Comedy-Serie „Brothers“ bei Apple TV: Sich halb feiern und sich halb aufs Korn nehmen

Matthew McConaughey und Woody Harrelson gehen in „Brothers“ dem Gerücht nach, dass sie in echt Brüder sind. Das Ergebnis: Comedy mit wohldosierten Dude-Vibes.
Foto: Apple TV/dpa
Basierend auf einem wahren Gerücht. Diese Worte sind den acht Episoden der Comedy-Serie „Brothers“ (zu sehen bei Apple TV) vorangestellt, doch so ganz trifft das die Sache nicht. Denn auch wenn die Realität hier Pate stand, ist es weniger ein fieses Gerücht als eine drollige Anekdote, der diese Geschichte ihren Plot verdankt.
Matthew McConaughey und Woody Harrelson – nicht nur kollegial verbandelte Schauspieler, sondern auch seit Langem gut befreundet – erfuhren eines Tages, dass McConaugheys Mutter einst eine kurze Bekanntschaft mit Harrelsons Vater hatte. Eine so intime Bekanntschaft, dass es zumindest theoretisch möglich wäre, die beiden Hollywood-Stars seien mehr als bloß (Halb-)Brüder im Geiste. In den Familien der beiden ist dieses Gedankenspiel seither ein Running Gag, gern auch mal preisgegeben in Interviews. Doch „Brothers“ exerziert es nun durch.
McConaughey und Harrelson, die sich die Serie gemeinsam mit Lee Eisenberg (der schon an „The Office“ oder „Jury Duty“ beteiligt war) ausgedacht haben, spielen also fiktionalisierte Versionen ihrer selbst, um sie herum wird mit der Wirklichkeit eher frei umgegangen. Als die Hochzeit einer seiner Töchter platzt, packt Woody die beiden samt Ehefrau Joy (Brittany Ishibashi) in den Wohnwagen und bricht nach Texas auf. Ein Besuch bei seinem Kumpel Matthew, dessen Frau Valentina (Natalie Martinez) und deren Kindern soll für Abwechslung sorgen.
„Brothers“
acht Folgen bei Apple TV, dann jeden Mittwoch bis zum 4.11. eine neue Folge
Was als spontaner Tapetenwechsel beginnt, stellt die enge Freundschaft der beiden Schauspieler bald auf die Probe. Nicht nur, weil sie jenseits einer Vorliebe für Marihuana sowie einer grundlegenden Lässigkeit doch recht unterschiedliche Persönlichkeiten sind. Sondern auch, weil Matthews Mutter Ma Mac (Holland Taylor) Woody aus einer alkoholseligen Laune heraus berichtet, mal mit seinem Vater im Bett gewesen zu sein.
Der Gedanke, dass sein bester Freund auch sein Halbbruder sein könnte, lässt Woody nicht mehr los, doch Ma Mac will mit aller Macht verhindern, dass er in dieser Hinsicht weiter nachforscht oder gar ihrem Sohn etwas davon berichtet. Zumal dessen Pläne, für das Amt des Gouverneurs zu kandidieren, von solchen Neuigkeiten erheblich gestört werden könnten.
Macho und Hippie
Die Spielfreude und das Augenzwinkern, mit denen sich McConaughey und Harrelson in „Brothers“ halb feiern, halb aufs Korn nehmen, machen ohne Frage Spaß. Ersterer präsentiert sich als gläubiges Familienoberhaupt mit Macho-Anflügen, der auf seine New York Times-Bestseller fast noch stolzer ist als auf seinen Oscar und es ernst meint mit seinen politischen Ambitionen (mit denen der echte McConaughey bislang bestenfalls kokettiert).
Sein Counterpart ist der vegane, umweltbewusste Teilzeit-Hippie, der gern mal das Chaos anzuziehen scheint. Je deutlicher die Anspielungen auf die Realität dabei werden – etwa mit Blick auf die gemeinsame Arbeit „True Detective“ – desto amüsanter wird es.
Als wirkliche Auseinandersetzung mit dem Thema Ruhm oder Meta-Kommentar auf das Hollywood-Business ist die Serie mangels Schärfe nur bedingt geeignet, und die Versuche, die Prämisse mittels Handlung zu mehr als einer bloßen Sketch-Idee auszubauen, fruchten mal mehr und mal weniger gut.
Doch als Familien- und Freundschaftsgeschichte funktioniert „Brothers“ durchaus. Und immer, wenn die kerligen Dude-Vibes der Protagonisten allzu erdrückend zu werden drohen, freut man sich darüber, dass auch ihren (stark von den realen Figuren abweichenden) Familienmitgliedern Raum eingeräumt wird und Lisa Gilory als Wahlkampfleiterin sowie vor allem Holland Taylor als Ma Mac zu ganz großer komödiantischer Form auflaufen.
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