Katzen im Museum: Wer findet Jimmy Kater?

Ägypten und Japan; New Yorker Eckläden und das Internet: Das Bremer Übersee-Museum entdeckt die Katze.
Vier Pfoten hat sie, auf die sie angeblich immer fällt. Ebenso viele Redner:innen hatten dieser Tage im Bremer Übersee-Museum das Bedürfnis, ein Bekenntnis abzuliefern: Haben sie eine Katze zu Hause, gar mehrere davon? Aber was lernte das Publikum bei der Eröffnung einer Ausstellung, die ja nicht zufällig „Kult Katze!“ betitelt ist? Weder die Museumsdirektorin noch die Kulturstaatsrätin, nicht der japanische Generalkonsul und noch nicht mal die Kuratorin haben eine!
Einem Nischenthema ist die Sonderausstellung deshalb natürlich nicht gewidmet. „Kaum ein Tier fasziniert die Menschheit seit Jahrtausenden so sehr“, heißt es dazu aus dem Museum. Und zum Beweis solcher Vollmundigkeiten eignet sich so ein kulturhistorisches Haus natürlich, zumal es erkennbar profitiert von hanseatischer Handels-, mithin Reisefreude, also auch kolonialen Beständen. Wenn nicht gleich aus aller sprichwörtlichen Herren Länder, so doch aus etlichen Ecken der Welt, wie auch rund 40 Jahrhunderten stammt, was nun die Faszination des Menschen mit dem kleinen Räuber illustriert.
Seidenraupen und Bodegas
Natürlich geht da ums alte Ägypten und das heutige Japan. Aber auch um Raubkatzenmasken tragend den Regen herbei kämpfende Frauen in Mexiko, die Rolle des Löwen für die Rastafari-Kultur, die Katze als Beschützerin der wirtschaftlich so wichtigen Seidenraupe in China und Japan – oder die Bodega Cats, die heute in New York City Eckläden bewachen. Ausdrücklich ausgelassen hat Kuratorin Renate Noda den europäischen Kontinent, so fehlt dann etwa auch die Schwarze Katze auf der Märchenhexenschulter.
Beleuchtet wird das Tier sieben Adjektiven folgend: „mächtig“, „dämonisch“, „literarisch“, „räuberisch“, „nützlich“, „schön“ und „populär“. Nicht exakt derselben Gliederung folgt die Präsentation selbst: Da gibt es zwar Bereiche wie „Die mächtige Katze“, aber auch Eigenschaften wie „schützend“ oder „aufmüpfig“ haben ihren Auftritt.
Einen besonderen Akzent legt man auf Online-Phänomene, schließlich ist ja das Internet, sind heute insbesondere die Social-Media-Plattformen eine, wenn nicht die wichtigste Bühne, auf der wir unsere befellte Mitbewohnerin in Szene setzen. Noch vor Betreten der eigentlichen Räume kommt die Besucherin so an einer Katzengalerie der eigenen Art vorbei: Das Museum hatte seine Instagram-Gefolgschaft aufgefordert, Katzenbilder einzuschicken, mehrere Hundert sollen es am ersten Tag geworden sein.
Foto: Jonas Ginter/Übersee-Museum
Hunderte von Lieblingen im Porträt
Davon hängt nun eine Auswahl, jeweils mehrere A4-Ausdrucke auf Klemmbrettern, mitsamt der Namen der Gezeigten, darunter auch Juwelen wie „Jimmy Kater“. Am Eröffnungsabend waren nicht wenige Menschen dabei zu beobachten, wie sie ihren derart ausgestellten Liebling suchten. Ob mit den Porträts dann wiederum neue Selfies entstanden?
Trotz partizipatorischer Social-Media-Kampagne oder auch der nicht unverwandten Gliederung: Mit der – noch bis in den November laufenden – Hamburger „Katzen!“-Ausstellung, ebenfalls mit Ausrufezeichen, hat die in Bremen nichts zu tun, das ist den Verantwortlichen wichtig. Es sei halt ein Zufall, und tatsächlich haben in Bremen die Vorbereitungen begonnen, als in Hamburg noch keine Katzen das dortige Museum für Kunst und Kulturen am Rothenbaum bevölkerten, auch das ein lange der „Völkerkunde“ gewidmetes Haus.
Nicht anfassen!
In Bremen aber sieht sich das Museum über die Kultur hinaus auch als ein naturkundliches. Und das wird nun durchaus stolz zur Schau gestellt: Wer die Sonderausstellung im 1. Stock betritt, trifft zuallererst auf die großen, starken, fernen wilden Verwandten der Hauskatze. Ausgestopft und auch schonmal mit furchteinflößend ausgestellten Zähnen stehen da ausgestopft Ozelot und Schneeleopard, Gepard, Leopard und Tiger. Und irgendwo dazwischen, beinahe schon wieder zu übersehen, die Mutter der gar nicht mal so samtpfötigen Sippe: eine Falbkatze, von der alle anderen abstammen. (Der Vollständigkeit halber: Ein paar der Präparierten wurden dann doch anderswo ausgeliehen.)
Die Ausstellung
„Kult Katze!“: Bremen, Übersee-Museum. Bis 30. 5. 2027. Begleitprogramm auf www.uebersee-museum.de
Bei so einem Thema – und weil es schlicht nachhaltige Museumsarbeit ist – liegt ein Akzent auch auf der Bespaßung des ganz jungen Publikums, der Kinder also. Wenn man schon die echten Wildkatzen nicht streicheln darf, kann immerhin eine Wand voll „Winkekatzen“ in Bewegung gesetzt werden, es lassen sich Memes erstellen oder felines Fachwissen erproben an interaktiven Stationen. Im Begleitprogramm werden etwa ein Tag zur Katze in Japan angekündigt (mit Gebäck und Grünem Tee), ein „Pussy Hat“-Häkelabend und das heute beinahe schon obligatorische, in diesem Fall halt – Katzen-Yoga.
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