The Daily Newsstand · Free, Always
Friday, October 30, 2026

US-Präsident Trump verliert einen wichtigen Verbündeten nach der Serbien-Wahl und gewinnt in Brasilien keinen neuen hinzu

Translate

In den USA steht der Gang an die Wahlurne noch an. Am kommenden Dienstag, 3. November, stimmen Amerikanerinnen und Amerikaner bei den Zwischenwahlen darüber ab, wer sie im Kongress vertritt. Aktuell haben dort in beiden Kammern die rechts-konservativen Republikaner von US-Präsident Donald Trump die Mehrheit.

Anderswo sind die Wahlen gerade durch: Sowohl in Serbien als auch in Brasilien haben die Menschen sich für das linke politische Lager entschieden. Die Ergebnisse haben keinen Vorhersagewert dafür, wie die Midterms in den USA ausgehen werden. Trotzdem sind die Siege der Studentenliste in Serbien und des amtierenden brasilianischen Präsidenten Luiz Inácio "Lula" da Silva schlechte Nachrichten für Trump.

US-Midterms: Werden frustrierte Wähler zur Wahl gehen?

In Serbien verliert er mit dem bisherigen Präsidenten Aleksandar Vucic einen wichtigen Verbündeten in Europa. Und in Brasilien hatte das Trump-Lager auf einen Sieg von Flávio Bolsonaro gehofft. Zu dessen Vater und ehemaligem brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro hatte Trump ein gutes Verhältnis.

"Trump war ein starker Unterstützer sowohl von Jair Bolsonaro, dem Trump-ähnlichen Präsidenten, der vor Lulas Sieg 2022 im Amt war, als auch von seinem Sohn Flávio", sagte Lawrence J. Haas, Experte für US-Außenpolitik bei der Denkfabrik American Foreign Policy Council, der DW. "Trump war nicht gerade glücklich über die Niederlagen der beiden, und er hat nichts für Lula übrig. Die Beziehung [zu Brasilien] wird also bestenfalls kühl bleiben."

Haas war in den 1990ern Kommunikationsdirektor für Bill Clintons Vizepräsidenten Al Gore.

Trump: Brasilien-Wahl sah "manipuliert" aus

Gegen Flávio Bolsonaro liegen Geldwäsche-Anschuldigungen vor. Er ist nach der verlorenen Wahl nach Florida geflohen; das US-Außenministerium hat ihm und seiner Familie Visa ausgestellt.

Seine Niederlage bei der Wahl will er nicht eingestehen, behauptet stattdessen, es sei zu Unregelmäßigkeiten bei der Abstimmung gekommen. Das erinnert stark an Trump, der immer noch fälschlich behauptet, Joe Biden und die Demokraten hätten ihm 2020 den Wahlsieg "gestohlen". Entsprechend äußerte sich Trump nun auch zu Bolsonaros Niederlage.

"Es sah ehrlich gestanden wie eine weitere manipulierte Wahl aus", sagte der US-Präsident am Montag. "Wahlen müssen unanfechtbar sein - und das sah meiner Meinung nach sehr schlecht aus."

Gute Beziehungen zum jetzt abgewählten Putin-Freund Vucic

Vucic hatte Serbien seit 2017 mit harter Hand regiert und wollte nun den Posten des Ministerpräsidenten übernehmen. Er und Präsident Trump seien Gleichgesinnte, hatte Vucic in der Vergangenheit gesagt. Kurz vor der US-Präsidentenwahl im November 2024 und nochmal einige Monate danach hatte Trumps ältester Sohn, Donald Jr., Vucic in Belgrad besucht.

Die "Conservative Political Action Conference" (CPAC), eine US-Organisation, die der "Make America Great Again"-Bewegung von Trump nahesteht, hatte erst kürzlich angekündigt, im November ein Treffen in Belgrad zu veranstalten. Einer der Hauptredner bei der Veranstaltung sollte Vucic sein. Ob es nun dabei bleibt, ist unklar.

Was Vucic außerdem mit Trump verbindet: Der bald ehemalige Präsident Serbiens hat eine sehr viel positivere Meinung von Wladimir Putin als die meisten anderen europäischen Regierungsoberhäupter. Vucic hatte sich den EU-Sanktionen gegen Russland nach Beginn des Angriffskriegs gegen die Ukraine nicht angeschlossen. Belgrad kauft weiterhin russische Rohstoffe und unter Vucic stellten die serbischen Staatsmedien Russland positiver dar als die EU.

Auch Trump zeigt sich Moskau immer mehr zugewandt. Sein Sondergesandter Steve Witkoff bezeichnete Putin kürzlich als "Menschenfreund", Trump selbst gab in einem Interview offen zu, besser mit Putin als mit dem ukrainischen Präsident Wolodymyr Selenskyj klarzukommen. Das Ende der Vucic-Regierung bedeutet nun auch, dass Trump einen der wenigen Verbündeten mit dieser Ansicht in Europa verloren hat.

Kampf, Kälte und Widerstand: Die Ukraine vor dem 5. Kriegswinter

Lichtblick Israel? Ergebnis noch offen

Immerhin in Israel könnte es zu einem Ausgang kommen, der nach Trumps Geschmack ist. Nachdem mehr als 96 Prozent der Stimmen ausgezählt sind, liegt der rechte Block von Premierminister Benjamin Netanjahu vorn. Allerdings hat auch Trump-Freund Netanjahu seine Mehrheit eingebüßt, die Koalitionsverhandlungen dürften sich also kompliziert gestalten.

Die beiden Staatsoberhäupter stehen sich nicht erst nahe, seit sie Ende Februar gemeinsam den Krieg gegen den Iran begonnen haben. Schon während seiner ersten Amtszeit verlegte Trump 2018 die US-Botschaft in Israel von Tel Aviv nach Jerusalem. Die Maßnahme war kontrovers, weil Jerusalem in Teilen sowohl von Israel als auch von den Palästinensern als Hauptstadt beansprucht wird. Das Lager um Netanjahu begrüßte die Entscheidung damals.

Heute sind die USA weiterhin der mit Abstand wichtigste Partner von Israel, und Israel ist ein wichtiges Standbein für die USA in der Region. Es ist unklar, wie die Beziehung unter einer anderen Israel-Regierung aussehen würde; sollte Netanjahu an der Macht bleiben, dürfte sich wenig bis gar nichts ändern.

Keine rosigen Aussichten auf die Midterms für Trump

Mit der Niederlage von Vucic verliert Trump einen treuen Verbündeten, mit Lulas Sieg bleibt ein unliebsamer Präsident im Amt. Das ist nicht schön für Trump, wird aber auf die wichtige Wahl im eigenen Land keinen Einfluss haben, sagt Haas: "Amerikaner werden auf der Grundlage von Themen abstimmen, die sie direkt betreffen, und abhängig davon, wie sie über die Partei denken, die gerade an der Macht ist."

Doch auch das sind für Trump keine vielversprechenden Aussichten. "Er hat die niedrigsten Zustimmungswerte eines Präsidenten vor den Midterms seit Harry Truman 1946", so Haas. "Amerikaner sind sehr besorgt über die Frage, wie viel sie sich noch leisten können [und] sie lehnen den Krieg der USA gegen den Iran ab."

Wie steigende Kosten Leben und Politik in den USA verändern

View the original on DW Deutsch →

KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.