Musikindustrie geht gemeinsam gegen Streaming-Betrug vor
Der internationale Dachverband der Musikindustrie IFPI hat gemeinsam mit seinem deutschen Ableger, dem Bundesverband Musikindustrie (BVMI), sowie zahlreichen Branchenakteuren eine globale Offensive gegen den systematischen Betrug bei digitalen Musikdiensten gestartet. Mit der neu ins Leben gerufenen Integritätsinitiative für Streaming (SII) reagiert die Musikwirtschaft auf ein Phänomen, das die Einnahmen von Künstlern untergräbt und das Fundament des Streaming-Ökosystems bedroht.
Unter Streaming-Betrug fällt die gezielte Manipulation digitaler Musikplattformen, um durch gefälschte oder automatisierte Wiedergaben Einnahmen aus den Lizenzzahlungstöpfen abzuzweigen. Kriminelle Akteure nutzen dafür automatisierte Verfahren und Bot-Netzwerke, mit denen Musikstücke künstlich abgespielt werden. Auf diese Weise fließen erhebliche finanzielle Mittel an Betrüger ab, anstatt den tatsächlichen Urhebern, ausübenden Künstlern, Songwritern, Musikverlagen und Plattenlabels zugutezukommen. Neben dem finanziellen Schaden verfälscht dieser Betrug auch Reichweitenmessungen, Charts und Empfehlungsalgorithmen.
Die neue Offensive setzt direkt bei den digitalen Vertriebsdiensten für Musik an. Diese Dienstleister fungieren als Zugangstor zum Markt, da sie Aufnahmen im Auftrag von Musikern und Labels entgegennehmen und an Plattformen wie Spotify, Apple Music oder Amazon Music weiterleiten. Durch diese Schlüsselposition können Vertriebspartner betrügerische Inhalte bereits vor der Veröffentlichung stoppen.
Fünf Pflichten für Vertriebspartner
Für die Branche legt die Initiative fünf Mindeststandards fest. Ein zentraler Baustein ist die Einführung strikter Identitäts- und Rechteprüfungen nach dem Vorbild des Finanzsektors („Know Your Customer“), um Kunden zweifelsfrei zu verifizieren. Ferner verpflichtet die Selbstregulierungsaktion zur Inhaltsüberprüfung mithilfe moderner Erkennungswerkzeuge, um Urheberrechtsverletzungen, betrügerische Uploads und missbräuchliche KI-Inhalte frühzeitig zu erkennen.
Daneben umfassen die Vorgaben wirksame Prozesse zur Untersuchung von Betrugsfällen und Maßnahmen gegen Wiederholungstäter. Ein rechtlich zulässiger Informationsaustausch soll verhindern, dass Täter nach einer Sperre den Anbieter wechseln. Schließlich geloben die Unterzeichner die kontinuierliche Weiterentwicklung ihrer Schutzsysteme.
Unterstützt wird das Vorhaben von den großen Labels Sony Music, Universal Music und Warner Music sowie Verbänden wie IMPALA und Merlin. Beteiligt sind auch zahlreiche Vertriebsdienste wie Absolute Label Services, ADA, AWAL, CD Baby, CmdShft, Ditto Music, FUGA, GoDigital, HYBE, IDOL, InnerCat Music, Redeye, Revelator, RouteNote, Secretly Distribution, Symphonic, The Orchard, Too Lost und Virgin Music.
Der BVMI-Vorstandsvorsitzende Florian Drücke unterstrich, dass Streaming-Betrug den fairen Wettbewerb verzerre und eine internationale Antwort erfordere. Die Initiative schließt an die breiter aufgestellte Kampagne End Streaming Fraud an, mit der die IFPI und Partner das Bewusstsein für die wachsende Bedrohung zu schärfen versuchen, die Streaming-Schwindel für das gesamte Musik-Ökosystem darstellt.
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