Seahawks-Präsident Arnold: Warum Deutschland für das Franchise so besonders ist
Die Seattle Seahawks zählen zu den beliebtesten NFL-Teams in Deutschland - eine Verbindung, die bis in die Super-Bowl-Jahre 2013 und 2014 zurückreicht. Team-Präsident Chuck Arnold sprach im Interview über die deutsche Fanbase, die Erinnerungen an das München-Spiel 2022 und die Frage, ob die Seahawks künftig wieder in Deutschland antreten könnten.

2022 trafen die Seattle Seahawks in Week 10 als Auswärtsteam in der Münchner Allianz Arena auf die Tampa Bay Buccaneers. IMAGO/Eibner
Für die Seahawks war Deutschland früh ein strategisch wichtiger Markt. "Kanada war aufgrund der geografischen Nähe natürlich unser erster Markt. Deutschland war dann aber unsere zweite Wahl, als es darum ging, internationale NFL-Marketingrechte zu erhalten", erklärte Arnold. Eigene Untersuchungen hätten gezeigt, wie groß die bestehende Fanbase in Deutschland bereits war - ein Umstand, der laut Arnold maßgeblich auf die beiden Super-Bowl-Auftritte der Seahawks 2013 und 2014 zurückgeht, als NFL-Spiele zunehmend im deutschen Fernsehen präsent wurden. "Die Menschen haben sich damals in unsere Marke, unser Team und unsere Art zu spielen verliebt. Das hat sich bis heute fortgesetzt."
Seither investiert das Franchise gezielt in die DACH-Region: Community-Events, Watchpartys in eigenen Seahawks Houses und Flag-Football-Turniere gehören zum festen Programm. Mit Markus Höfer hat das Team zudem einen eigenen Verantwortlichen für die Region installiert. Im Oktober reist eine deutsche Seahawks-Fangruppe mit nach Angaben Arnolds mehr als 100 Mitgliedern zu einem Spiel nach Seattle. Zusätzlich wird die Super-Bowl-Trophäe während des diesjährigen München-Spiels durch Deutschland touren, auch der Championship Ring soll dabei zu sehen sein.
Rückkehr nach Deutschland liegt bei der NFL
Ob die Seahawks selbst wieder in Deutschland spielen werden, hängt jedoch nicht vom Team ab. "Ich wünschte, diese Entscheidung würde bei uns liegen. Leider wird sie aber von der Liga getroffen", so Arnold. Sowohl die Wahl des Heim- als auch des Auswärtsteams liege bei der NFL. Die Seahawks bestritten bislang zwei internationale Partien - in München und London - und waren dabei jeweils Auswärtsteam. Arnold zeigte sich aber überzeugt, dass die intensiven Investitionen des Teams in den deutschen Markt der Liga nicht entgangen seien und langfristig Einfluss auf künftige Entscheidungen haben könnten.
Emotionale Erinnerungen an München 2022
Besonders lebhaft erinnert sich Arnold an das Spiel gegen die Tampa Bay Buccaneers in München 2022. Bereits Tage vor der Partie hätten die Straßen der Stadt ein überraschendes Bild geboten: "Es war beeindruckend zu sehen, wie viele Trikots unterschiedlichster Teams überall in München unterwegs waren und wie viele Menschen nicht nur aus Deutschland, sondern aus der ganzen Welt angereist waren, um die NFL zu feiern." Im eigenen Seahawks House hing demnach eine große Weltkarte, auf der Besucher mit Nadeln markierten, aus welchem Land sie angereist waren - die USA habe dabei nur einen kleinen Teil der Karte ausgemacht.
Trotz der großen Popularität von Tampa-Bay-Star Tom Brady sei die Wahrnehmung im Stadion eindeutig gewesen: "Ich habe deutlich mehr Seahawks-Trikots als Tampa-Bay-Trikots gesehen. Das war natürlich schön." Besonders im Gedächtnis geblieben ist dem Präsident der gemeinsame Gesang zu "Rocky Mountain High" von John Denver, einer Tradition der Seahawks-Fans: "Als der Song gespielt wurde, bekam man Gänsehaut. Alle kannten den Text. Und selbst als die Musik im Stadion ausgeschaltet wurde, damit das Spiel weitergehen konnte, haben alle einfach weitergesungen - sogar während des Spiels." Mittlerweile habe sich dieses Ritual auch auf andere Stadien in den USA übertragen, unter anderem bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Seattle.
Für Arnold steht dabei weniger das sportliche Ergebnis im Vordergrund als die kollektive Begeisterung der Fans vor Ort: "Ich glaube, dort waren auch viele Menschen, denen es vielleicht gar nicht so wichtig war, ob Tampa Bay oder die Seahawks gewinnen. Sie wollten einfach ein großartiges Football-Spiel sehen und Teil dieser Party sein. Und es war wirklich eine Party."
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