Nord- und Ostsee waren im Sommer deutlich zu warm
Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie Nord- und Ostsee waren im Sommer zu warm
Stand: 07.09.2026 • 16:49 Uhr
In Europas Meeren wurden in diesem Sommer ungewöhnlich hohe Temperaturen gemessen. Auch in Nord- und Ostsee war es deutlich wärmer als sonst. Forscher warnen vor den Folgen für die Tierwelt und die Menschen.
Nord- und Ostsee haben sich in diesem Sommer ungewöhnlich stark aufgeheizt. Wie das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) mitteilte, lagen die Wassertemperaturen der zwei Meere in den Monaten Juni bis August deutlich über den langjährigen Mittelwerten. Insgesamt sei es der fünftwärmste Sommer für die Nordsee und der siebtwärmste für die Ostsee jeweils seit dem Jahr 1997 gewesen.
Hitzewellen vor Helgoland
Die durchschnittliche Oberflächentemperatur der Nordsee betrug 15,6 Grad, in der Ostsee waren es 17,2 Grad. Die Werte lagen damit jeweils knapp einen Grad über den Mittelwerten der Vergleichsperiode von 1997 bis 2021. Besonders die südliche Nordsee und der Ärmelkanal stachen demnach hervor: Dort lag die Temperatur zwei Grad oder mehr über dem langjährigen Mittel.
Einzelne Gebiete stellten neue Höchstwerte auf. So zählten die Gewässer um Helgoland zu den besonders stark erwärmten Regionen der Nordsee. Dort gab es den Angaben zufolge 66 Tage mit marinen Hitzewellen. Das bedeutet, dass über einen Zeitraum von mindestens fünf Tagen die Wassertemperaturen in der Region ungewöhnlich hoch waren. Im Juli lag die Oberflächentemperatur dort sogar fast vier Grad Celsius über dem Mittelwert, der für die Zeit seit Inbetriebnahme der Messstation 2009 errechnet wurde.
Vor allem im Juni war die Ostsee extrem warm
In der Ostsee traten laut BSH besonders hohe Werte vor der schwedischen Ostküste, entlang der deutschen und polnischen Küsten sowie im äußersten Norden auf. Dort stiegen die Temperaturen teils um 1,5 Grad und mehr über das langjährige Mittel.
Insbesondere der Juni sei in der Ostsee mit fast drei Grad über dem langjährigen Mittel extrem warm gewesen, teilte das BSH mit. Im Juli und August wurden demnach eher durchschnittliche Temperaturen registriert.
Wärmere Meere verstärken Klimawandel
Nord- und Ostsee seien zwar nicht in gleichem Maße betroffen wie das Mittelmeer oder der Nordostatlantik, dennoch gehörten die Temperaturen vielerorts zu den höchsten der vergangenen Jahrzehnte, sagte Tim Kruschke, Leiter des Referats Marine Klimafragen beim BSH.
"Besonders die neuen Höchstwerte in der südlichen Nordsee und die 66 Tage mit marinen Hitzewellen vor Helgoland zeigen, dass sich extreme Wärmeereignisse auch in unseren heimischen Meeren deutlich bemerkbar machen", sagte Kruschke, der vor den Folgen der hohen Temperaturen warnte.
Lebensräume änderten sich drastisch, einige Tierarten würden in kühlere Gewässer weiterziehen, während sich nicht-einheimische Arten ausbreiteten, so Kruschke. Schädliche Algenblüten und Sauerstoffmangel nähmen zu und auch der Meeresspiegel steige an, weil sich warmes Wasser ausdehnt und Gletscher sowie Eisschilde schmelzen. Zudem speicherten wärmere Meere weniger Kohlenstoffdioxid, was den Klimawandel verstärke.
Copernicus warnt vor höherem Risiko für extreme Unwetter
Die Meere nehmen den Großteil der zusätzlichen Wärme auf, die durch den Klimawandel zustande kommt. Dem EU-Klimadienst Copernicus zufolge halten höhere Meerestemperaturen die Atmosphäre länger warm und sorgen dafür, dass sich mehr Energie ansammelt - was das Risiko für extreme Stürme, Niederschläge und Überschwemmungen erhöht.
Das BSH untersucht wöchentlich die Oberflächentemperaturen von Nordsee und Ostsee und kombiniert dazu Satellitendaten mit Messungen von Stationen und Schiffen. Aus den Wochenmitteln von Juni, Juli und August berechnete es das Sommermittel 2026 und verglich es mit dem Sommermittel von 1997 bis 2021.
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