Ausleihen statt kaufen, was man nur selten braucht
Unsere Wohnungen sollen schön, praktisch und gemütlich sein. Doch statt ständig mehr zu kaufen, lohnt ein neuer Blick auf Vorhandenes. Oder man leiht, was man selten braucht.
24.09.2026 | 43:32 minEinen Schokobrunnen? Braucht man vielleicht einmal im Jahr. Auch Schleifgerät und Bohrmaschine verbringen den Großteil ihres Lebens ungenutzt im Schrank - trotzdem wollen viele diese Geräte gerne selbst besitzen. Najine Ameli findet, das geht auch anders. Die promovierte Nachhaltigkeitsforscherin hat in Bochum die "bib der dinge" mitgegründet. Ihr Ziel:
Nutzen statt Besitzen so einfach wie möglich zu machen.
Najine Ameli, Mitgründerin "bib der dinge"
Das Prinzip ähnelt einer klassischen Bücherei, nur stehen statt Büchern Alltagsgegenstände zum Ausleihen bereit. In Bochum sind es inzwischen mehr als 3.500: Werkzeuge, Küchengeräte, Musikinstrumente, Spiele oder Freizeitausrüstung.
100 Euro kostet die Mitgliedschaft im Jahr. Besonders gefragt sind Arbeitsgeräte wie Vertikutierer, Schwingschleifer oder Bohrhammer. Sie werden gelegentlich gebraucht, müssen aber nicht unbedingt dauerhaft zu Hause stehen.
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15.01.2026 | 0:45 minEigene Forschung inspirierte Designerin
Neu ist die Idee nicht: Vorläufer sind etwa die US-amerikanischen Tool-Libraries aus den 70er-Jahren. Im Zug der globalen Finanzkrise 2008 bekamen sie neuen Auftrieb. Seit ein paar Jahren wächst auch in Deutschland das Angebot, Dinge gemeinschaftlich zu nutzen und so Neuanschaffungen zu vermeiden.
Dazu hat Najine Ameli, ursprünglich Industriedesignerin, auch wissenschaftlich geforscht und eine Doktorarbeit über Bibliotheken der Dinge geschrieben:
Dann hatte ich meine Doktorarbeit fertig und am Ende stand: Man muss es halt machen.
Najine Ameli, Mitgründerin "bib der dinge"
Da habe sie gedacht, "wenn ich die Autorin ernst nehme, dann muss ich es wohl machen", sagt Ameli. Seit 2021 gibt es die Bochumer "bib der dinge" nun schon - inzwischen auf gut 500 Quadratmetern Fläche und mit dem nach eigenen Angaben deutschlandweit größten Sortiment solcher Angebote.
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04.12.2025 | 1:28 minTeilen war früher selbstverständlicher
Wie selbstverständlich Teilen einmal war, wurde Najine Ameli im Gespräch mit ihrer 101-jährigen Großmutter klar. Als sie von ihrer Forschung erzählte, habe die nur gefragt:
Wer braucht denn so was? Wir teilen doch schon immer.
Großmutter von Najine Ameli
Ein Schlüsselmoment für Ameli. Lebensstile haben sich stark verändert: Menschen ziehen häufiger um, sind mobiler und kennen ihre Nachbarn mitunter kaum noch. Mal eben nebenan nach der Bohrmaschine fragen? Für viele ist das nicht mehr selbstverständlich.
Die "bib der dinge" organisiert diesen Zugriff neu und will gleichzeitig mehr sein als eine Ausleihstation. In offenen Werkstätten und Kursen wird gesägt, gebohrt, genäht oder repariert - und ganz nebenbei Wissen geteilt.
Gemeinsame Arbeit ist wichtiger Bestandteil der "bib der Dinge", das zeigen Najine Ameli (rechts) und Selina Radolla.
Quelle: ZDFSelbstständigkeit in Gemeinschaft lernen
Selbermachen bedeutet für Ameli auch Selbstermächtigung: die Erfahrung, sich mit den eigenen Händen helfen zu können. Dabei sind Fehler ausdrücklich erlaubt. "Wir machen alle ähnliche Fehler, wir lernen gemeinsam", sagt die 46-Jährige. Und sie betont:
Die soziale Komponente dieses Ortes ist immens wichtig.
Najine Ameli, Mitgründerin "bib der dinge"
In einer "Bibliothek der Dinge" kann man Alltagsgegenstände für eine geringe Gebühr ausleihen. Dazu zählen Handwerkszeug, Werkzeuge, kleine Elektrogeräte, Musikinstrumente und anderes mehr. Es gibt sie bundesweit in zahlreichen Städten. Damit soll Nachhaltigkeit und Wiederverwendung gefördert werden. Sie sind teilweise traditionellen Bibliotheken angegliedert und ergänzen deren Bücher-Angebot. Es gibt aber auch eigenständige Einrichtungen, wie etwa die "bib" in Bochum.
Getragen wird die "bib der dinge" vor allem von Ehrenamtlichen, um die 25 sind es insgesamt. Nur Najine Ameli hat bisher eine Teilzeit-Stelle.
Das gemeinnützige Projekt soll möglichst vielen Menschen offenstehen und bezahlbar bleiben, muss sich aber gleichzeitig auch finanzieren: das leisten Spenden, Mitglieds- und Kursbeiträge und punktuell auch Fördergelder.
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06.01.2025 | 2:30 minTeilen ermöglicht nachhaltigen Konsum
Teilen ist für Najine Ameli nicht die alleinige Lösung für nachhaltigen Konsum, aber ein "notwendiger und zwingend erforderlicher Baustein" für eine nachhaltigere Gesellschaft. Neuanschaffungen lassen sich vermeiden, vorhandene Dinge intensiver nutzen - und nebenbei entsteht Gemeinschaft.
Ameli nennt die "bib der dinge" deshalb gerne ihr "Paradies". Vielleicht liegt genau darin der Reiz der alten Idee in neuer Form: Nicht jeder muss alles besitzen, damit alle etwas davon haben.
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03.05.2026 | 43:32 minKioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.