Wuppertal: Ermittler gehen von antisemitischer Tat aus
An der Bergischen Synagoge in Wuppertal ist Feuer gelegt worden. Niemand wurde verletzt. Der Staatsschutz ermittelt gegen einen 37-Jährigen.
17.09.2026 | 0:26 minNach dem Brandanschlag auf die Wuppertaler Synagoge in Nordrhein-Westfalen soll der Verdächtige einem Haftrichter vorgeführt werden. Er habe sich klar antisemitisch geäußert, sagte ein Sprecher der Wuppertaler Staatsanwaltschaft.
Hinweise auf einen islamistischen Hintergrund der Tat seien dagegen bislang nicht entdeckt worden. Gegen den Mann wird wegen versuchter schwerer Brandstiftung ermittelt.
Messer und Machete bei Verdächtigem gefunden
Der 37-jährige Afghane soll zwei Beutel mit Flüssigkeit an die Synagoge geworfen und einen dritten an einer Nebentür ausgegossen und die brennbare Flüssigkeit angezündet haben. Er war noch in Tatortnähe von Sicherheitskräften festgenommen worden.
Die Wohnung des Beschuldigten war noch am Donnerstag durchsucht worden. Dabei wurde ein Mobiltelefon entdeckt, dessen Auswertung weiter andauert. Zudem wurden mehrere Messer und eine Machete entdeckt, die dort griffbereit gelegen hätten. Der Verdächtige habe zudem eine Vorstrafe wegen der Bedrohung einer Nachbarin, sagte Oberstaatsanwalt Wolf-Tilman Baumert.
Polizisten sichern Spuren an der Wuppertaler Synagoge.
Quelle: Christoph Petersen/dpaBrand wurde von Mitarbeitern der Synagoge gelöscht
Der Brand war auf einer Treppe an einem Nebeneingang der Bergischen Synagoge in Wuppertal gelegt worden. Das Feuer konnte von Mitarbeitern der Synagoge mit einem Feuerlöscher schnell gelöscht werden. Verletzt worden sei niemand. Der Sachschaden sei gering, hatte die Polizei mitgeteilt.
Die Polizei sucht als Zeuginnen der Tat zwei junge Frauen, die sich zur Tatzeit in unmittelbarer Nähe der Synagoge aufgehalten haben sollen. Die Tat hatte sich am Donnerstag gegen 14 Uhr ereignet.
Jüdische Gemeinden fordern "spürbare Konsequenzen"
Der Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Nordrhein reagierte auf den Angriff mit Entsetzen: Der Versuch, am helllichten Tag, vor laufender Sicherheitskamera das Gebäude in Brand zu setzen, führe erneut vor Augen, dass Jüdinnen und Juden in Deutschland nicht sicher seien. Die Kameraaufzeichnungen zeigten eindeutig: Der Angreifer habe maximalen Schaden anrichten wollen und menschliche Opfer in Kauf genommen.
Das ist verstörend und muss endlich spürbare Konsequenzen nach sich ziehen.
Mitteilung der Jüdischen Gemeinden von Nordrhein
Der erneute Anschlag auf eine Synagoge wenige Tage vor Jom Kippur wecke zudem Erinnerungen an den tödlichen Angriff von Halle 2019. Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, verurteilte den Anschlag:
Erneut ist es in der Zeit der jüdischen hohen Feiertage zu einem Anschlag auf eine Synagoge gekommen.
Josef Schuster, Zentralratspräsident
Wuppertals Oberbürgermeisterin ruft zu Solidarität auf
Wuppertals Oberbürgermeisterin Miriam Scherff verurteilte die Tat als "sehr schäbig". Die Politikerin von der SPD rief zur Solidarität mit der Jüdischen Kultusgemeinde auf. Die Bergische Synagoge wurde 2002 eröffnet. Der Jüdischen Kultusgemeinde Wuppertal gehören gut 2.000 Menschen an.
Bereits 2014 war ein Brandanschlag auf die Synagoge verübt worden. Dafür waren drei Palästinenser verantwortlich. Sie hatten gestanden und ausgesagt, mit der Tat die Aufmerksamkeit auf den Konflikt im Gazastreifen lenken zu wollen. Sie erhielten Bewährungsstrafen.
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