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Wednesday, November 4, 2026

KI-Update: Nein zu Rechenzentren, Anthropic warnt, Google-Zwang, KI-Mythen

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Bei den US-Zwischenwahlen gewannen die Demokraten überall Mehrheiten, teils sogar in republikanischen Hochburgen. Noch deutlicher verloren aber KI-Rechenzentren. In 41 lokalen Abstimmungen, vor allem in Ohio, wo schon viele solcher Anlagen stehen, entschieden Bürger über ihre Zukunft. In allen 37 bisher ausgezählten Fällen setzten sich die Gegner durch. Ein Verbot folgt daraus nicht überall. Manche Orte verhängten ein Moratorium, andere verpflichten ihre Verwaltung, sich vor Entscheidungen beraten zu lassen.

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Oft stimmten in kleinen Gemeinden nur einige hundert Menschen ab. In Bloomington in Illinois, der größten Stadt auf der Liste, sprachen sich aber mehr als 20.000 Wähler für eine Beratungspflicht aus. Oft war es eindeutig: Das knappste Ergebnis lag bei 55 zu 45 Prozent, häufig stimmten mehr als zwei Drittel dagegen. Neben dem hohen Strom- und Wasserverbrauch klagen Anwohner zunehmend über Lärm, den die Anlagen Tag und Nacht erzeugen.

Anthropic hält es für möglich, dass KI die Entwicklung neuer KI-Modelle bald stark beschleunigt, wie ebenfalls aus der überarbeiteten Fassung seines Börsenprospekts hervorgeht. Schon heute hilft Claude beim Bau neuer Claude-Modelle, etwa beim Schreiben von Code oder bei Tests. Stärkere Modelle könnten diesen Anteil ausbauen. Im Extremfall entwickelt eine KI ihre Nachfolger ganz ohne Menschen. Fachleute nennen das „rekursive Selbstverbesserung“.

Je mehr Claude an der eigenen Entwicklung mitarbeitet, desto schwerer lässt sich jeder Schritt nachvollziehen und kontrollieren. Anthropic räumt ein, große Sprünge in der Vergangenheit erst im Nachhinein bemerkt zu haben. Die Warnung dient allerdings auch dem Marketing. Das Unternehmen steht kurz vor dem Börsengang, und je gefährlicher eine Technik klingt, desto wichtiger wirkt sie.

Seit Jahresbeginn hat Anthropic Verluste von 104 Milliarden US-Dollar angehäuft. Das geht aus dem Börsenprospekt hervor. Der Großteil stammt aus Anpassungen in der Bilanz. Im laufenden Geschäft verlor das Unternehmen 567 Millionen US-Dollar. Zugleich stieg der Umsatz in den ersten neun Monaten 2026 von 2,5 auf 33,2 Milliarden US-Dollar.

Für die kommenden Jahre plant Anthropic Investitionen von 895 Milliarden US-Dollar in Rechenzentren und Infrastruktur. Ob dieses Geld tatsächlich fließt, ist offen. Der lokale Widerstand gegen Rechenzentren in den USA wächst, und unter Anlegern mehren sich die Zweifel, ob sich die riesigen KI-Ausgaben je auszahlen.

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Auf dem Digitalgipfel in Berlin, dem wichtigsten jährlichen Treffen von Politik, Wirtschaft und Verbänden zur digitalen Zukunft Deutschlands, ging es vor allem um KI und um Europas Unabhängigkeit. Bundeskanzler Friedrich Merz betonte, wie wichtig eigene Fähigkeiten seien, von der Hardware bis zur Software. Ohne vertrauenswürdige Partner gehe es aber nicht.

Zu diesen Partnern zählt offenbar Google. Die deutschen Nachrichtendienste wollen ihre neue Offline-Cloud mit dem US-Konzern aufbauen. Merz verteidigte die Wahl, die Google-Cloud sei souverän genug. Fachleute aus Politik und Verbänden sehen das anders. Behörden sollten gezielt heimische Cloud-Dienste buchen, fordern sie. Erst dann lohne es sich, in europäische Alternativen zu investieren.

