infrastruktur. Bochum müsste auch seinen Kader vergrößern und deutlich mehr Spielerinnen bezahlen. Aktuell stehen lediglich zwei Profispielerinnen im Team. 

Wie weit der deutsche Frauen-Basketball selbst in der ersten Liga teilweise noch vom vollständigen Profitum entfernt ist, lässt sich am Beispiel von Nationalspielerin Alexandra Wilke nachvollziehen. Sie spielt beim amtierenden Meister Rutronik Stars Keltern und ist laut Bundestrainer Lange eine von wenigen Spielerin im deutschen WM-Kader, die Basketball nicht hauptberuflich ausübt. 

Die meisten deutschen Spitzenspielerinnen zieht es deshalb früher oder später ins Ausland. Für sie ist das sportlich und wirtschaftlich der logische nächste Schritt. Für die DBBL bedeutet es allerdings, dass ihr gerade jene Spielerinnen fehlen, die sportliches Niveau und Identifikation zusammen schaffen können. 

Gleiches Ziel, unterschiedliche Wege 

Bochums Barroso Perez stellt den Weg der Professionalisierung trotzdem nicht infrage. Höhere Standards seien notwendig, wenn die Liga auch international wachsen wolle. Entscheidend sei aber die Reihenfolge. Bei durchschnittlich etwa 200 bis 300 Besuchern in Bochum stellt sie etwa den unmittelbaren Nutzen vorgeschriebener LED-Banden infrage: "Wie viele Leute sehen das dann?" Aus ihrer Sicht müsste es zunächst gelingen, mehr Menschen in die Halle zu bekommen. Auch seien viele Hallen in der zweiten Liga, anders als in Bochum, weit von grundlegenden Standards entfernt. "Du spielst in Schulhallen, da läufst du rückwärts wieder raus. Du kannst ja nicht einfach eine neue Halle bauen", macht sie deutlich.  

Die halfit Lions aus Halle betrachten die Frage aus einer anderen Ausgangslage. Durch die gemeinsamen Strukturen mit dem Männer-Bundesligisten SYNTAINICS MBC gehören sie zu den professionell am besten aufgestellten Vereinen der DBBL. Viele Entwicklungsschritte haben sie aus dem Männer-Basketball bereits vor Jahren selbst erlebt. Die Frauenmannschaft profitiert dabei auch finanziell von den Strukturen des Männer-Teams. 

Ihre Erfahrung: Höhere Standards können zunächst wehtun, sind langfristig aber notwendig. "Wir wollen auch nicht von den Standards weggehen", sagt Lions-Geschäftsführerin Wölfel. Wer zu einem Bundesligaspiel komme, erwarte ein professionelles Umfeld. Dazu gehört aus Sicht der Lions auch das Erlebnis in der Halle. Einlaufshows, technische Ausstattung und Entertainment könnten dazu beitragen, aus 300 Zuschauenden irgendwann 500 zu machen.  

Beim eigentlichen Ziel der Professionalisierung liegen Zweitligist, Erstligist und Liga erstaunlich nah beieinander. Abweichungen gibt es aber bei der Frage, wie Vereine den Weg dorthin schaffen sollen. 

Wie groß darf die Hürde sein? 

Das Problem wird spätestens dann sichtbar, wenn sportlicher Erfolg nicht zum Aufstieg führt. Mehrere Zweitligisten haben neben Bochum in den vergangenen Jahren trotz sportlicher Qualifikation auf den Gang ins Oberhaus verzichtet. Sportliche und wirtschaftliche Voraussetzungen laufen damit teilweise auseinander. 

Die Lions sehen darin ebenfalls ein Problem, nehmen aber auch die Vereine in der zweiten Liga in die Pflicht. "Wenn aber alle in der Liga nur darum spielen, dass sie Meister werden, aber halt nicht mit dem Ziel, dass ich aufsteigen kann, ist es ja auch für die Spielerinnen in der zweiten Liga auch nicht wirklich eine Perspektive”, betont Wölfel. 

