Drohnen und Hightech-Chips: Japans neue Verteidigungslinie
Die Zeitenwende ist auch in Japan angekommen: Seine geopolitische Lage bringt das Land zu einer grundlegenden Wende in der Sicherheitspolitik. Rüstung spielt wieder eine größere Rolle.
14.10.2026 | 6:31 minHokkaido im Norden Japans ist bekannt als Pulverschnee-Paradies für Skifahrer, im Sommer für seine Blumenpracht und das ganze Jahr über für sein Sapporo-Bier.
Hier sind sie außerdem so nah an Russland wie nirgendwo sonst im Land - und fühlen sich aufgrund der geografischen Lage Japans gleich von mehreren Seiten bedroht.
Lavendel und das daraus destillierte Öl sind ein französischer Exportschlager. Als Rohstoff für die Duft-Industrie ist Lavendel selbst in Japan nicht mehr wegzudenken, wird auch dort angebaut.
03.08.2026 | 2:05 minSo gefährlich wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr
"Da ist China, das in jüngster Zeit seine militärischen Fähigkeiten verstärkt, und Nordkorea, das sowohl seine nuklearen als auch seine konventionellen Waffen modernisiert. Und Russlands Krieg in der Ukraine dauert nun schon vier Jahre", sagt Takeda Toshihiro, kommandierender General der Siebten Panzerdivision.
Deshalb halte ich die internationale Lage gerade für die gefährlichste seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs.
Takeda Toshihiro, Generalleutnant der japanischen Streitkräfte
Eine Lehre, die die Streitkräfte in Hokkaido aus Russlands Ukraine-Krieg ziehen, ist die wachsende Bedeutung von Drohnen und Cyber-Krieg. Doch auch die konventionelle Verteidigung bleibt wichtig.
Nordkorea hat nach Angaben Südkoreas eine ballistische Rakete abgeschossen. Sie stürzte außerhalb japanischer Gewässer ins Meer. Japans Verteidigungsminister spricht von einer Bedrohung.
12.08.2026 | 0:25 minDen Angriff eines Feindes abwehren
Deshalb üben sie auf dem Trainingsfeld, einen feindlichen Angriff abzuwehren. Es ist eine Prüfung für die 20-jährige Soldatin Nakano Yui. Als der Angreifer-Panzer getroffen ist und die rote Fahne hissen muss, klettert sie verschwitzt und mit Tarnfarbe im Gesicht aus dem Panzer, sichtlich erleichtert.
Sie ist eine von zehn Frauen in ihrer 300 Mann starken Panzereinheit und zum Militär gegangen, um ihrem Erdbeben- und Tsunami-geplagten Land bei Naturkatastrophen zu helfen. In ihrer Familie ist sie die erste Soldatin und ihre Eltern in Tokio waren zunächst strikt gegen ihren Plan: viel zu gefährlich.
"Wir trainieren mit dem Ernst der Lage im Hinterkopf. Wir verfolgen ständig die internationale Situation und denken darüber nach, welche Auswirkungen sie auf Japan haben könnte und was wir in einem solchen Fall tun müssen", sagt Nakano Yui.
Änderung der Nachkriegspolitik
:Japan lockert historisches Verbot von RüstungsexportenJapan hat seine historisch begründete Beschränkung für Waffenexporte gelockert. Der Export "jeglicher Verteidigungsausrüstung" werde nun möglich, so Ministerpräsidentin Takaichi.
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Kehrtwende für Japans Verteidigungspolitik
Japan hat den Pazifismus nach dem Zweiten Weltkrieg in der Verfassung verankert, das Militär trägt ihn im Namen: Selbstverteidigungs-Streitkräfte nennen sie sich. Die neue Premierministerin Sanae Takaichi strebt eine Revision dieses Pazifismus-Artikels an. Japan müsse sich aufgrund der aktuellen Bedrohungslage neu aufstellen. Die Verteidigungsausgaben steigen massiv. Im April lockerte das Land das historische Verbot von Rüstungsexporten. Es sei notwendig, in Sachen Sicherheitspolitik mit Partnerländern zusammenzuarbeiten. Wohl auch, weil nicht mehr alle sicher sind, ob man sich auf den eigentlich wichtigsten Verteidigungspartner - die USA - noch voll verlassen kann.