Immer mehr Unternehmen begründen Stellenabbau mit KI. Fachleute auf dem Digitalgipfel halten das oft für einen Vorwand. Die wahren Gründe seien häufig eine schwache Konjunktur oder Umbauten im Konzern. Im Büro ist generative KI längst Alltag, beim Schreiben, Recherchieren und Programmieren. Begeistert sind die Beschäftigten nicht. Laut einer Umfrage von Adaptavist, einem Softwaredienstleister, wünschen sich fast drei Viertel der deutschen Büroangestellten die Zeit vor ChatGPT zurück. Viele klagen über mehr Arbeit und mehr Druck.

Jungen Menschen wird oft geraten, ins Handwerk zu gehen. Der Arbeitsmarktforscher Enzo Weber widersprach auf dem Gipfel. Nötig seien bessere Weiterbildung und passende Bildungswege. Auch Zuwanderung bleibe wichtig, denn KI werde den Bedarf an Arbeitskräften insgesamt nicht senken.

In deutsche Rechenzentren fließen dieses Jahr 23,5 Milliarden Euro, so viel wie nie zuvor. Das ergibt eine Studie des Borderstep Instituts, einer Forschungseinrichtung, im Auftrag von Bitkom, dem Branchenverband der Digitalwirtschaft. Cloud-Dienste und KI treiben das Wachstum. Bis 2035 soll mehr als die Hälfte der deutschen Rechenzentrumskapazität allein auf KI entfallen.

Im Vergleich mit den USA und China liegt Deutschland dennoch weit zurück. „Wer bei der Infrastruktur zurückfällt, verliert auch bei KI schnell den Anschluss“, warnt Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst. Ganz so einfach ist es nicht. Open-Source-Modelle beweisen, dass sich starke KI auch mit weniger Rechenleistung bauen lässt.

Google hat ein neues KI-Angebot für Schulen vorgestellt und dabei Druck aufgebaut. Schulen sollten Googles KI-Werkzeuge zwar abwählen können, verlören damit aber zunächst auch die Google-Suche, die mit Abstand wichtigste Suchmaschine. Später ruderte Google teilweise zurück. Schulleitungen könnten nur die KI-Werkzeuge abbestellen und die Suche behalten. Die KI-Antworten, die Google prominent in seinen Suchergebnissen anzeigt, bleiben aber. Wer die Google-Suche nutzt, kann KI also nicht ganz aussperren. Die Regel soll Anfang nächsten Jahres kommen.

Die Kritik ist laut. Google machte die Pläne gegenüber der New York Times öffentlich. New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani warf dem Konzern vor, seine Monopolstellung auszunutzen. Man lasse sich nicht erpressen, Konzerne dürften nicht bestimmen, wie Kinder unterrichtet werden. Kern des neuen Angebots ist ein Werkzeug namens „Guided Learning“. Es liefert Schülern keine fertigen Antworten, sondern führt sie Schritt für Schritt zur Lösung. Lehrer in Kolumbien und Indien sollen es bereits getestet und gelobt haben.

„Sprachmodelle können nicht einmal die Buchstaben im Wort Erdbeere zählen“ – diese Behauptung hält sich hartnäckig, obwohl sie längst überholt ist. Zwei Forscher der Stanford University prüften 50 viel zitierte Befunde über Sprachmodelle an 20 Modellen von acht Entwicklern erneut. Fast die Hälfte ist abgelaufen, der Effekt also weitgehend verschwunden. Ein weiteres Drittel hat sich deutlich abgeschwächt. Nur etwa jeder sechste Befund gilt noch. Im Schnitt hielt eine Erkenntnis rund 16 Monate.

Am schnellsten veralten Aussagen darüber, was Modelle nicht können, etwa Buchstaben zählen oder in ungewohnten Zahlensystemen rechnen. Solche Fehler lassen sich gezielt wegtrainieren, weil es ein eindeutig richtiges Ergebnis gibt. Tendenzen halten sich länger, etwa Schmeichelei gegenüber Nutzern, eine politische Neigung nach links oder die Vorliebe für eigene Antworten. Beim Erfinden von Quellen klaffen die Modelle weit auseinander. GPT-3.5 dachte sich 2023 mehr als die Hälfte seiner Quellen aus, GPT-6.1 Sol heute keine, das neueste Claude Sonnet ein Prozent. Qwen3.7-Flash von erfand dagegen mehr als zwei Drittel. Die Forscher fordern, Befunde als Momentaufnahme zu behandeln. Studien sollten Modell, Version und Datum nennen und Prompts sowie Code veröffentlichen.