Ihre Lösung sind allerdings nicht niedrigere Standards, sondern längere Übergangsfristen. Aufsteiger könnten mehr Zeit bekommen, bestimmte Anforderungen zu erfüllen. Ähnlich argumentiert die DBBL. Geschäftsführer Anton Hefele verweist auf Unterschiede bei Etat, Infrastruktur, Personal und Nachwuchsarbeit, hält diese aber nicht für unüberwindbar. Vereine mit Aufstiegsambitionen könnten sich frühzeitig auf viele Anforderungen vorbereiten. Gleichzeitig setzt die Liga Grenzen. "Es gibt Sachen, die sind für Sponsoren, die sind für Liga Partner nicht diskutabel. Die müssen umgesetzt sein. Und dazu gehört auch ein einheitliches Bild, ein professionelles Bild nach außen.“ 

Hefele bezeichnet es allerdings auch als "Hausaufgabe“ der Liga, zu prüfen, wo sie Aufsteigern stärker entgegenkommen kann. Ein konkretes Übergangsmodell gibt es bislang nicht. 

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Auch die Liga muss mitwachsen 

Höhere Anforderungen an die Vereine sind allerdings nur eine Seite der Professionalisierung. Die Liga selbst muss Voraussetzungen für weiteres Wachstum schaffen. Die halfit Lions wünschen sich von der Liga vor allem noch mehr Sichtbarkeit und Unterstützung bei der Vermarktung.

Gerade Nationalspielerinnen wie Alexandra Wilke, Emma Eichmeyer und Britta Daub, die mit der deutschen Nationalmannschaft bei der WM waren und in der heimischen Liga spielen, müssen stärker zu Gesichtern der Liga aufgebaut werden. Erste Schritte in diese Richtung hat die DBBL bereits gemacht. Die Spiele werden inzwischen beim Streamingdienst Dyn übertragen, der Auftritt in den sozialen Medien wurde professionalisiert und die Liga versucht, nationale Partner zu gewinnen.

Was bleibt von der Heim-WM? 

Weiterer Rückenwind kommt jetzt von der Nationalmannschaft. Mit Platz vier erreichte Deutschland bei der Heim-WM das beste Ergebnis einer deutschen Frauen-Nationalmannschaft bei einer Weltmeisterschaft. Die Vereine und die Liga hoffen nun, einen Teil dieser Euphorie für sich nutzen zu können. 

Für DBBL-Geschäftsführer Hefele geht es in der medialen Verwertung der WM darum "das weiter zu streuen, das weiter aufrechtzuerhalten, diese Welle". Bochums zweite Vorsitzende Barroso Perez will die Aufmerksamkeit etwa in Gesprächen mit neuen Sponsoren nutzen. "Das spielt uns ja in die Karten." Auch die halfit Lions hoffen auf zusätzliche Fans und Partner. Gleichzeitig warnen sie davor, aus einem einzigen Turnier automatisch einen nachhaltigen Boom abzuleiten. Entscheidend sei Kontinuität. Beim Männer-Basketball hätten mehrere erfolgreiche Jahre hintereinander dafür gesorgt, dass aus einzelnen Höhepunkten dauerhafte Aufmerksamkeit entstanden sei. Bei den Frauen könnten die erfolgreichen Teilnahmen bei der EM, Olympia und jetzt bei der Heim-WM eine solche Entwicklung anstoßen. 

Über die grundsätzliche Richtung herrscht dabei Einigkeit. "Wenn wir das nicht gemeinsam hinbekommen, diese Standards zu schaffen, diese Standards zu erhöhen, dann wird auch ein Wachstum dieser Liga nicht möglich sein", sagt Lions-Geschäftsführerin Wölfel. Die Professionalisierung soll weitergehen. Die entscheidende Aufgabe wird nun sein, höhere Standards und sportliches Wachstum zusammenzubringen. Damit Mannschaften, die gut genug für die erste Liga sind, auch eine realistische Chance haben, dort zu spielen. 

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