ESPN DeportesEl clásico de Manchester quedó definido por el VAR; silbidos para Real Madrid; Chelsea fue superado por HullInquirerDILG chief Remulla visits QC jail ahead of looming Romualdez transferThe Jerusalem PostA good deal in bad neighborhoods: Why the Gulf’s best bet remains in Jerusalem - opinionESPNPower Rankings: Everything we learned from the top 25 in Week 2RTP DesportoEuroVolley 2026. Portugal soma quarta derrota consecutiva frente à UcrâniaBBC NewsI had 11 years of chemotherapy for a cancer I didn't have20 MinutenUrsache unklar: Fischsterben im MühlebachComplete SportsBlackburn Give Injury Update On Super Eagles StarESPN CricinfoFleming to link up with T20I squad in preparation for Test coaching stintBBC عربيجماعة أنصار الله تعلن استهداف قاعدة ثانية في السعودية، ومحمد بن سلمان يلتقي قائد القيادة المركزية الأمريكيةIl Fatto QuotidianoKimi Antonelli ora ha in mano il titolo di Formula 1: quel vantaggio su Russell e il sogno di una passerella trionfaleABC News4 people hospitalized after a crane collapsed at a Miami construction site: Officials
The Daily Newsstand · Free, Always
Monday, September 14, 2026

Vor Wahl in Mecklenburg-Vorpommern: Wo die anderen Urlaub machen

Translate

Wirtschaftlich hängt in Mecklenburg-Vorpommern viel am Tourismus. Am Laufen gehalten wird er von Arbeitskräften aus dem Ausland.

Kurz vor Saisonende Anfang September, doch das Geschäft im Haferland brummt immer noch. Am frühen Nachmittag ist die Terrasse des Ökorestaurants und -hotels gefüllt mit Übernachtungsgästen und einkehrenden Radfahrern. Direkt an der Ostsee gelegen, erfreut sich das kleine Fischerdorf Wieck auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst großer Beliebtheit bei Tourist:innen.

Drishdy Drishdy steht am Eingang der Restaurantküche und hört aufmerksam einer Mitarbeiterin zu, die ihr gerade die Bedienung der Kaffeemaschine erklärt. Es ist ihr erster Ausbildungstag zur Hotelfachfrau. Mit ihrem freundlichen Lächeln, streng zurückgebundenem Haar und einer beigen Haferland-Schürze macht die 22-Jährige schon einen souveränen Eindruck. „Einfach nur Drishdy“, stellt sich die junge Frau vor. In Nordindien, wo sie herkomme, sei es für Frauen üblich, den Nachnamen im Pass bis zur Heirat freizulassen. Deshalb heiße sie Drishdy Drishdy.

Um eine Ausbildung in Deutschland zu machen, hat Drishdy ihr Psychologiestudium abgebrochen. „In Indien gibt es einfach keine Jobs, selbst wenn du einen Abschluss hast“, sagt sie, außerdem liege ihr sowieso die praktische Arbeit eher als das Studieren.

Drishdy ist eine von rund 2.400 jungen Menschen aus sogenannten Drittstaaten, die in Mecklenburg-Vorpommern eine Ausbildung machen. Um dem zunehmenden Fach- und Arbeitskräftemangel entgegenzuwirken, setzen Unternehmen gezielt auf Auszubildende aus Ländern außerhalb der EU: Vietnam, Indien, Indonesien. Besonders aus der Tourismusbranche sind die migrantischen Auszubildenden kaum noch wegzudenken.

Auch im Haferland sind Auszubildende aus Drittstaaten mittlerweile ein fester Bestandteil der Belegschaft. Insgesamt arbeiten 40 Mitarbeitende in dem Hotel, davon fünf Azubis aus Drittstaaten: drei In­de­r:in­nen und zwei Vietnamesen. Erst im Juli hat eine Indonesierin ihre Ausbildung erfolgreich beendet.