Am 11. März jährt sich die Atomkatastrophe von Fukushima zum 15. Mal. Tausende Menschen starben, viele verloren ihre Heimat. Langsam kehren manche zurück - so auch Koizumi Miku.
11.03.2026 | 2:44 minHalbleiter: Japan will 20 Jahre Rückstand aufholen
Japan versucht, sich nicht nur militärisch gegen China, Nordkorea und Russland abzusichern, sondern hat auch in Sachen Technologie eine Aufholjagd gestartet. Ein paar Autominuten von der Kaserne entfernt steht die riesige Fabrikhalle, mit der Japan zur Halbleitergroßmacht werden soll. Der Zugang wird strenger überwacht als beim Flughafen. Denn hier haben sie Großes vor: Japan will Jahrzehnte Rückstand aufholen, mehrere Chip-Generationen überspringen und zurück an die Weltspitze, dorthin, wo sie in den 80er Jahren schon mal waren.
Der 74-jährige Koike Atsuyoshi ist der CEO von Japans jüngstem Mega-Startup. Stolz zeigt er seine Krawatte mit Halbleiter-Print und seinen Prototyp des Zwei-Nanometer-Chips, die fortschrittlichste Generation der Mikrochips, die die ganze Welt für Roboter- und KI-Anwendungen braucht.
Um seine Abhängigkeit von China zu verringern, hat Japan ein eigenes Forschungsschiff in den pazifischen Ozean entsendet. Dort soll der Abbau von Seltenen Erden vorbereitet werden.
28.01.2026 | 10:04 minUnempfindlicher gegen geopolitische Krisen
"Der Firmenname Rapidus steht für Geschwindigkeit", sagt er. "Unser Unternehmen verfügt über eine besondere Technologie, die wir als reine Einzelwafer-Verarbeitung bezeichnen. Wir können damit zwei- bis dreimal schneller produzieren als alle anderen."
Das hoffen sie zumindest. Bis 2027 will Rapidus die Highend-Chips hier in Massen produzieren. Das hochsubventionierte Unternehmen ist eine Säule in Japans Strategie, sich unempfindlicher zu machen gegen geopolitische Risiken. Es soll den Nachschub von Hightech-Chips sichern. Denn bisher kommen die meisten Halbleiter weltweit aus Taiwan - von der Insel, die Peking immer wieder droht, einzunehmen, notfalls mit Gewalt.
Seit Jahren droht China, Taiwan mit militärischer Gewalt zu übernehmen. Nun rüstet der Inselstaat massiv auf.
08.08.2026 | 1:45 minVorbereitet sein, damit es friedlich bleibt
So weit denkt Nakano Yui heute nicht. Sie ist nervös, denn sie schreibt einen Test. Den muss sie bestehen, um zukünftig das Funkgerät des Panzers bedienen zu dürfen. Zweimal ist sie schon durchgefallen. Als nächstes möchte sie Richtschützin werden und bis zur Rente Soldatin bleiben. Was sie sich für ihr Land wünscht? "Ich wünsche mir, dass es immer friedlich bleibt", sagt sie.
Damit es friedlich bleibt, wollen sie für den Ernstfall vorbereitet sein, denn sie haben den Eindruck, dass der so nah ist wie seit 80 Jahren nicht. Vorbereitet sein wollen sie nicht nur mit Drohnen und Panzern, sondern auch an der Hightech-Front.
Miriam Steimer ist als Korrespondentin und Studioleiterin des ZDF-Studios Ostasien zuständig für die Berichterstattung u.a. aus China, Japan, Korea und den Philippinen.
Über dieses Thema berichtete die Sendung auslandsjournal am 14.10.2026 um 22:15 Uhr.
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