Oktoberfest München: Bedienungen fordern mehr Respekt
"Es war eine friedliche erste Woche", resumiert Wiesnchef Christian Scharpf zur Halbzeit des Oktoberfestes. Münchens dritte Bürgermeisterin Verena Dietl lobte die "harmonische und gute Atmosphäre". Und auch die Münchner Polizei zieht eine positive Halbzeitbilanz.
Doch guckt man genauer hin, ist nicht alles rosig auf den Wiesn. Das erleben unter anderem die Mitarbeitenden im Servicebereich. Sie bewegen sich inmitten der feiernden Massen und erleben Situationen, die oft nicht angezeigt werden und deshalb in keiner Statistik auftauchen, die aber dennoch grenzüberschreitend sind. Der Klassiker: sexistische Sprüche in Richtung der Bedienung. Aber auch rassistische und diskriminierende Äußerungen kommen immer wieder vor. Um dem etwas entgegenzusetzen, haben einige der Servicekräfte eine Initiative ins Leben gerufen, in der sie "ein respektvolles Miteinander auf der Wiesn" fordern.
"Seit Jahren beobachten wir, wie Dinge wieder sagbarer werden und plötzlich weniger Widerspruch bekommen", heißt es in einem auf Instagram und TikTok veröffentlichten Video.
Nach Angaben der Initiatorinnen waren neben den eigenen Erfahrungen auf der Wiesn auch die Wahlerfolge der AfD in Sachsen-Anhalt ein Auslöser für die Gründung der Initiative. Sie sehen darin ein Zeichen dafür, dass rechte Positionen zunehmend gesellschaftliche Akzeptanz erfahren. Darum auch der Titel der Initiative: "Bedienungen gegen Rechts".
Sicherheit auf dem Oktoberfest
Der Sprecher der Wiesn-Wirte betonte auf Anfrage des Bayerischen Rundfunks, dass "die gesamte Wiesn-Familie schon immer jede Art von Diskriminierung, Rassismus und Sexismus auf das Entschiedenste" abgelehnt habe und ablehne. Trotzdem wünschen sich die Mitglieder der Initiative, dass noch mehr getan wird.
An Überwachung scheint es jedenfalls nicht zu mangeln: Das Gelände des Oktoberfestes wird mit 56 polizeilichen Videokameras ausgeleuchtet, rund 600 Polizistinnen und Polizisten und eine vierstellige Zahl von Ordnern sind auf der Wiesn im Einsatz.
Zur Halbzeit registrierte die Polizei rund 470 Straftaten und Ordnungswidrigkeiten, Anzeigen gab es auch wegen Körperverletzung, sexueller Belästigung und Upskirting, also das heimliche Filmen oder Fotografieren unter den Rock.
Die Münchner Wiesn gilt als das größte Volksfest der Welt und zieht jedes Jahr Millionen Besucherinnen und Besucher aus aller Welt an. Zur Halbzeit schätzte die Festleitung die Besucherzahl auf rund 3,8 Millionen. Das Oktoberfest endet am 4. Oktober nach 16 Festtagen.
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