Klimakiller Rechenzentren: Hohe CO₂-Emissionen durch Datenzentren in den USA

Der Strom für neue Computeranlagen in den USA kommt oft aus Gaskraftwerken. Die Emissionen steigen dadurch stark, zeigt eine Untersuchung.
Foto: Noah Berger/reuters
Die fossile Energieerzeugung für neue Rechenzentren in den USA produziert fast so viel Treibhausgas wie Deutschland. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung der renommierten US-Umweltorganisation Sierra Club. Danach soll die Energieerzeugung allein für die derzeit in den Vereinigten Staaten von 2025 bis 2030 geplanten Datenzentren 618 Millionen Tonnen CO2 verursachen. Deutschland verursachte im vergangenen Jahr 649 Millionen Tonnen. Die zusätzlichen Emissionen der geplanten Datenzentren würden den Ausstoß des gesamten US-Energiesektors bis 2030 um 42 Prozent in die Höhe schnellen lassen, analysiert Sierra Club – und so die gesamten Einsparungen von Treibhausgasemissionen im Energiesektor seit 2011 auffressen.
Der Energiehunger der Rechenzentren ist riesig, die Zahlen seien „nach wie vor unfassbar“, sagt Jeremy Fisher, Klima- und Energiechef des Sierra Club, laut Nachrichtenagentur Bloomberg. Wegen des großen Energiebedarfs der für KI-Anwendungen in den USA projektierten Rechenzentren und der überlasteten Netze werden vor Ort für sie eigens Gaskraftwerke errichtet, um sie mit Strom zu versorgen. Allein durch diese neuen Anlagen könnten die Emissionen bis 2030 laut Sierra Club um 460 Millionen Tonnen CO2 steigen – ungefähr so viel wie die jährlichen Emissionen Mexikos.
Nach Angaben der Energieberatungsfirma electricchoice.com sind gegenwärtig mehr als 4.500 Computerzentren in den USA in Betrieb, über 700 im Bau. Wegen ihres Ressourcenverbrauchs sind die fensterlosen, riesigen Anlagen vor den Midterm-Wahlen zu einem Top-Politikum geworden.
US-Präsident Donald Trump ist dafür. Die USA müssten ihren technologischen Vorsprung gegen China aufrechterhalten, forderte Trump. KI-Skeptiker verunglimpfte er als „Verschwörungstheoretiker“ und „Verräter“. 60 Prozent der Wähler lehnen den Bau der Einrichtungen in ihrer Region jedoch ab. Laut Umfragen sind 53 Prozent der US-Amerikaner „äußerst“ oder „sehr“ besorgt über die Auswirkungen der Datenzentren auf die Umwelt. Die demokratische Gouverneurin von New York, Kathy Hochul, hat inzwischen ein einjähriges Bauverbot für große Rechenzentren angeordnet, ähnlich ihr republikanischer Amtskollege Greg Abbott in Texas.
Datenfirmen schielen auf Reservate Indigener
Für große Kritik sorgten in Memphis drei Zentren der Firma SpaceXAI, eines KI-Unternehmens von Elon Musk. Der Bürgerrechtsverband NAACP protestierte gegen die Abgase der Gasgeneratoren zur Stromversorgung, die lokale und nationale Grenzwerte überschritten. Inzwischen hat das Unternehmen Abhilfe versprochen. Man wolle ein „guter Nachbar“ sein.
Auch die Flächenkonkurrenz zur Landwirtschaft und der enorme Wasserverbrauch der Rechenzentren führen zu Kritik. Anwohner klagen vielerorts gegen die Anlagen. Wie der Verband datacenterwatch.org ermittelte, haben die Proteste im zweiten Quartal 2026 mindestens 45 Projekte im Wert von 68 Milliarden US-Dollar blockiert oder verzögert, im ersten Quartal waren es sogar mindestens 75 Projekte.
Wie die New York Times berichtete, haben es Datenfirmen zunehmend auf indigene Reservate abgesehen, dünn besiedelte Regionen. Doch auch dort sind die Zentren umstritten. Laut dem Informationsdienst Native News Online von Anfang August haben die Cherokee nach mehrmonatiger Untersuchung ein Moratorium beschlossen. Es gebe „schwerwiegende Besorgnis“, was die Zentren dem Land, den Ressourcen und der kulturellen Lebensweise antun würden, erklärte Oberhäuptling Chuck Hoskin Jr.
Die Cherokee sind eines der größten indigenen Völker in den USA. Die Seminole haben sich ebenfalls für ein Moratorium ausgesprochen. Doch auch hier lockt der Profit durch die Datenzentren. Der Verband National Congress of American Indians forderte das Weiße Haus Ende 2025 auf, in die KI-Infrastruktur in Reservaten zu investieren.
Eine Studie der den Demokraten nahestehenden Brookings Institution kam zu dem Schluss, dass weniger neue Datenzentren die Nachfrage an Datenverarbeitung nicht verlangsamen würden. Man müsse gesetzliche Restriktionen für den Betrieb durchsetzen, vor allem mehr Transparenz bei der Planung. (mit Agenturen)
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