Fachkräfte werden gesucht

„Ich würde auf Fischland-Darß-Zingst sonst keine 40 Mitarbeitenden finden, die hier arbeiten wollen“, sagt Malte Evers. Der Geschäftsführer des Haferland sitzt an einem akkurat gedeckten Tisch in der ersten Etage des reetgedeckten Hotels. „Die gibt es hier nicht, die findet auch sonst niemand.“ Das mit den Fachkräften sei auf der Halbinsel, die hauptsächlich aus Stränden, Wäldern und touristisch geprägten Dörfern besteht, nicht so einfach. Es gibt hier kaum ein Restaurant oder Hotel, das keine offenen Stellen hat. Viele Be­trei­be­r:in­nen seien gezwungen, ihre Öffnungszeiten einzuschränken, oder gäben ganz auf, erzählt Evers. Allein in den letzten Jahren hätten in Wieck vier Restaurants dichtgemacht. „Die hatten die Schnauze voll“, sagt Evers.

Evers, 45 Jahre alt, hat das Hotel von seinen Eltern übernommen, die Anfang der 90er aus Heidelberg auf den Darß gezogen waren und das Hotel aufgebaut hatten. Er trägt ein Shirt der Seenotrettungsinitiative Seapunks, auf dem ein Kreuzer abgebildet ist, der ein Hakenkreuz zerschmettert. Im Gespräch mit der taz gibt er sich selbstkritisch. „Das Fachkräfteproblem der Gastronomie ist hausgemacht“, sagt Evers, „in der Branche haben wir die Azubis jahrelang scheiße behandelt.“ Arbeiten, wenn alle anderen freihaben, mickrige Löhne, von denen sich Beschäftigte keine Wohnung auf der Halbinsel leisten können, auf der es mittlerweile Tausende Ferienwohnungen gibt, aber keinen bezahlbaren Wohnraum.

wochentaz

Dieser Text erschien zuerst in der wochentaz, unserer Wochenzeitung von links!

In der wochentaz geht es jede Woche um die Welt, wie sie ist – und wie sie sein könnte. Eine linke Wochenzeitung mit Stimme, Haltung und dem besonderen taz-Blick auf die Welt. Jeden Samstag neu am Kiosk und natürlich im Abo.

Für die Saison habe er gerade noch zwei polnische Köche anwerben können, aber leider nur über eine Zeitarbeitsagentur, berichtet der Hotelier. „Am liebsten würde ich noch drei bis vier Leute mehr einstellen.“ Im Gegensatz zum Mangel an ausgebildetem Fachpersonal würden Hotels von Bewerbungen von Drittstaatler:innen, die eine Ausbildung machen wollen, nahezu überschwemmt. „Ich schaffe es nicht mal, alle Bewerbungen durchzulesen“, sagt Evers.

Mittlerweile sind fast 10 Prozent der Auszubildenden in Mecklenburg-Vorpommern aus Drittstaaten, Tendenz steigend. Die Landesregierung fördert Unternehmen mit bis zu 8.000 Euro pro Azubi. Dazu gibt es Förderungen für vorbereitende Sprachkurse.

Vermittlungsagenturen verlangen viel Geld

Mit den Auszubildenden hatte Evers bislang nur gute Erfahrungen gemacht. „Das sind top motivierte Leute“, sagt der Hotelier. Viele hätten mit der Ausreise nach Deutschland alles auf eine Karte gesetzt. Vermittlungsagenturen würden in den Heimatländern viel Geld verlangen, eine Investition, die sich für die Familie in den Heimatländern auszahlen soll.

