Volkswagen verliert Platz in Europas wichtigster Börsenliga
Stand: 18.09.2026 • 13:40 Uhr
Nach Börsenschluss am Freitag gehört die Volkswagen-Aktie nicht mehr zum europäischen Leitindex. Für das operative Geschäft ändert sich dadurch nichts - für die Aktie kann der Schritt kurzfristig dennoch Folgen haben.
Für Volkswagen endet am Freitagabend eine Ära: Nach Börsenschluss wird die Vorzugsaktie des Wolfsburger Autobauers aus dem Index Euro Stoxx 50 gestrichen. Von Montag an gehört VW damit nicht mehr zu den 50 Unternehmen des wichtigsten Blue-Chip-Index der Eurozone.
Die Entscheidung hatte der Indexanbieter Stoxx bereits Anfang September bekanntgegeben. Sie tritt mit dem Handelsbeginn am Montag, 21. September, in Kraft. Gleichzeitig kommen der französische Energiekonzern Engie und der finnische Netzwerkausrüster Nokia in den Index.
Was ist der Euro Stoxx 50?
Der Euro Stoxx 50 bildet die Entwicklung von 50 großen börsennotierten Unternehmen aus der Eurozone ab. Er gehört zur Blue-Chip-Familie von Stoxx und gilt als eines der wichtigsten Börsenbarometer für Aktien aus dem Euroraum.
Die 50 Unternehmen kommen derzeit aus elf Euro-Ländern: Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, den Niederlanden, Belgien, Finnland, Irland, Österreich, Portugal und Luxemburg.
Warum steigt VW ab?
Für die Auswahl, welche Unternehmen es in den Index schaffen, spielt vor allem die Marktkapitalisierung im Streubesitz eine Rolle. Dabei wird berücksichtigt, wie viel die frei handelbaren Aktien eines Unternehmens an der Börse wert sind. Der Kursverlust der VW-Aktie hat Volkswagen im entsprechenden Ranking zurückfallen lassen.
Die Aktie hat seit Jahresbeginn knapp 22 Prozent verloren, auf Sicht von fünf Jahren liegt das Minus bei fast 60 Prozent. Damit ist der Börsenwert im Vergleich zu anderen großen Unternehmen der Eurozone deutlich gesunken.
Neben VW fliegt auch der niederländische Informationsdienstleister Wolters Kluwer aus dem Aktienindex.
Das bedeutet der Abstieg für Volkswagen
Für das Unternehmen selbst ändert sich zunächst wenig. Volkswagen bleibt börsennotiert, die Aktien können weiterhin ganz normal gehandelt werden. Auch die Geschäftstätigkeit des Konzerns hängt nicht davon ab, ob die Aktie im Euro Stoxx 50 enthalten ist.
Allerdings ist die Zugehörigkeit zu einem wichtigen Aktienindex für die Wahrnehmung an den Kapitalmärkten relevant. Weil der Euro Stoxx 50 als eines der führenden Börsenbarometer Europas gilt, kann ein Ausscheiden die Sichtbarkeit bei internationalen Anlegern verringern.
Kurzfristige Beeinflussung der Kurse möglich
Fonds, die den Euro Stoxx 50 möglichst genau nachbilden, müssen ihre VW-Position verkaufen. Im Gegenzug müssen sie die neu aufgenommenen Aktien Engie und Nokia kaufen beziehungsweise ihre Portfolios entsprechend anpassen.
Dadurch können rund um den Zeitpunkt einer Indexänderung zusätzliche Kauf- und Verkaufsaufträge entstehen. Das kann den Kurs kurzfristig beeinflussen. Langfristige Kursfolgen lassen sich daraus allerdings nicht ableiten.
VW möchte zurück in den Index
Bei Volkswagen gibt man sich trotz des Abstiegs zuversichtlich. Die Indexzugehörigkeit ändere nichts an der fundamentalen Stärke des Unternehmens, teilte ein Konzernsprecher mit. Man sei davon überzeugt, dass Volkswagen mit seinem einzigartigen Portfolio aus starken Marken und Geschäftsfeldern, ikonischen Produkten und der Ausschüttungspolitik für Anleger weiterhin ein attraktives Investment sei.
Mit seinem Anfang September beschlossenen Zukunftsplan will VW unter anderem Kosten senken, Strukturen vereinfachen und die Profitabilität verbessern. Bis 2030 soll die operative Umsatzrendite zwischen acht und zehn Prozent liegen.
Eine schnellere Umsetzung der Maßnahmen und eine nachhaltige Verbesserung der finanziellen Entwicklung sollen nach Einschätzung des Konzerns auch die VW-Aktie wieder stärken. Das langfristige Ziel ist damit klar: Volkswagen will wieder zu den Unternehmen gehören, die die Anforderungen für einen Platz im Euro Stoxx 50 erfüllen. "Darauf arbeiten wir hin", teilte der Specher mit.
Deutsche Autobauer im Euro Stoxx 50
Nach dem Abstieg von VW bleiben jedoch noch andere Aktien von deutschen Autobauern erhalten: BMW und Mercedes-Benz. Insgesamt gehören nach der aktuellen Neuzusammensetzung 17 deutsche Unternehmen zum Index.
Neben BMW und Mercedes-Benz sind das Adidas, Allianz, BASF, Bayer, Deutsche Bank, Deutsche Börse, Deutsche Telekom, DHL Group, Infineon Technologies, Münchener Rück, Rheinmetall, SAP, Siemens und Siemens Energy. Die deutschen Unternehmen stellen damit weiterhin einen erheblichen Teil des europäischen Leitindex.
DAX im Minus am großen Verfallstag
Am deutschen Aktienmarkt gab es heute eine kleine Abwärtsbewegung. Der DAX lag am Mittag leicht im Minus. Die Anleger bleiben angesichts der angespannten Lage im Nahen Osten und der Unsicherheit bei der Öl- und Gasversorgung vorsichtig. Außerdem ist heute großer Verfallstag an den Terminbörsen. Deshalb können die Kursschwankungen im Tagesverlauf noch zunehmen.
Marktteilnehmern zufolge richtet sich das Augenmerk der Anleger auch auf die Landtagswahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern an diesem Wochenende.
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