UEFA sucht Herausforderer für FIFA-Präsident Gianni Infantino - die Frist läuft im November ab
"Es braucht einen Kandidaten, der den Fußball auch außerhalb von Europa wieder vereint und alle Konföderationen zusammenbringt", sagte UEFA-Vizepräsidentin Laura McAllister am Donnerstag nach einem Treffen des europäischen Fußballverbands in Berlin. "Es braucht jemanden, der integer ist, der die Governance stärkt. Das könnte jeder sein, aus jedem Teil der Welt."
Europas Fußballverbände hatten sich in Deutschlands Hauptstadt getroffen und dort unter anderem einen Fahrplan für die angestrebte Ablösung von Gianni Infantino beschlossen. Der ohnehin umstrittene FIFA-Präsident war während und nach der Fußball-Weltmeisterschaft endgültig in Ungnade gefallen, weil er zunächst - offenbar auf Einwirken von US-Präsident Donald Trump - dafür sorgte, dass die Rotsperre für den US-Nationalspieler Folarin Balogun aufgehoben wurde.
Kurz nach der WM offenbarte Infantino dann seinen Plan, FIFA-Rechte an eine Investorengruppe um den Bruder von Trump-Schwiegersohn Jared Kushner zu veräußern. Verbände, die dem zustimmten, sollten mit einer höheren Fördersumme ausgestattet werden als jene, die den Plan ablehnten. Nach viel Kritik und auch aufgrund einer Boykottdrohung der UEFA für alle FIFA-Wettbewerbe, ruderte Infantino zurück und gab sein Vorhaben auf.
UEFA sucht geeigneten Gegenkandiaten
Infantino soll weg, darüber ist sich die UEFA im Grunde einig. Beim Treffen in Berlin hatten die europäischen Verbände mit Ausnahme von Aserbaidschan einstimmig einen Plan für Reformen beim Weltverband beschlossen.
Es sollen "klare institutionelle Veränderungen vorgenommen werden, die der FIFA zu einer wirklich demokratischen Struktur verhelfen", sagte DFB-Präsident Bernd Neuendorf. Es müsse eine klare Gewaltenteilung geben, die FIFA dürfe sich nicht in unabhängige Gremien einschalten.
Bei der nächsten Wahl zum FIFA-Präsidenten, die am 18. März 2027 stattfinden soll, möchten die Europäer einen Gegenkandidaten ins Rennen schicken, um die Herrschaft Infantinos nach dann elf Jahren zu beenden. Allerdings fehlt noch ein Name, während die Anforderungen klar umrissen sind.

"Das Profil der richtigen Führungspersönlichkeit ist aus meiner Sicht eigentlich recht unkompliziert", sagte McAllister vor dem Mikrofon der Deutschen Welle. "Es muss jemand mit Integrität sein, der eine Vision dafür hat, die Führung und die Kontrollstrukturen der FIFA weiter zu stärken und zu vertiefen, so wie wir es heute vorgeschlagen haben."
Aleksander Ceferin, der Präsident der UEFA, hatte es abgelehnt, selbst gegen Infantino anzutreten. Auch der Kanadier Victor Montagliani, Präsident des Verbands von Nord- und Mittelamerika sowie der Karibik, soll nach Medieninformationen von einer Kandidatur als FIFA-Präsident absehen. Beide möchten dagegen zur Wiederwahl als Präsident ihres Kontinentalverbands antreten.
Frist bis Mitte November
Dennoch soll bis zum 18. November ein Kandidat oder eine Kandidatin gefunden werden, denn dann endet die Bewerbungsfrist der FIFA. Anfang November kommt das UEFA-Exekutivkomitee zusammen, anschließend soll es eine erneute Absprache aller 55 Mitgliedsverbände geben.
Zuvor kommt es bereits nächste Woche zu einer direkten Begegnung der UEFA-Spitzenfunktionäre mit Infantino. Am 15. Oktober werden unter anderem Ceferin und Neuendorf zum Treffen des FIFA-Councils am Sitz des Weltverbands in Zürich reisen.
Dort wollen die europäischen Vertreter ihre Vorstellungen verdeutlichen. Außerdem steht die Zukunft des FIFA-Friedenspreises auf der Agenda, den Infantino an US-Präsident Trump verliehen hatte, was ebenfalls für massive Kritik gesorgt hatte.
Infantino sammelt derweil weltweit Unterstützung. Auf Instagram postet er immer wieder Bilder seiner globalen Werbetour, auf der er Funktionäre aus aller Welt trifft.
Parallel zur UEFA-Tagung in Berlin sicherte sich Infantino bei einem Treffen auf Kap Verde bereits die einstimmige Rückendeckung der afrikanischen Verbände. Auch die Verbände Südamerikas und weite Teile Ozeaniens stehen nach wie vor an seiner Seite. Asien ist dagegen gespalten.
Bei der Wahl im März hat jeder der insgesamt 211 FIFA-Mitgliedsverbände genau eine Stimme. Die UEFA bildet mit 55 Stimmen dabei den größten Block, dicht gefolgt von Afrikas Kontinentalverband CAF mit 54 Stimmen.
Von Asiens AFC kommen 46 Stimmen, die CONCACAF für Nord- und Mittelamerika sowie die Karibik hat 35 Stimmen. Hinzu kommt die OFC aus Ozeanien mit elf und die südamerikanische CONMEBOL mit zehn Stimmen.
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