David Durman, Forschungsverwalter an der University of Kentucky, muss bei der Arbeit keine KI einsetzen. Es ist der erste bekannte Fall dieser Art. Die Universität hatte ihre Angestellten aufgefordert, KI in ihre Abläufe einzubauen. Durman lehnte ab. Situationen selbst zu durchdenken sei ein wesentlicher Teil seiner Entwicklung zu einem moralischen Menschen, sagte er dem Portal Religion News. Gebe er diese Arbeit ab, untergrabe das seine Fähigkeit, moralisch zu handeln. Mithilfe der American Humanist Association, einer Nichtregierungsorganisation, berief er sich auf ein Gesetz, das Ausnahmen erlaubt, wenn Arbeitsvorgaben religiösen Überzeugungen widersprechen. Die Universität stimmte zu.

Immer mehr Studien untersuchen, wie KI unser Denken verändert. Laut einer Studie des MIT können KI-Inhalte falsche Erinnerungen erzeugen, von denen Betroffene besonders überzeugt sind. In einem Versuch von Anthropic übernahmen 86 Prozent der Teilnehmer das Urteil der KI. Die meisten hielten die Entscheidung trotzdem für ihre eigene, manche wiederholten die Begründung wortgleich. Nur 15 Prozent erwähnten die KI überhaupt. Neutral sind die Systeme nicht. Bei identischen Fragen zu den US-Wahlen empfahl ChatGPT meist Demokraten, Grok fast immer Republikaner.

Anthropic hat seinem Programmierassistenten Claude Code verboten, bestehende Spiele nachzubauen. Eigene Spiele in bekannten Genres bleiben erlaubt. Auslöser waren KI-generierte Kopien, die im Oktober beim Steam Next Fest, einer Messe für neue Spiele auf der Plattform Steam, Aufsehen erregten. Einige Indie-Studios sagten aus Angst vor Nachahmern ihre Demos ab. Andere berichteten von Erpressern, die drohten, kopierte Spiele vorzeitig zu veröffentlichen.

Erste Entwickler beklagen nun, Claude Code verweigere auch die Arbeit an eigenen Projekten, etwa an Spielmechaniken oder Software gegen Betrüger. Ob die neue Regel oder andere Filter schuld sind, ist unklar. Ob das Verbot wirkt, ebenso. Wer blockiert wird, kann auf andere KI-Dienste oder lokal laufende Open-Source-Modelle ausweichen.

Goldman Sachs entzieht den meisten Beschäftigten fortgeschrittene KI-Werkzeuge zum Programmieren. Claude Code und Microsofts GitHub dürfen laut Bloomberg nur noch Ingenieure nutzen. Händler und Banker hatten die Werkzeuge monatelang eingesetzt, etwa um Handelsströme zu überwachen oder Inhalte zu erstellen. Noch im Sommer lobte die Bank ausdrücklich, dass auch Mitarbeiter ohne Technikausbildung per KI programmierten. Die Kehrtwende sorgt für Unmut.

Warum die Bank umsteuert, bleibt offen. Bloomberg nennt nur eine Prüfung von Produktivität und Risiken. Ein Sprecher sagte, nach der Testphase gingen die Werkzeuge an jene, die sie langfristig am besten nutzen könnten.

Am Allen Telescope Array in Nordkalifornien lenken jetzt KI-Agenten das Teleskop und werten die empfangenen Radiosignale aus. Das SETI Institute, das nach außerirdischer Intelligenz sucht, nutzt dafür Nvidias Plattform Holoscan, die Daten in Echtzeit verarbeitet. Partner ist Breakthrough Listen, das Suchprogramm des Milliardärs Yuri Milner. Arbeit, die bisher Wochen dauerte, soll nun in Stunden erledigt sein. Nach eigenen Angaben erkannte das Team erstmals einen Pulsar im Krebsnebel in Echtzeit per KI. Pulsare sind schnell rotierende Sternreste, die regelmäßig Signale aussenden, und eignen sich deshalb als Testfall.

Als Nächstes will das Team offene KI-Modelle testen, die ohne Internet laufen. Sie könnten etwa in Sensoren auf der Rückseite des Mondes arbeiten, wo keine Verbindung zur Erde besteht. Ein bestätigtes Signal von Außerirdischen gibt es seit dem ersten SETI-Experiment 1960 nicht.

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