Prognose angehoben: OECD traut deutscher Wirtschaft mehr Wachstum zu

Prognose angehobenOECD traut deutscher Wirtschaft mehr Wachstum zu
23.09.2026, 13:14 Uhr

Mehr Nachfrage wegen des KI-Booms, erste Fortschritte bei den Strukturreformen - die OECD sieht Deutschlands Wirtschaft auf einem guten Weg und rechnet mit einem Wachstum von 1,1 Prozent. Damit sind die Aussichten der Organisation positiver als noch im Juni.
Die OECD sieht die Aussichten der deutschen Wirtschaft auf Wachstum in diesem Jahr durch den anhaltenden KI-Exportboom positiver als noch zuletzt. Das Bruttoinlandsprodukt werde um 1,1 Prozent wachsen, sagte die in Paris ansässige Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in ihrer neuesten Prognose voraus. Im Juni war lediglich ein Plus von 0,7 Prozent erwartet worden. Für 2027 wurde die Vorhersage bei ebenfalls 1,1 Prozent belassen.
"Im ersten Halbjahr 2026 sind die Exporte überraschend stark gestiegen, was unter anderem an der steigenden Nachfrage nach elektronischen Produkten und Ausrüstungen im Zuge des KI-Booms liegt", sagte OECD-Experte Robert Grundke zu dem optimistischeren Ausblick. Diese Nachfrage nach deutschen Produkten für Investitionen in die Infrastruktur für Künstliche Intelligenz (KI) dürfte hoch bleiben. "Auch die steigenden öffentlichen Investitionen in Verteidigung und Infrastruktur haben zur konjunkturellen Erholung beigetragen", fügte Grundke hinzu.
Die OECD verwies zudem auf Reformen im Bereich der öffentlichen Vergabe und der Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren für Infrastrukturprojekte. Damit stünden die Chancen für einen schnelleren Ausbau der öffentlichen Infrastruktur und eine stärkere Unterstützung des Wachstums gut.
"Auch wenn sich die Konjunkturaussichten verbessert haben, ist es wichtig, die notwendigen Strukturreformen voranzubringen, um das langfristige Wachstumspotenzial der deutschen Volkswirtschaft zu verbessern", mahnte Grundke zugleich. So sollten Wettbewerbsschranken abgebaut und der hohe Verwaltungsaufwand weiter reduziert werden, um den Markteintritt von neuen Unternehmen und Investitionen zu erleichtern. Bestehende Regulierungen und Verwaltungsverfahren müssten überprüft, vereinfacht und harmonisiert werden. Beschränkungen wie die Meisterpflicht in vielen Handwerksberufen sollten abgebaut, die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung beschleunigt werden.
Aufschwung mit Unsicherheiten behaftet
Auch rät die OECD, Anreize im Steuer- und Transfersystem zu verbessern. Dazu gehörten eine Reform des Ehegattensplittings, eine Beschränkung der Minijobs auf Studenten und Schüler sowie die Umsetzung der geplanten Sozialstaatsreform. "Eine Senkung der Steuer- und Abgabenbelastung für Arbeitseinkommen wäre aus Sicht der OECD eine weitere wichtige Maßnahme, um das Arbeitsangebot zu erhöhen und den Fachkräftemangel zu lindern", betonte Grundke. Dies könne über eine Streichung von Steuervergünstigungen und -ausnahmen finanziert werden.
OECD-Expertin Isabell Koske warnt zugleich vor Risiken für den Aufschwung. "Eine längere Dauer oder eine weitere Eskalation des Konflikts im Nahen Osten würde zu höheren Energiepreisen und einem stärkeren Preisauftrieb sowie Vertrauensverlusten führen, was den privaten Konsum und Investitionen belasten würde", betonte sie. "Dies gilt umso mehr, als die Gasspeicherstände in Deutschland und Europa unter dem Durchschnitt der letzten beiden Jahre liegen." Sinkende Gewinnerwartungen in der KI-Branche könnten zu fallenden Aktienkursen, schwächerem Konsumenten- und Investorenvertrauen sowie geringerer Exportnachfrage führen, sagte Koske.
Für die Weltwirtschaft rechnet die OECD für 2026 und 2027 mit einem Wachstum von 2,9 und 3,0 Prozent. Im vergangenen Jahr hatte es noch zu einem Plus von 3,4 Prozent gereicht. Hohe Investitionen in die KI-Infrastruktur - von Rechenzentren bis hin zu Halbleitern - sind demnach in diesem Jahr eine wichtige Konjunkturstütze. Höhere Zinsen und eine schwächere Kaufkraft infolge der durch den Iran-Krieg stark gestiegenen Energiepreise bremsen dagegen.
Für die USA wird ein Wachstum von 2,2 und 2,1 Prozent erwartet, für die Euro-Zone von jeweils 1,0 Prozent. In China dürfte sich das Wachstum auf 4,5 und 4,2 Prozent abschwächen. Die globalen Aussichten könnten insbesondere durch mögliche Turbulenzen auf den Energiemärkten, extreme Wetterereignisse im Zusammenhang mit dem Wetterphänomen El Niño, steigende Renditen von Staatsanleihen und enttäuschende Renditen aus KI-Investitionen getrübt werden, warnte die OECD.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.