Jaguar Type 01 vorgestellt: Der radikale Bruch mit der Historie
Die Marke Jaguar stand in den vergangenen Jahrzehnten immer mal wieder am Abgrund. Von einigen Fans wurde und wird sie hartnäckig vergöttert, die allerdings vor allem die ruhmreiche Vergangenheit preisen – und nicht die Neuerscheinungen der näher zurückliegenden Jahre. Ein kompletter Reset soll es richten: Alle bisherigen Modelle sind eingestellt, der letzte F-Pace lief im Dezember 2025 vom Band. Seitdem baut Jaguar keine Neuwagen mehr. Das soll sich 2027 ändern. Dann geht der Type 01 in Serie, den Jaguar jetzt erstmals ungetarnt zeigt.
Bewusste Provokation
Im Dezember 2024 stellte Jaguar die Studie Type 00 vor und sammelte nicht nur für die Art der Premierenfeier viel Häme ein. Doch die Provokation war bewusst gewählt. Unmissverständlich sollte lautstark der Bruch mit allem sein, was die Marke Jaguar bislang auszeichnete. Die Studie geht in nur sanft veränderter Form jetzt tatsächlich in Serie, und Jaguar hat ein Ziel erreicht: Der Type 01 hat wirklich gar nichts mehr mit der Jaguar-Historie zu tun.
Herausgekommen ist eine 5,24 m lange Limousine, die nur 1,4 m hoch ist. Es gibt eine der längsten Motorhauben, die es aktuell in einem Neuwagen zu kaufen gibt. Dazu schnitzt Jaguar riesige Radhäuser in die Seiten, um 23-Zoll-Felgen samt Reifen mit kaum nennenswerter Flankenhöhe unterzubringen. Wie im Polestar 4 verzichtet der Type 01 auf eine Heckscheibe. Den Ausblick nach hinten soll die Kombination aus Bildschirm und einer Kamera oben auf dem Dach sicherstellen. Die Kamera stört die glatte Linie optisch allerdings empfindlich.
Jaguar Type 01 - außen (5 Bilder)

Jaguar
)Außen groß, innen eher nicht
Aus den gewaltigen Abmessungen sollte nicht auf ein herausragendes Platzangebot geschlossen werden. Der Kofferraum fasst gerade einmal 450 Liter, die sich durch Umlegen der Rücksitze auf bis zu 1000 Liter erweitern lassen. Hohe Schweller erschweren den Einstieg nach hinten. Ganz klar: Diese Fragen hatten im Lastenheft keine Priorität.
24-Zoll-OLED
Der Innenraum fühlt sich an wie ein serienreifes Konzeptfahrzeug, mit einem langen Mittelteil, das den Innenraum in vier Bereiche unterteilt. Ein 24-Zoll-OLED dominiert das Armaturenbrett. Für häufig genutzte Bedienelemente verbaut Jaguar einen 7-Zoll-Touchscreen. Fondpassagiere verfügen über ein eigenes 7-Zoll-Display. Knöpfe gibt es nur wenige, und es wird interessant sein zu sehen, wie intuitiv die Bedienoberfläche im Alltag ist. Zu hoffen bleibt, dass es eine überzeugende Sprachsteuerung gibt.
Jaguar Type 01 - innen (3 Bilder)

Jaguar
)Bis zu 757 kW
Jaguar verbaut drei Elektromotoren, einen vorn, zwei hinten. Der vordere hat 260 kW, die hinteren jeweils 310 kW. Insgesamt kann der Fahrer maximal auf 757 kW und 1365 Nm zurückgreifen. Jaguar nennt nur wenige ausgewählte Fahrdaten. Die Höchstgeschwindigkeit liege bei mehr als 250 km/h, und die Beschleunigung von null auf 100 km/h sei in 3,2 Sekunden erledigt. Aus dem Stand auf 180 km/h verspricht Jaguar eine Zeit von 7,2 Sekunden. Vermutlich sind insgesamt wohl auch die Anspruchsvollsten damit ausreichend versorgt.
Die Traktionsbatterie hat einen Energiegehalt von 118 kWh. Geladen werden kann mit bis zu 350 kW. An einem Ladepunkt, der das zur Verfügung stellen kann, soll in 13 Minuten eine WLTP-Reichweite von 321 km nachgeladen werden können. Für die Aufladung von 10 auf 80 Prozent nennt das Werk eine Zeit von rund 22 Minuten. Im Schnitt wären das netto also rund 225 kW.
Woran es nicht fehlt
Der Type 01 soll ab etwa 165.000 Euro zu haben sein. Jaguar setzt damit auch das Vorhaben um, sich weiter oben positionieren zu wollen als bisher. Ähnlich große E-Limousinen wie BMW i7 oder Mercedes EQS sind in einem Ausmaß weniger teuer, das auch sehr Wohlhabende nachdenklich stimmen dürfte. Mit hohen Stückzahlen rechnen die Verantwortlichen bei Jaguar demnach offenkundig nicht. Ob die kostspielige Exklusivität die Marke langfristig erhält oder hier gerade das Ende eingeläutet wird, wird sich zeigen. Worauf sich vermutlich aber fast alle Beobachter einigen können: An Mut fehlt es denen, die Jaguar einen radikalen Bruch verordnet haben, definitiv nicht.
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