Auch Drishdy kam über eine Agentur nach Deutschland. Aber das Haferland war nicht ihre erste Station. Sie zahlte mehrere Tausend Euro, versprochen wurde ihr eine Ausbildung. Doch stattdessen landete sie in einer Au-Pair-Familie in Bayern. „Meine Erfahrung mit der Familie war nicht sehr gut“, erzählt Drishdy, immer noch mit einem Lächeln, „sie zwangen mich, elf Stunden zu arbeiten anstatt sechs, wie im Vertrag vorgesehen war.“ 300 Euro im Monat Taschengeld bekam Drishdy für die Arbeit. Die Familie, sagt sie, habe damit gedroht, sie müsse zurück nach Indien, sollte sie den Au-Pair-Einsatz abbrechen. „Ich war naiv“, sagt Drishdy.

Erst nach sechs Monaten gelang es ihr, in den Bundesfreiwilligendienst in einer Pflegeeinrichtung zu wechseln. Dort gab es zwar auch nur ein Taschengeld, aber sie konnte bleiben, ihr Deutsch verbessern und hatte Zeit, sich für eine Ausbildung zu bewerben. „Ich habe überall angerufen und nachgefragt“, sagt sie, schließlich habe es beim Haferland geklappt.

Drishdys Geschichte zeigt, wie hilflos die Dritt­staat­le­r:in­nen Ausbeutung ausgeliefert sind. Ihr Visum ist an ihre Beschäftigung gebunden. Schaffen sie die Ausbildung nicht, müssen sie wieder in ihre alte Heimat zurück.

Es fehlen Schutzmechanismen

„Wir sehen die Anwerbungen kritisch, weil es kaum Schutzmechanismen gibt“, sagt Sabine Ziesemer vom Flüchtlingsrat Mecklenburg-Vorpommern. Sie berichtet von dem besonders krassen Fall einer Vietnamesin, die gleich von mehreren Restaurants ausgebeutet worden sei. „Nach ihren Schilderungen musste sie zwischen 16 und 18 Stunden arbeiten.“ Ziesemer fordert, effektive Schutzmechanismen einzubauen. „Wenn man Menschen im Ausland anwirbt, sollte das unter fairen Bedingungen erfolgen.“

Unverständlich für Ziesemer ist auch, warum nicht mehr dafür getan wird, Geflüchtete für den Arbeits- und Ausbildungsmarkt zu qualifizieren. Tatsächlich ist die Zahl geflüchteter Auszubildender im Vergleich zu den Dritt­staat­le­r:in­nen gering. „Die meisten Menschen, die flüchten, wollen arbeiten.“ Doch ausländische Abschlüsse werden oft nicht anerkannt, hinzu kommen Hürden am Arbeitsmarkt. Häufig müssen Asylsuchende eine Beschäftigungserlaubnis der Ausländerbehörde beantragen, bevor sie arbeiten dürfen.

Doch Ziesemer warnt davor, Mi­gran­t:in­nen nur nach ihrer Nützlichkeit am Arbeitsmarkt zu beurteilen und nicht ihre Bedürfnisse als Menschen zu sehen. „Es geht um viel mehr als Arbeit, es geht um gesellschaftliche Teilhabe.“

Trotz der wirtschaftlichen Bedeutung migrantischer Arbeitskraft ist auch auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst die AfD mit Abstand die stärkste Kraft. 33 Prozent holte sie bei den Bundestagswahlen 2025. Auf der Halbinsel wirbt die Partei jetzt zur Landtagswahl am 20. September in Mecklenburg-Vorpommern mit „Abschieben“-Plakaten.

Hotelier Malte Evers zweifelt daran, dass die Region in Zukunft weiterhin attraktiv für junge Menschen aus dem Ausland sein werde, sollte der Rassismus der AfD immer offener ausgelebt werden. „Es ist so dämlich. Die gesamte Pflege würde zusammenbrechen. Die Gastronomie ist chancenlos.“ Auch mieden viele Gäste mittlerweile die Urlaubsregion aufgrund der rechten Hegemonie. „Rassismus ist ein Riesenimageschaden für die Region“, sagt Evers.

Nach dem Erfolg der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt bangen viele Menschen um die Zukunft, es droht die erste AfD-Regierung. Das wäre eine (weitere) Zäsur für Deutschland. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

View the original on taz

KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.