Chekov ist tot – zum Tode von Walter Koenig
Wenn ein Schauspieler erst in der zweiten Staffel zu einer bei ihrer ersten Ausstrahlung nur mäßig erfolgreichen Serie stößt, die dann drei Jahre später abgesetzt wird – wie wird seine Rolle dann zu einer Kultfigur? Im Falle von Walter Koenig, der am 25. Oktober 2026 verstorben ist, fällt die Antwort leicht: Man spielt die eng umrissene Rolle des ständig etwas überforderten Navigators an Bord der Enterprise 1701 (kein A, oder andere Buchstaben) stets mit Humor.
Das schaffte Koenig ab 1967. Und zwar so konsequent, dass seine Figur des Pavel Chekov dann auch bis zum Ende der Serie 1969 und in allen Kinofilmen mit der originalen Crew bis 1994 einen festen Platz hatte. Dabei war der damals 30-jährige vor allem deswegen für die zweite Staffel an Bord geholt worden, um ein jüngeres Publikum anzusprechen. Er sah dem Sänger der Band „The Monkees“ ähnlich, und bekam die passende in den 1960ern angesagte Pilzkopf-Frisur verpasst.
Mehr als eine komische Figur
Weil jung und gutaussehend nicht reichte, schrieben Trek-Erfinder Gene Roddenberry und seine Autoren auch noch eine Art Running Gag in Koenigs Rolle. Der nur als Fähnrich auf der Brücke aktive Pavel Chekov behauptete seinen Vorgesetzten gegenüber immer wieder, dass alle Meilensteine der Menschheitsgeschichte aus Russland kämen. Ein offensichtlicher Seitenhieb auf das „Space Race“ um die Eroberung des Weltraums zwischen den USA und der Sowjetunion in den 1960er Jahren.
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Walter Marvin Koenig wurde 1936 in Chicago als Sohn russischstämmiger Einwanderer geboren. Daher lag es wohl nahe, ihm für „Star Trek“ – selbst in der deutschen Synchronisation – einen deutlich wahrnehmbaren russischen Akzent in die Rolle zu schreiben. Der war jedoch erkennbar etwas holprig, Koenig berief sich auf seinen Vater, der so gesprochen habe, und machte daraus eine Tugend. Er zog den komischen jungen Russen – was ja auch seine Rolle war – einfach durch. Schon in seiner ersten Fernsehserie, „The Lieutenant“, arbeitete er von 1963 bis 1964 unter Gene Roddenberry, man vertraute sich offenbar.
Der Rest ist Star-Trek-Geschichte, so wie Kirk, Spock, Scotty und Pille (im Original: Bones) wurde Chekov zu einer festen Instanz im ersten weltweit erfolgreichen Science-Fiction-Fernsehuniversum. Und 30 Jahre später brillierte Walter Koenig in einem zweiten.
Koenig in Babylon 5 – gruselig gut
Denn in Babylon 5, das Star Trek: Deep Space Nine von 1994 bis 1998 kräftig Konkurrenz machte, spielte er in nur 12 Episoden eine Figur, an die sich Fans der Serie wohl mit Gruseln erinnern. Alfred Bester, eine Art Agent des geheimnisvollen „Psi-Corps“, ist ein Telepath der höchsten Stufe, und kann Menschen und Dinge nur kraft seiner überlegenen psychischen Fähigkeiten manipulieren. Eiskalt, dem Faschismus ergeben, ohne weiteres immer wieder zum politischen Mord fähig, war Koenigs Figur des Bester ein radikaler Gegenentwurf zu Pavel Chekov. Gut geht das für Bester in der Serie übrigens nicht aus.
Neben diesen beiden Meilensteinen der Science-Fiction spielte Walter Koenig bis ins hohe Alter eine Vielzahl kleinerer Rollen in Film und Fernsehen. Und tauchte natürlich als Figur oder mit seiner Stimme in vielen Computerspielen des Star-Trek-Universums auf. Über sein Privatleben ist nur wenig bekannt. Seine Frau Judy Levitt, mit der er seit 1965 verheiratet war, ging ihm 2022 voraus. Schauspiel-Kollege George Takei, mit dem er zusammen in Star Trek spielte, teilte seine Trauer auf Mastodon.
Wie das Branchenmedium Variety übereinstimmend mit anderen US-Medien berichtet, starb Walter Koenig gestern in North Hollywood an Altersschwäche im Kreise seiner Familie.
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